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"Polizeiruf 110" aus Frankfurt (Oder) Der Shitstorm blieb aus – die Zuschauer schließen genderfluiden Ermittler in ihr Herz

"Polizeiruf 110" aus Frankfurt (Oder)
Bei ihrer ersten Begegnung wissen Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz, r.) und Kommissaranwärter Vincent Ross (André Kaczmarczyk, l.) noch nicht, dass sie künftig als Kollegen zusammenarbeiten werden.
© rbb/Hans-Joachim Pfeiffer / ARD
Ein genderfluider Ermittler im "Polizeiruf 110"? Der Sonntagskrimi ist endlich in der Gegenwart angekommen. Die Zuschauer ließen sich davon jedenfalls nicht schocken - im Gegenteil.

Mit dem neuen Ermittler sind die Macher des "Polizeiruf 110" in Frankfurt (Oder) ein kleines Wagnis eingegangen. Weil die Figur des Vincent Ross als genderfluid angelegt ist - er trägt einen Schottenrock und schminkt seine Augen mit Kajal -, war im Vorfeld damit zu rechnen, dass sich viele Zuschauer über dieses neue Männerbild im Sonntagskrimi echauffieren könnten. 

Schauspieler André Kaczmarczyk sah sich jedenfalls für heftige Reaktionen gut gewappnet. "Ich bin nicht in den sozialen Medien. Wenn es einen Sturm gibt, dann werde ich das gar nicht mitbekommen", sagte er im stern-Interview

Doch er hätte sich getrost auf Twitter umschauen können. Da war die Mehrzahl der Kommentare wohlwollend bis euphorisch: Die meisten User zeigten sich begeistert von dem neuen Fall und hoben dabei insbesondere Vincent Ross hervor.

"Polizeiruf 110": Lob für den Neuen

Selbst Skeptiker ließen sich von dem neuen Duo überzeugen: Ein User, der nach einer Vorabkritik getweetet hatte, er habe keine Lust "auf noch einen Krimi mit Woke-Sch...", korrigierte hinterher seine Meinung: Er habe den Tweet nach 15 Minuten "Polizeiruf" gelöscht, "weil dieser Krimi klasse & alles andere als woke war. Mit tollen Charakteren & einem starken Ermittlerteam."

Auf Facebook, wo generell eine deutlich robustere Sprache vorherrscht, waren die Reaktionen gemischter. Dort gab es einige User, die erkennbar fremdelten mit einem geschminkten Mann im Rock, einige stellten daraufhin mal wieder die Gebührenfrage. Doch auch hier überwog die Zustimmung.

Insgesamt also das rundum gelungene Debüt einer neuen, spannenden Ermittlerfigur. Doch war der Hype um die angeblich genderfluide Identität nicht ein bisschen übertrieben?

Eine Userin meldet Zweifel an: "Ich lese immer '#genderfluiderKommissar' – bisher sehe ich einen Mann, der einen extravaganten Modegestil pflegt (der ihm ziemlich gut steht). Über seine #Geschlechtsidentität wissen wir ja eigentlich noch nichts", schrieb die Userin via Twitter

Ob genderfluid oder einfach nur extravagant: Der von André Kaczmarczyk gespielte Vincent Ross, darin waren sich die meisten Zuschauer einig, hat Potenzial. Das spiegelte sich auch in den Quoten wider: Mit 8,44 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 25,0 Prozent Marktanteil stimmten die Zahlen. Mission geglückt.

che

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