HOME

Stern Logo Tatort

Schnellcheck

"Polizeiruf 110": Braunes Brot - ein Krimi über Rechtspopulisten in Rostock

Den Mord an einer Politikerin nimmt der Rostocker "Polizeiruf 110" zum Anlass für eine phasenweise brillante Auseinandersetzung mit dem Erfolg rechtspopulistischer Parteien - die am Ende doch wieder zu belehrend gerät.

"Polizeiruf 110" aus Rostock

Szene aus dem Rostocker "Polizeiruf 110": Bukow (Charly Hübner) befragt den Rechtsextremen Erik Meissner (Patrick von Blume). Kurz darauf fliegen die Fäuste.

ARD
  • 3 von 5 Punkten
  • Ein über weite Strecken lohnenswerter Krimi über die Verführungskraft des Rechtspopulismus - der letztlich an zu vielen Klischees krankt.

Worum geht's?

Sylvia Schulte, die Hoffnungsträgerin der rechtspopulistischen "Partei für Freiheit und Sicherheit" (PFS) wird tot aufgefunden, sie ist bei lebendigem Leib verbrannt worden. Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) vom LKA Rostock verdächtigen zunächst den persönlichen Assistenten der Politikerin: Mit dem Syrer Karim Labaneh (Atheer Adel) soll die Tote ein Verhältnis gehabt haben. Oder ist der Täter in Schultes Vergangenheit zu suchen - jener Zeit, als sie sich noch mit rechtsextremen Kameradschaften umgab? Die Ermittler tauchen tief ein in die rechte Szene Mecklenburg-Vorpommerns.

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf 110"?

Über weite Strecken gelingt es diesem Film, die Faszination rechtspopulistischer Parteien deutlich zu machen, ohne gleich mit dem erhobenen Zeigefinger zu schulmeistern. Sinnbildlich geschieht das in einem Gespräch zwischen der moralisierenden König und dem innerlich zerrissenen Bukow: Der sieht die Ursachen für den Erfolg rechten Gedankenguts im Rückzug des Staates - und vergleicht das mit dem Brotbacken: "Wenn man sich kümmert, wird das Brot nicht braun, aber wenn man sich nicht kümmert, dann wird ein Brot braun. Dann wird es sogar dunkelbraun. Gucken Sie sich doch einmal um hier. Es gibt keine Krippen mehr, keine Kindergärten, keine Schulen. Alles verlegt. Die Leute sind auf sich allein gestellt. Wenn sich von oben keiner kümmert, dann läuft man dem hinterher, der die größte Fresse hat. Egal, welche Farbe der trägt."

Ein anderer Dialog entspinnt sich zwischen König und dem PFS-Parteichef Roland Herlau (Michael Wittenborn). Dem wirft sie vor, dass er nur mit den Ängsten seiner Wähler spiele. Seelenruhig wartet der Rechtspopulist, bis die Beamtin ihre Tirade beendet hat. Und erwidert dann: "Zuhören. Verstehen. Wiedersehen, Frau König." Das Erfolgsrezept in zwei Worten - besser kann man es nicht zusammenfassen.

Was nervt?

Die hier gezeigte rechtspopulistische PFS ist nur unschwer als AfD erkennbar. Doch geht es nicht zu weit, wenn ein gebührenfinanzierter Krimi mit einer im Bundestag vertretenen Partei abrechnet? Sollte das nicht dem politischen Journalismus vorbehalten bleiben? Zumal diese Auseinandersetzung immer klischeehaft gerät: Ähnlich wie bei der im vergangenen Dezember ausgestrahlten "Tatort"-Folge "Dunkle Zeit" mit Wotan Wilke Möhring reicht es auch in diesem Krimi nicht, dass die Politiker eine bisweilen menschenverachtende Ideologie vertreten - sie müssen auch noch Dreck am Stecken haben. Auch der dümmste Zuschauer soll die Botschaft verstehen: Rechtspopulisten sind eigentlich kriminell. Wenn's denn so einfach wäre...

Die Kommissare?

Katrin König und Alexander Bukow steht ein Disziplinarverfahren bevor: König hat auf einen Mann eingeschlagen, der sie vergewaltigen wollte. Bukow hat sie mittels seiner Aussage gedeckt. Weil Katrin König aber zu moralisch ist, hat sie letztlich die Wahrheit erzählt - jetzt hängt ihr Kollege wegen Falschaussage mit drin. Und ist furchtbar sauer. Was die Zusammenarbeit der zwei empfindlich belastet.

Ein- oder Ausschalten?

Bevor im Fernsehen der Fußball das Zepter übernimmt, können Sie ruhig noch einen Krimiabend verbringen. Bukow und König sind immer das Einschalten wert.

10 Fakten zum Tatort, die Sie noch nicht kannten