HOME

Stern Logo Tatort

Krimi aus Luzern: "Tatort"-Vorläufer: Alfred Hitchcock plante einen Film ohne Schnitt

Der "Tatort" aus Luzern wurde in einer einzigen Einstellung gedreht. Nicht der erste Film dieser Art: Schon Alfred Hitchcock plante einen Film ohne Schnitt - stieß jedoch auf Probleme.

Alfred Hitchcock: Rope

1948 drehte Alfred Hitchcock mit "Cocktail für eine Leiche" erstmals einen Film, der ohne Schnitte auskommen sollte.

Picture Alliance

Vor den Machern dieses " ", allen voran Kameramann Filip Zumbrunn, kann man nur den Hut ziehen: Der Sonntagskrimi wurde in einer einzigen Einstellung gedreht. Knapp 90 Minuten ohne Schnitt. Ein Kraftakt für alle Beteiligten, der mit Sicherheit in den kommenden Monaten den ein oder anderen Filmpreis einstreichen wird. 

Beim Publikum stieß das jedoch auf ein enttäuschendes Echo: Weniger als fünf Millionen Zuschauer wollten den "Tatort" sehen. Auch wenn man das gute Wetter mit in Betracht zieht: die Quote war miserabel.

Dem "Tatort" erging es nicht anders als Alfred Hitchcock

Damit erging es den "Tatort"-Machern ähnlich wie dem großen - der landete mit einem ähnlichen Ansatz 1948 einen Flop an den Kinokassen. Sein auf einem Bühnenstück basierender Kriminalfilm "Cocktail für eine Leiche" ("Rope") kam ohne Schnitt aus. Oder besser gesagt: Er sollte den Anschein erwecken, als sei er in einer einzigen Einstellung entstanden.

Tatsächlich bestand der Film allerdings aus elf Takes - denn mit den damaligen Filmrollen ließen sich damals maximal zehn Minuten am Stück drehen. Hitchcock löste das Problem, indem er den Schnitt verschleierte - er endete eine Einstellung beispielsweise mit dem Blick auf eine Tür und ließ die nächste Filmrolle an dieser Stelle wieder beginnen. Der Zuschauer merkte dadurch nicht, dass hier geschnitten wurde.

Orson Welles und Martin Scorsese

Auch wenn "Cocktail für eine Leiche" der große Erfolg verwehrt blieb, so fand der Ansatz Nachahmer. Die meisten Filmemacher beschränkten sich jedoch auf einzelne, längere Plansequenzen. Etwa die legendäre Einstiegsszene in ' "Im Zeichen des Bösen" (1959) - die Robert Altman in seinem Alterswerk "The Player" 1992 zitiert und zu übertreffen versucht. Beide Szenen fanden Eingang in den Filmkanon und zählen heute zum Pflichtprogramm in jeder Filmhochschule.

Nur die wenigsten Filmemacher wagten, einen ganzen Film ohne Schnitt umzusetzen. Eine der wenigen Ausnahmen war der deutsche Regisseur Sebastian Schipper: Sein 140 Minuten langer Film "Victoria" entstand 2015 in einem einzigen Rutsch. Eine Energieleistung, für die Kameramann Sturla Brandth Grøvlen auf der Berlinale im gleichen Jahr den Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung erhielt.

"Birdman" gewann vier Oscars

Dagegen wandte der Mexikaner Alejandro González Iñárritu bei seinem mit vier Oscars ausgezeichneten "Birdman" 2014 ein paar Hitchcock'sche Tricks an: Der Film enthält zwar mehrere Schnitte, allerdings werden sie durch verschiedene Effekte kaschiert.

Der Luzerner "Tatort" zeigt, dass der Ansatz, einen Film ohne Schnitt zu drehen, noch immer spannende Resultate hervorbringen kann.

Das hätte sich Alfred Hitchcock damals wohl nicht träumen lassen. Der Regisseur war von dem Resultat seines Versuchs nicht sonderlich angetan. Im Gespräch mit François Truffaut bezeichnete er "Cocktail für eine Leiche" 1966 als "idiotisch". 

Aber was heißt das schon? Briten sind eben für ihr sympathisches Understatement bekannt.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo