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"Tatort"-Kritik: Das "einsame Herz" sticht zu

Ein bisschen "Sex and the City" in Kiel. Nachdem drei Männer, die per Anzeige nach ihrer Herzensdame suchten, ermordet wurden, muss der Kieler "Tatort"-Ermittler Borowski als Lockvogel herhalten. Ein kauziger Kommissar mutiert zum heiteren Herzensbrecher.

Von Kathrin Buchner

Swingmusik läutet den Kieler "Tatort" ein. Es klingt leicht und fröhlich. Von oben blickt man auf die Verkehrsschleife, ein brauner Retro-Passat fährt die Straße entlang. Man ahnt, diesmal wird es anders. Diesmal ist er auf einer anderen Spur, der sonst so muffelige Kieler Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg), der so schroff und unnahbar ist, dass er seine Kommunikationsdefizite bei einer Psychologin therapieren lassen muss.

In "Borowski und die einsamen Herzen" durchlebt der Kriminalbeamte eine erstaunliche Wandlung zum Casanova. Doch zuerst findet er innerhalb kürzester Zeit drei Leichen: Männer mittleren Alters, solide, unauffällig und auf der Suche nach der großen Liebe. Nicht modern-großstädtisch per Internet-Dating, sondern altmodisch-romantisch per Chiffreanzeige und handgeschriebenem Brief. Das Mordwerkzeug lässt auf eine weibliche Täterin schließen: ein schickes kleines Messer. Dank Lippenstiftspuren am Glas hat die potentielle Mörderin auch noch ein Erkennungszeichen hinterlassen.

Vom Kommissar zum Lustobjekt

Frieda Jung (Maren Eggert), Borowskis Polizei-Psychologin seines Vertrauens und Begehr, analysiert messerscharf, dass der Kommissar exakt ins Opferschema passt: "durchschnittliche deutsche Männer", alle Segler. Und schon darf er sich als Lockvogel durch die Kieler Damenwelt daten. Darf sich die Nöte reifer alleinstehender Singles anhören, die genug haben von oberflächlichen Spielchen der Herrenwelt. Er rebelliert gegen das Flirten am Fließband: "Ich habe keine Lust, nur als Lustobjekt zu funktionieren." Er bekommt Nachhilfe in Sachen Verführungskünste: "Beim ersten Date kommt es auf die Karosserie an", und erfährt, wie man per neurolinguistischem Programm die Lügen der Männer erkennt.

So entwickelt sich ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel: Der Kreis der Verdächtigen steht schnell fest: Ist es die etwas herrisch-resolute männermordende Unternehmerin Gundula (Gabriela Maria Schmeide), ihr eifersüchtig-neurotischer Ex-Mann oder das stille, selbstlose Mauerblümchen Anne (Astrid Meyerfeldt), die anscheinend ihrer Freundin treu ergeben ist, aber genau in das von Frieda Jung erstellte Täterprofil passt – eine "zutiefst gehemmte Person", deren Gefühle sich "explosiv entladen".

Launig und unterhaltsam, aber auch leicht banal-belanglos kommt dieser "Tatort" daher. Immerhin, er gibt ein bisschen Einblick in die Psychologie alleinstehender Frauen im reiferen Alter, gewürzt mit Dialogen, wie man sie aus Gaby-Hauptmann- und Ildiko-von-Kürthy-Romanen kennt. Amüsant ist der Slapstick zwischen Jung und Borowski. Herzenswärme im hohen Norden, der Kommissar als verliebter Geck. Man darf gespannt sein, wohin die Avancen Borowski gegenüber seiner Kollegin noch führen werden.

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