HOME

Stern Logo Tatort

Interview

Eva Löbau im neuen "Tatort": "Eine Schusswaffe ist mehr, als ein Mensch verantworten kann"

Früher waren Polizisten für sie "die anderen". Jetzt ist Eva Löbau selbst Kommissarin – zumindest im "Tatort". Mit dem stern spricht sie über ihre neue Rolle und erklärt, warum sie für eine Reglementierung des Waffenbesitzes ist.

Eva Löbau wird neue "Tatort"-Kommissarin

Eva Löbau wird als "Tatort"-Kommissarin Franziska Tobler im Schwarzwald auf Mörderjagd gehen.

Frau Löbau, es war vermutlich nie Ihr Lebensziel, einmal "Tatort"-Kommissarin zu werden ...
... das stimmt.

Wie ist es dennoch dazu gekommen?
Ich bin gefragt worden. Und bin dann in mich gegangen. Es gab schon etwas in mir, das sagt: Das machst du nicht. Dann habe ich mich damit auseinandergesetzt.

Sehen Sie selbst "Tatort"?
Ich habe schon hin und wieder eingeschaltet, für mich war das nie ein Muss, sonntags "Tatort" zu gucken, aber ich hab das auch nicht abgelehnt. Das ist zwar eine Reihe, aber eine höchst heterogene. Das finde ich das Gute daran: Man kann diese Reihe nutzen, um in die Öffentlichkeit zu treten. Wenn man es schafft, darauf Einfluss zu nehmen, kann auch etwas Gutes dabei rumkommen.

Haben Sie Bedingungen gestellt für Ihre Zusage? Etwa, dass Sie Einfluss nehmen können auf die Ausgestaltung Ihrer Figur?
Auf jeden Fall: dass man darüber spricht, welche Charaktere das sind. Dass man selber Fälle vorschlagen kann. Aber wir sind noch ganz am Anfang, ich weiß noch nicht, in welche Richtung sich das entwickelt.

Sie haben pro "Tatort" 23 Drehtage, pro Jahr liefern Sie zwei davon ab. Damit legen Sie sich zeitlich ziemlich fest. Mussten Sie viele Engagements absagen?
Ich hatte ein Angebot für eine Festanstellung an einem Theater, das hätte mich total gereizt. Ich habe letztlich abgesagt. Aber man kommt dauernd in Situationen, dass man etwas absagen muss. Ob das eine Belastung wird – mal schauen.

Bislang können Sie sich auf der Straße unbehelligt bewegen. Das könnte sich nach dem 1. Oktober ändern. Sind Sie darauf eingestellt?
Ich dachte mir: Es gibt so viele Teams, ich glaube, ich kann auch weiter unbehelligt mein Leben leben. Aber, was weiß ich schon: Sprechen wir noch mal nach dem 1. Oktober. Ich kann’s noch nicht so richtig glauben, dass sich alles ändern wird.

In den sozialen Medien sind sie gar nicht vertreten. Woran liegt das?
Ich bin gegen Facebook. Schon allein die Gründungsgeschichte finde ich so abstoßend, dass ich damit nichts zu tun haben möchte. Mir gefällt auch nicht das Auftreten von Facebook. Instagram gehört auch dazu. Was andere Kanäle angeht, bin ich noch entwicklungsfähig.

Es ist also noch möglich, als Schauspieler ohne eigene Kanäle auszukommen?
Bestimmte Partys kriege ich tatsächlich nicht mit. Ich vermisse aber nichts. Ich müsste mir erstmal ein Smartphone zulegen.

Wie ist überhaupt Ihr Medienkonsum: Gucken Sie Fernsehen, nutzen Sie Netflix oder bleibt der Bildschirm bei Ihnen generell aus?
Netflix nutze ich nicht. Ich gucke Fernsehen, gehe ins Kino. Serien sehe ich auf DVD.

Sie wohnen im gleichen Haus wie die Regisseurin Maren Ade, die mit "Toni Erdmann" für den Oscar nominiert war. Haben Sie mit ihr über den "Tatort" gesprochen?
Ja. Sie hat zugeraten.

Können Sie sich vorstellen, dass Maren Ade auch mal einen "Tatort" dreht?
Das müssen Sie sie selbst fragen. Aber die Chance steigt tatsächlich dadurch, dass ich dabei bin.

Wie war das Feedback von Ihren Schauspiel-Kollegen, als bekannt wurde, dass Sie "Tatort"-Kommissarin werden?
Ich hab über Ecken gehört, dass jemand abfällig gesagt hat: "Jetzt macht die das auch!" Insgesamt war ich aber überrascht, wie positiv die Reaktionen ausfielen. Ich selbst war viel ambivalenter. Leute, die ich wirklich schätze, haben sich gefreut, dass ich das mache. Das hat mich bestärkt.

Sie haben auf der Pressekonferenz gesagt, da wo Sie herkommen, waren Polizisten "die andere Seite". Meinen Sie damit Ihr Elternhaus?
Ich komme aus einer Familie, die in der Friedensbewegung aktiv war. Das war keine Autonomenszene, aber es gab Demonstrationen, wo man sich vor berittener Polizei gefürchtet hat. Deswegen waren es "die anderen".

Sie haben aber von Ihrer Familie keinen Ärger bekommen, weil Sie die Seite gewechselt haben?
Nein. Aber das Polizeibild hat sich auch tatsächlich geändert seit damals.

Haben Sie bei den Dreharbeiten echte Schusswaffen gehabt?
Ja, es waren richtige Waffen, aber mit Platzpatronen. Es war ein sehr eindringliches Erlebnis. Eine Schusswaffe zu besitzen ist mehr, als ein Mensch verantworten kann. Weil da eine Kraft drin liegt, eine Reichweite und eine Geschwindigkeit, die man als Mensch gar nicht mehr wahrnehmen kann. Sobald ich den Knall höre, habe ich schon getroffen. Auf eine Distanz, die außerhalb meiner Reichweite liegt. Mich hat das sehr beschäftigt. Ich kann auch diesen Reiz verstehen - deswegen ist es total wichtig, Waffenbesitz zu reglementieren. 

10 Fakten zum Tatort, die Sie noch nicht kannten