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"Tatort" aus dem Schwarzwald: Schlaflos im Schwarzwald: Eine Gesellschaft am Rande der Übermüdung

Die Ermittler sind in diesem Schwarzwald-"Tatort" so übermüdet, dass sie das Wesentliche übersehen. Und wenn der Zuschauer nicht aufpasst, geht es ihm hier ebenso. Kurz vor Weihnachten schärft dieser Krimi noch einmal gehörig die Sinne.

"Tatort" aus dem Schwarzwald

Szene aus dem Schwarzwald-"Tatort": Franziska Tobler (Eva Löbau) und Luka Weber (Carlo Ljubek) befragen den Studenten Damian (Thomas Prenn).

ARD
  • 4 von 5 Punkten
  • Ein "Tatort", dessen kunstvolle Konstruktion sich erst ganz am Schluss offenbart.

Worum geht's?

Zu Beginn dieses "Tatorts" ist es der Mord an einer 17-Jährigen und ihrem Tennislehrer, an deren Aufklärung Franziska Tobler (Eva Löbau) und Luka Weber (Carlo Ljubek) bis an die Grenze ihrer Kräfte arbeiten. Dabei treffen sie auf den ebenfalls überarbeiteten Jurastudenten Damian (Thomas Prenn), der nahe des Leichenfundorts gesehen wurde. Irgendwas scheint mit dem jungen Mann nicht ganz zu stimmen, doch die Kommissare beachten ihn kaum. Kurz darauf bekommen die Ermittler noch mehr Arbeit: In einer niedergebrannten Hütte wird eine völlig verkohlte Leiche gefunden. Hängen die beiden Fälle zusammen?

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Der Sonntagabendkrimi läuft in der ARD in der Regel nach einem festen Schema ab: Zu Beginn wird eine Leiche gefunden, am Ende präsentieren die Kommissare den Täter, dazwischen wird die Ermittlungsarbeit abgespult. Die Chronologie der Handlung wird jenseits von routinierten Rückblenden fast nie aufgebrochen. Diese Folge "Damian" (Buch: Lars Hubrich und Stefan Schaller, Regie: Stefan Schaller) ist anders. Sie traut sich, die Zeitläufe einmal durchzuschütteln. Erst am Ende wird der Zuschauer die Abläufe begreifen. Zudem verweigert sich der "Tatort" dem Diktat des verlässlichen Erzählens: Nicht alles, was man hier sieht, muss auch zwingend wahr sein. Das macht diesen Film zu einer Ausnahmeerscheinung.

Was stört?

In diesem "Tatort" bekommen es die Kommissare mit einigen schrägen Vögeln zu tun. Insbesondere der perverse Peter Trelkovsky (Johann von Bülow) ist jedoch überzogen gezeichnet: Mit seiner altmodischen Brille und der linkischen Art erinnert er mehr an Hape Kerkelings Comedy-Figur "Siegfried Schwäbli" als an einen potenziell Tatverdächtigen.

Die Kommissare?

Nach zwei gemeinsamen Fällen hatte man sich gerade an das neue Schwarzwälter "Tatort"-Team gewöhnt, da fällt Friedemann Berg ( Hans-Jochen Wagner) schon aus. Er hat sich beim Skiunfall ein Bein gebrochen. Deshalb ermittelt Franziska Tobler diesmal zusammen mit dem neuen Kollegen Luka Weber. Und dann ist da noch Meike Richter (Nora Waldstätten) von der polizeilichen Beratergruppe, die den beiden zwecks Qualitätskontrolle über die Schulter schaut. Am meisten macht den Kommissaren jedoch der Schlafmangel zu schaffen: Zu Beginn sind sie mehr als 24 Stunden auf den Beinen und entsprechend müde und gereizt. Da schleichen sich kleine Fehler in ihre Arbeit ein, die nicht folgenlos bleiben.

Ein- oder Ausschalten?

Für den Tag vor Heiligabend ist dieser "Tatort" vielleicht eine Spur zu düster geraten - sehenswert ist er allemal. Schalten Sie also ein!

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