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"Tatort": Lolitas Europareise endet im Schwarzwald

Auf ihrer Reise quer durch Europa töten ein Pädophiler und seine minderjährige Freundin einen Motorradfahrer - und geraten ins Visier der Polizei. Ein "Tatort", in dessen Mittelpunkt nicht der Kriminalfall steht, sondern die Paardynamik zwischen Lolita und ihrem Sugardaddy.

"Tatort"

Ein älterer Mann und ein 15-jähriges Mädchen (Meira Durand und Andreas Lust) fahren durch den Schwarzwald  - und werden in einen Kriminalfall verwickelt.

ARD
  • 2 von 5 Punkten
  • Kein Krimi, dafür eine kranke Liebesgeschichte: Dieser "Tatort" ist speziell und nicht für jeden geeignet.

Worum geht's?

Es ist ein ungleiches Paar, das da im Auto gen Schwarzwald braust, ein reifer Herr (Andreas Lust) und ein Mädchen. Beide wirken ausgelassen. Doch etwas stimmt nicht mit ihnen: Er ist ein Pädophiler und sie minderjährig. Ihre Laune wird getrübt, als ihnen ein jugendlicher Motorradfahrer das Gepäck stiehlt. Der liegt kurz darauf tot am Wegesrand und Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner) hat einen neuen Fall. Gleichzeitig rollt seine Kollegin Franziska Toller (Eva Löbau) einen alten Fall neu auf. Vor zwei Jahren verschwand die damals 13-jährige Emily Arnold spurlos. Nun behauptet ihre Mutter, das Mädchen gesehen zu haben. Bald stellen die Ermittler fest, dass beide Fälle zusammenhängen.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

"Für immer und dich" hat seine Stärken im Atmosphärischen. Die Folge beginnt wie ein Roadmovie, zeigt die Reise des ungleichen Paars in grell-flimmernden Bildern. Nebenbei enthält dieser Film Anspielungen und Verweise auf ähnliche Geschichten - von "Lolita" bis zum "Tatort"-Klassiker "Reifezeugnis" mit Nastassja Kinski und Christian Quadflieg von 1977. Cineasten werden ihre Freude haben.

Was stört?

Diese "Tatort"-Folge fließt in einem gemächlichen Tempo dahin. Kaum Spannung, keine Dramatik - für einen Krimi ist das ein bisschen wenig. Dazu kommt eine merkwürdig unkritische Inszenierung der Liebesgeschichte, bei der ein reifer Mann immerhin mit einer 13-Jährigen durchgebrannt ist. In "Lolita", einem Werk der Weltliteratur, wird das Thema auf 700 Seiten abgehandelt. Ein 90-minütiger Sonntagskrimi wird dieser Problematik dagegen in keiner Weise gerecht.

Die Kommissare?

Ein verschwundenes Kind ist das Thema dieses "Tatorts", das Thema spiegelt sich auch auf der Ebene der Ermittler. Der Kinderwunsch von Kommissarin Tobler scheint in Erfüllung zu gehen, als ihr Schwangerschaftstest positiv ausfällt.

Ein- oder Ausschalten?

Auf Arte rebelliert James Dean zur gleichen Zeit in "Jenseits von Eden" gegen seinen Vater. Dem zuzuschauen macht mehr Freude als dem Sugar-Daddy und seinem Mädchen auf ihrer Reise ins Nirgendwo. Lassen Sie den "Tatort" diesmal ruhig aus. 

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