HOME

Stern Logo Tatort

Schnellcheck

"Tatort" aus Kiel: Der alte Mann und das Meer - Borowski auf Solopfaden

Ein Leichenfund führt den Kieler "Tatort"-Kommissar Borowski auf eine Nordseeinsel, die von merkwürdigen Gestalten bevölkert ist. Ganz auf sich allein gestellt versucht der Ermittler Licht in die Angelegenheit zu bringen - und kommt dabei der Geliebten des Toten verdächtig nah.

Tatort aus Kiel mit Axel Milberg

Szene aus dem Kiel-"Tatort": Klaus Borowski (Axel Milberg) ist auffalend oft in der Nähe von Famke Oejen (Christiane Paul), der Geliebten des Mordopfers

  • 4 von 5 Punkten 
  • Ein "Tatort", der völlig aus der Zeit gefallen scheint - und sich gerade deswegen lohnt.

Worum geht's?

Auf der (fiktiven) Nordseeinsel Suunholt wird ein Mann tot in der Badewanne aufgefunden. Es ist Oliver Teuber, der vor Jahren in Kiel in einen Korruptionsskandal verwickelt war und damals mit 300.000 Euro verschwunden ist. Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) war mit dem Fall damals betraut und bezieht ein Hotel auf der Insel. Dort gerät er schon bald in den Bann von Famke Oejen (Christiane Paul), der Geliebten des Toten. Die ist überzeugt, dass einer der Dorfbewohner ihren Freund ermordet hat. Borowski hält aber auch eine Beziehungstat für möglich - zumal die Frau einige Erinnerungslücken aufweist.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Hier gibt es keine nervige Szenen auf dem Polizeirevier, keine Verhöre à la "Wo waren Sie gestern Abend?". Dieser Film ist wie ein Urlaub vom wöchentlichen "Tatort", mehr Beziehungsdrama als Krimi. Mit einer herausragenden Christiane Paul, beeindruckenden Landschaftsaufnahmen und einer unkonventionellen Liebesgeschichte. Vor allem scheint "Borowski und das Land zwischen den Meeren" merkwürdig der Zeit enthoben. Der Soundtrack, die Kulissen - alles ist verströmt hier einen Retro-Charme und lässt eine ganz eigene Stimmung aufkommen. In diesem "Tatort" wird viel geschlafen, und die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit ist nicht immer sofort ersichtlich. Regisseur Sven Bohse hat hier einen ästhetisch stringenten Film umgesetzt.

Was nervt?

Wer zu spät einschaltet, könnte denken, er sei im ZDF gelandet, wo sonntags zu dieser Zeit kitschige Liebesgeschichten in wildromantischer Umgebung gezeigt wird. Bisweilen übertreibt es dieser "Tatort" mit den Klischees. Die knorrigen Dorfbewohner, die herbe Friesenlandschaft und die schöne Frau, die allen den Kopf verdreht - das hat man alles schon mal irgendwo gesehen.

Die Kommissare?

Nach dem Ausstieg von Sibel Kekilli als Kommissarin Sarah Brandt ermittelt Klaus Borowski in dieser Folge allein. Was dem Ermittler sichtlich gut tut: Ohne Kekilli, mit der Schauspieler Axel Milberg vor der Kamera nie wirklich harmonierte, kann der gebürtige Kieler sein Können voll ausspielen. Die Zeit allein dürfte jedoch nicht von Dauer sein: Sein Chef drängt schon darauf, dass sich Borowski endlich die Bewerbungen ansieht. Beim nächsten Mal muss sich der Einzelgänger wohl wieder mit einem Kollegen oder einer Kollegin arrangieren.

Ein- oder Ausschalten?

Ein richtig schöner Krimi für den Sonntagabend: Schalten Sie ein.

10 Fakten zum Tatort, die Sie noch nicht kannten