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"Tatort" aus Stuttgart: Aschenputtel in der Verbrennungsanlage: Dieser Krimi ist großer Humbug

Märchenstunde zur besten Sendezeit: Die "Tatort"-Kommissare Lannert und Bootz ermitteln in einem Ritualmord, dessen Motiv im Mittelalter zu liegen scheint. Klingt hanebüchen? Ist es auch.

"Tatort: Hüter der Schwelle" aus Stuttgart

Der Privatgelehrte Emil Luxinger (André M. Hennicke) zelebriert ein magisches Ritual

  • 1 von 5 Punkten
  • Der Beginn ist vielversprechend, doch dann wird dieser "Tatort" immer irrer und zum Ende komplett hanebüchen

Worum geht's?

Die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) werden zu einem Bergplateau vor den Toren Stuttgarts gerufen. Dort haben Jugendliche die nackte Leiche von Marcel Richter (Max Bretschneider) gefunden. Seine Mutter hatte den Geschichtsstudenten vor mehreren Tagen als vermisst gemeldet. Richters Körper weist Schnitte von einem Dolch auf, in seinen Oberkörper sind seltsame Zeichen geritzt. Lannert und Bootz gehen von einem Ritualmord aus. Sie befragen einen Pfarrer, dessen Kirche der Student besuchte, Richters Kommilitonin Diana Jäger (Saskia Rosendahl), die Bootz gehörig den Kopf verdreht, und den Privatgelehrten Emil Luxinger (André M. Hennicke), der in seinem Keller okkulte Rituale zelebriert. Und dann gibt es da noch ein verschwundenes Buch aus dem 17. Jahrhundert, das der Schlüssel zu der ganzen Geschichte zu sein scheint.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

"Tatort: Hüter der Schwelle" aus Stuttgart

Bootz prügelt sich in einem Keller - und träumt eigentlich von Sex mit Studentin Diana

Es gibt wenig, was bei diesem Krimi positiv heraussticht. Zu den besten - wenn auch brutalen - Szenen gehört Kommissar Bootz, der sich zu Opernklängen von Maria Callas in einem Keller blutig prügeln lässt - und insgeheim von heißen Sexszenen mit Studentin Diana fantasiert.

Was stört?

"Es geht nicht darum, was es bedeutet, sondern was es mit einem macht", sagt Kommissar Lannert zu Beginn der Ermittlungen. Eigentlich meint er damit nur das seltsame Zeichen, das dem Opfer in die Brust geritzt wurde, aber dieser Satz könnte auch für den gesamten "Tatort" stehen. Es geht um Hexen und Hokuspokus, Besessenheit und Selbstbestrafung, Wiedergeburt und Okkultismus. Wie das alles zusammenhängt, und was es bedeuten soll, verwirrt nicht nur die Kommissare, sondern auch den Zuschauer. Eine wirkliche Erklärung für all den Nonsens gibt es nicht. Ein "Tatort", der viele Fragen offen lässt und nicht einmal Kleinigkeiten konsequent zu Ende denkt, wie etwa den Schuh, den die Studentin Diana zum Ende verliert: Erst ist ihr rechter, dann ihr linker Fuß nackt. Das wäre Aschenputtel nicht passiert.

Die Kommissare?

Lannert und Bootz sind mehr mit sich selbst beschäftigt als mit dem Fall: Bootz, weil ihm Diana Jäger nicht mehr aus dem Kopf geht. Lannert, weil er sich intensiv mit dem selbsternannten Magier Emil Luxinger befasst und hinter all dem mittelalterlichen Hoskuspokus auch für sich einen tieferen Sinn sucht.

Ein- oder Ausschalten?

Schauen Sie lieber die Originalfilme, von denen sich Regisseur Piotr J. Lewandowski offenbar inspirieren ließ: "Fight Club", "The Da Vinci Code" oder "Cinderella". Den okkulten Quatsch aus Stuttgart können Sie sich sparen!