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Mischke über Drogenexperiment "Meine Abscheu gegen Kokain ist noch größer geworden"

Thilo Mischke
Thilo Mischke geht in"Uncovered" zu Menschen, die fast nie Reportern begegnen. In der dritten Folge der Doku-Reihe beleuchtet er den weltweiten Drogenhandel.
© ProSieben
Im dritten Teil der Doku-Reihe "Uncovered" beleuchtet Thilo Mischke den weltweiten Drogenhandel. Im Interview erzählt der Journalist von seinem LSD-Trip, der gefährlichen Reise nach Kolumbien - und seine überraschendste Erkenntnis.

Herr Mischke, Sie haben sich für die dritte Folge der Doku-Reihe "Uncovered" (Montag, 22.10 Uhr auf ProSieben) in die Welt der Drogen begeben. Welche Erkenntnis hat Sie dabei am meisten überrascht?

An erster Stelle die Wirkung von LSD. An zweiter Stelle die Herstellung von Kokain: Ich wusste, dass Koks eine schmutzige Droge ist. Aber die Arbeitsbedingungen haben mich erschreckt. Wieviel Arbeit darin steckt und was alles nötig ist, damit man in Berlin ein Gramm Koks kaufen kann - das hat mich schon sehr überrascht. Ein Eimer Batteriesäure wird da reingemacht. Und das macht man sich in die Nase?

Sie haben für die Doku einen LSD-Trip eingeworfen. Können Sie schildern, was Sie dabei erlebt haben?

Überraschenderweise sogar sehr präzise. Die Wirkung des LSD war anders als ich erwartet hatte: Man ist nicht weggetreten, sondern sehr klar. Ich hatte sehr starke Pseudo-Halluzinationen: Du weißt, dass du halluzinierst, deswegen ist es keine echte Halluzination. Ein sehr euphorischer Zustand, dazu visuell beeindruckend.

Würden Sie diesen Zustand gerne noch mal durchleben?

Wüsste ich nicht um die Risiken und Gefahren dieser Droge, vielleicht schon. Sie wird zwar in den meisten Studien und auch von offizieller Seite als nicht abhängigkeitserzeugend eingestuft, zum Beispiel von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. Aber es kann sein, dass der nächste Trip die Hölle ist. Dass man auf dem Trip hängenbleibt, ist eher unwahrscheinlich, vor allem wenn man über 30 ist. Es kann aber passieren, dass Menschen mit einer Krankheit wie Verfolgungswahn nach der Einnahme von LSD andauernd darunter leiden. Ich habe zwar keine Psychose, aber das Risiko wäre mir einfach zu hoch. 

Ein Risiko der anderen Art sind Sie in Bogotá eingegangen, wo Sie sich mit einem Dealer getroffen haben. Sie haben dort auch den Fotografen verloren, der auf Sie achtgeben sollte.

Mir war völlig unklar, dass ich mich in ein gefährliches Gebiet begeben habe. Ein Ort, wo du einfach abgeknallt wirst für ein Prepaid-Phone. Ich wusste das damals nicht und fand alles total lustig. Es gibt eine Szene, wo der Fotograf sagt: "Ich rufe jetzt meine Freunde in El Salvador an, damit wir wenigstens die Leiche von Thilo und dem Tonassistenten wiederbekommen." 

Nach all den Erfahrungen, die Sie jetzt gewonnen haben: Wie könnte ein intelligente Anti-Drogen-Politik aussehen? Sollte man den Krieg gegen die Drogen fortsetzen oder sie liberalisieren?

Den Krieg gegen die Drogen halte ich für totalen Quatsch. Der Waffenkrieg bringt nur Tote und viel Leid und Grauen. Persönlich ist meine Haltung das Modell Portugal: Man legalisiert den Besitz von Drogen, nicht den Handel, um die ganze Sache zu entkriminalisieren. Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft dem Heroin verfällt, nur weil der Konsum legal ist. Das wird nicht passieren. 

Hat sich Ihr Verhältnis zu Drogen durch diese Reportage geändert?

Meine Abscheu gegen Kokain ist noch größer geworden. Ich finde nicht nur die Droge schrecklich, sondern auch die Menschen, nachdem sie sie konsumiert haben. Ich mag die Realität so, wie sie ist. 

"Uncovered: Thilo Mischkes Drogentrip" läuft am Montag, 25. Juli 2016, um 22:10 Uhr auf ProSieben.


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