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Trauer um "Derrick": Schauspieler Horst Tappert ist tot

Durch seine Rolle als Fernsehkommissar "Derrick" ist Horst Tappert weltberühmt geworden. 281 Mal hat er im ZDF den Oberinspektor gemimt, in 108 Länder wurde die Serie exportiert. Jetzt ist der Schauspieler im Alter von 85 Jahren in einer Münchner Klinik gestorben.

Mit "Derrick" schrieb Schauspieler Horst Tappert Fernsehgeschichte: 281 Mal spielte er in der ZDF-Krimiserie den Münchner Oberinspektor Stephan Derrick, ganze 24 Jahre, kein anderer hat in Deutschland so lange einen TV-Kommissar verkörpert. Am Ende war der 85-jährige Schauspieler ein Pflegefall. Diabetes setzte ihm zu, beim Gehen musste er gestützt werden. Jetzt starb Horst Tappert in einer Münchner Klinik. Bis zuletzt war Ehefrau Ursula, 78, an seiner Seite. "Es ist traurig, aber jetzt hat er seine Ruhe. Mein Mann hatte ein erfülltes Leben", erklärte Ursula Tappert gegenüber dem Magazin "Bunte".

Bevor Horst Tappert als Ermittler durchstartete, übte er sich zunächst in der Rolle des Bösen. Als Posträuberchef Michael Donegan hatte er in dem ZDF-Dreiteiler "Die Gentlemen bitten zur Kasse" erste Erfolge, bevor er in etlichen Edgar-Wallace-Verfilmungen Inspector Perkins vom Scotland Yard mimte.

Dabei kam Tappert eher zufällig zum Schauspiel: Geboren im heutigen Wuppertal als Sohn eines Beamten absolvierte er zunächst eine Lehre als Kaufmann. Nach dem Krieg, er hatte als Soldat der Wehrmacht gedient, arbeitet er zur Aushilfe in einem Theater in Stendal. Ohne Ausbildung wurde er einfach auf die Bühne geholt. Später nahm er dann noch Schauspielunterricht und tingelte durch etliche Theater, bevor er beim Fernsehen landetet.

Den großen Durchbruch brachte im die TV-Serie "Derrick": Am 20. Oktober 1974 lief die erste Folge. Es war keine Liebe auf den ersten Blick beim deutschen Publikum, sondern entwickelte sich langsam und gemächlich, in einer Welt jenseits von sofortigem Quotendruck, zum Exportschlager des ZDF. In 108 Länder wurde "Derrick" ausgestrahlt, der Sender erwirtschaftete mit den Lizenzen zehn bis 15 Prozent seines Exportvolumens.

Dreamteam Stephan Derrick und Harry Klein

Jenseits von Action und Gewalt ermittelte Stephan Derrick im privaten Milieu, gerne in den Villen der Münchner Oberschicht in Bogenhausen oder Grünwald. Meist wurde aus Eifersucht und Geldgier gemordet, und eines der Familienmitglieder oder nähere Bekannte waren die Täter. Seine stoische Gelassenheit zeichneten Derrick aus, seine kühle Analyse führte ihn immer zum Erfolg. Treu an seiner Seite war Assistent Harry Klein, gespielt von Fritz Wepper. Der berühmte Ausspruch "Harry, hol den Wagen" ist in der Serie allerdings nie so gefallen, sondern wurde Tappert von Harald Schmidt in einer Show nachträglich in den Mund gelegt.

Ende 1997 verabschiedete sich Tappert dann von seiner Rolle als Derrick. Er spielte noch in einigen anderen Fernsehfilmen, bevor er 2003 endgültig in den Ruhestand trat. Von da an widmete er sich fast ausschließlich seiner Frau Ursula, gab kaum mehr Interviews, mied öffentliche Auftritte. Stattdessen fuhren die beiden gerne nach Norwegen, wo sie ein Häuschen besaßen. Seit 1957 war er in dritter Ehe mit Ursula verheiratet. Aus seinen beiden ersten Ehen stammten die Kinder Karin, Ralph und Gary, der allerdings 2001 an plötzlichem Organversagen verstarb.

kbu mit AP