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Traumzahlen für Jauch und Jenke: Saufen für die Quote

Ein Pokerprofi mit Millionengewinn, ein Reporter, der sich vor laufenden Kameras volllaufen lässt. RTL hat am Montagabend einige Schwergewichte ins Quotenrennen geschickt. Der Plan ging auf.

Von Jens Wiesner

Manchmal liegen Sensationslust, Fremdscham und Aufklärung ganz nahe beieinander: Insgesamt vier Wochen lang hat sich der RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff jeden Tag volllaufen lassen - ein Experiment im Dienste seines Haussenders RTL. Feuilleton, Boulevard und Politik schrien Zeter und Mordio, sprachen von Unverantwortlichkeit und Lebensgefahr, von einer letzten Grenze, die der Privatsender mit der Ausstrahlung von Jenkes selbstzerstörerischem "Superwaste me" überschritten habe.

Die Zuschauer machte so viel Tamtam nur neugierig: Insgesamt 4,25 Milionen schalteten laut Meedia.de am Montagabend ein, in der Zielgruppe der 14- bis 49-Hährigen holte die erste Episode mit 2,39 Millionen und 19,1 Prozent Marktanteil gar den Tagessieg in der Primetime. Dass derartig viele Menschen dabeisein wollten, wie sich von Wilmsdorff auf seinem 47. Geburtstag 17 Longdrinks hinter die Binde kippte, dürfte der Reporter allerdings auch seinem Lead-in Günther Jauch zu verdanken haben. Dessen neueste Ausgabe von "Wer wird Millionär" lockte mit 6,36 Millionen Gesamtzuschauern die meisten Menschen an diesem Abend vor die Bildschirme - Traumwerte selbst für die erfolgsverwöhnte Quizshow. So viel Interesse hatte freilich ihren Grund: Nach mehr als zwei Jahren sollte es ein Kandidat endlich wieder schaffen, die Millionenfrage zu knacken.

Joko und Klaas rutschen unter den Senderschnitt

Über Platz zwei beim Gesamtpublikum darf sich dagegen ein öffentlich-rechtlicher Sender freuen. 4,87 Millionen Menschen sahen "Die Geisterfahrer", einen Thriller von Lars Becker über durchgeknallte Rettungssanitäter in Hamburg, in dem neben Tobias "Kommissar Rex" Moretti auch Til Schweigers neuer "Tatort"-Kompagnon Fahri Yardim eine Hauptrolle spielte.

Ein böses Erwachen gab es beim einstigen ZDF-Hoffnungsduo Joko Winterscheid und Klaas Heufer-Umlauf: Nachdem ihre neue ProSieben-Show "Circus Halligalli" bereits in der Vorwoche ein Viertel der Zuschauer verloren hatte, ließ die dritte Folge weiter mächtig Federn. Nur noch 1,04 Millionen Menschen konnte das Duo laut Quotenmeter.de in ihre TV-Manege locken - ein Wert deutlich unter dem Senderschnitt. Bei der mit großem Werbetrata gestarteten Premiere vor zwei Wochen waren es noch 1,66 Millionen gewesen.

Lieber Joko, lieber Klaas - wenn ich Sie wäre, würde ich den Wechsel ins Privatfernsehen noch einmal überdenken.