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TV-Kritik "Der Bachelor" Andere Frisur, gleiches Ritual


"Der Bachelor" balzt wieder. Zum Start gab es ein stürmisches Stelldichein in Südafrika. Die Hingucker: eine Sexbombe ohne Orientierung und der blanke Schädel von Single Christian.
Von Simone Deckner

RTL meint es gerade verdammt gut mit Trash-TV-Abhängigen. Seit sieben Tagen sendet er das Dschungelcamp mit den besten Kandidaten ever, ever, ever – und Winfried Glatzeder. Und nun startet auch noch die neue Staffel des Bachelors. Endlich wieder spannen, als läge man direkt in Kapstadt unterm Kingsize-Bett. Endlich wieder klugscheißen über plumpe Anmachstrategien. Endlich wieder mit ansehen, wie 22 erwachsene Frauen den "Traummann" suchen, während sie dabei von Kameraleuten und anderen potentiellen Prinzesschen umzingelt sind. Aber was tut man nicht alles im Namen der Liebe?

Genug Vorgeplänkel, hier die harten Fakten: Der neue Bachelor trägt Glatze. Ach herrje! Christian ist zwar auch 33, fährt auch gern Motorrad, kocht und vertreibt auch ein Entspannungsgetränk, wirklich interessant ist aber erst mal nur sein fehlendes Haupthaar. Die Kandidatinnen sind allesamt aus dem Häuschen. Ob sie entzückt oder bestürzt sind, lässt sich allein an der Artikulation ihres Aufschreis erkennen: "Oh mein Gott, er hat keine Haare!" (geil!) oder "Oh mein Gott, er hat keine Haare!" (uähhh!). Es scheint aber, dass mehr Frauen der Bruce-Willis- als der McDreamy-Fraktion angehören. Wenigstens scheidet später "Er hatte die falsche Haarfarbe" als Trennungsgrund aus.

Oder dass seine Haare bei Wind immer so komisch abstanden. Beim ersten Zusammentreffen in Kapstadt bläst nämlich ein Wind, neben dem Orkantief "Xaver" wie ein lascher Pfurz wirkt. Den sichtlich erfreuten Mann fliegen Kleider, Röcke und Brustbefestigungsapparaturen fast um die freigelegten Ohren. Die Damen bibbern, kreischen und verdrehen sich unvorteilhaft gen Boden. Auf Twitter macht derweil die konspirative Theorie vom feixenden Praktikanten an der Windmaschine die Runde.

Vom Winde verweht

Leider reichen die Dialoge nicht annähernd an den Klassiker "Vom Winde verweht" heran. Kandidatin 1, Marke nervöses Mad-Men-Wrack mit Puppengesicht, stammelt beim Anblick des Bachelors: "Oh, ich finde dich schön". Dann tätschelt sie ihm die Wange wie einem Vierjährigen. Kandidatin 2 versucht es mit Niederstarren und Taxieren: "Schöner Mund, schöne Hände", hakt sie ihren Katalog ab, als sei der Bachelor ein Gaul auf der Landwirtschaftsausstellung. Ist das jetzt diese Gleichberechtigung, von der immer alle sprechen? In weiteren Rollen: Zwei Schwestern aus Spanien, die sonst auch immer alles zusammen machen. Der Bachelor verdutzt: "Kommen da noch mehr?"

Schon jetzt auf eine Resteverwertung – RTL-Deutsch: Crosspromotion - im Dschungelcamp 2015 abonniert: das Luder. Oder: "Ela, wie in diesem Lied: Ella, Ella." Frauen wie diese sind der Grund, weshalb Alice Schwarzer noch immer nicht in Rente gehen kann. Elas Vorstellungsfilm wirkt wie eine Bewerbung für "Frivole Fitnessstudio-Girls III". Sie werde schon oft angesprochen, erzählt sie gelangweilt. Das liege an ihren "ausdrucksstarken Augen". Die Kamera zoomt auf die anderen Augen. Wimpernklimpern, Haare aus dem Gesicht streichen, Duckface machen, Brust und Po raus, alles wie in Zeitlupe – Elas Repertoire in Sachen Erotik ist in etwa so einfallsreich wie die Schlagertexte des Wendlers.

Das Problem: Der Bachelor steht voll auf dem Schlauch, den er später noch nutzen will. Nach dem Vamp auf Valium befragt holpert er: "Aus der Ela werde ich nicht schlau. Die verhält sich ganz eigenartig." Wo er Recht hat … Als die Poolparty im vollen Gang ist, übertönt plötzlich ein dumpfer Knall das Gruppen-Gebalze. Ela ist – die großen Augen vorneweg – gegen eine Glastür gerannt. Die war aber auch einfach zu gut geputzt.

Knallerauftritt eines Luders

War sonst noch was? Kinder hätte der Bachelor schon gern, aber bitte "die eigenen". Doof für Kandidatin Katja (Hammerfigur, zum Verlieben, O-Ton Bachelor). Die hat nämlich schon eins von einem anderen. "Das ist nicht unbedingt das Idealbild", sagt der Bachelor. Spätestens jetzt bekommt man einen Schimmer, wieso der Mann noch Single ist. Katja kriegt trotzdem eine Rose, weil: "Sie ist scharf."

Sowieso: die Rosenausgabe: Zigmal gesehen, immer noch verstörend weil gleich bleibend unwürdig. Sechs Frauen fliegen direkt raus. "Man steckt nicht drin", sagt eine ernsthaft. "Ich mag es nicht, wenn ein Mann so schleimig ist", trotzt eine andere. Ausgerechnet eine der spanischen Schwestern, die den Bachelor wegen seiner Glatze und dem Hang zu aufgeknöpften Hemden schon als total unattraktiv aussortiert hatte, heult hemmungslos. Derweil avanciert eine Daniela (Model, Schauspielerin, Moderatorin) in Windeseile zum Neidobjekt der Damenriege. Der Bachelor hat sie mit einer Rose ausgestattet, vor allen anderen. Daniela weiß nicht, ob das jetzt ein gutes Zeichen ist. Wo ist Doktor Bob, wenn man ihn mal braucht?


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