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TV-Kritik "Günther Jauch": Wenn Kindeswohl der Unterhaltung dienen soll

Aufgeschreckt durch den Methadon-Tod der kleinen Chantal aus Hamburg widmete sich Günther Jauch dem Thema "vernachlässigte Kinder". Die Diskussionsrunde schien wenig an Lösungsansätzen interessiert, dafür auf Unterhaltung bedacht. Allein "Supernanny" Katia Saalfrank sorgte für ein wenig Balance.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, so lange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt." Sagte einst Albert Einstein. Folgt man seinem Gedanken, dann führen wir auch hierzulande noch ein Neandertaler-Dasein - laut Unicef werden in Deutschland jährlich 200.000 Kinder und Jugendliche misshandelt und vernachlässigt, jedes Jahr sterben mindestens 100 an den Folgen. Die Dunkelziffer liegt entschieden höher. Eine Ungeheuerlichkeit, die viel ernster zu nehmen ist als ein 08/15-Polittalk im Grunde leisten kann. Andererseits, und das ist keine Frage, über dieses Thema kann nicht oft genug geredet werden. Doch es darf sich nicht in Skandalisierung erschöpfen oder für die eigene Empörung ausgebeutet werden. Kindesmisshandlung ist kein Unterhaltungshappen nach dem Motto jetzt aber genug über Wulff geredet, auch Fettleibigkeit hatten wir schon, nun gucken wir uns doch mal das Elend der Minderjährigen an.

Günther Jauch, leider, arbeitete dieses Thema unter dem Titel "Hilfeschreie, die niemand hört – wer versagt beim Kinderschutz?" in seinem ARD-Talk am Sonntagabend trotzdem so ab, als wäre die Angelegenheit leichtere Kost. Ein bisschen ernster vielleicht noch als der vorangegangene "Tatort", sonst aber Business as usual, wenngleich auch mit möglichst nachdenklichem Gesicht. Gewiss, wer vermag schon zu sagen, wie es in Herrn Jauch innendrin aussieht. Und natürlich tut es in der Regel jeder Debatte gut tut, wenn nicht ausgerechnet beim Moderator die Emotionen hochkochen – doch in diesem Fall befremdete das fehlende Engagement des Gastgebers enorm. Und mehr denn je verärgerte dessen längst zur Meisterschaft gebrachte Attitüde, phasenweise lieber in den Moderationskarten nach der richtigen Frage zu fahnden anstatt seinem Talkgast mit dem gebührenden Respekt zuzuhören. Nachhilfestunden für gelungene Gesprächskultur sind hier garantiert nicht zu bekommen.

Rechtfertigen Sie sich bitte jetzt!

Der Methadon-Tod der elfjährigen Chantal stand, da aktuell, im Fokus der Diskussion. Und deshalb auch deren Pflegeeltern, beide drogenabhängig. Warum das Mädchen überhaupt dahin vermittelt wurde, blieb ein Rätsel. Auch Johannes Kahrs brachte kein Licht ins Dunkel. Als ehemaliger Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses in Hamburg-Mitte trat er nach Chantals Tod von seinem Amt zurück. Bei Jauch sprach er von einer seiner größten Niederlagen. Die Familie sei acht Mal besucht worden, warum nichts entdeckt wurde, vielleicht liege es an einer Betriebsblindheit. So erbärmlich diese Aussagen auch sind, viel mehr kam nicht und der Moderator ließ Kahrs bald aus seinen stumpfen Krallen. Auf den Rechtfertigungsposten wurde stattdessen Marita Meissner gestellt. Die Sozialarbeiterin am Jugendamt Gelsenkirchen arbeitet im Notfallteam und betreut aktuell 120 Familien. Alle Vorwürfe, die über Jugendämter kursieren, landeten der Reihe nach bei ihr. Unermüdlich wiederholte Meissner, der schlechte Ruf, der Jugendämtern anhafte, werde der Realität nicht gerecht, sie kenne sehr engagierte Mitarbeiter. Zudem gingen viele umstrittene Beschlüsse, die den Verantwortlichen des Jugendamts angelastet werden, auf richterliche Entscheidungen zurück. Auch mache man es sich zu leicht, sofort nach Inobhutnahme zu schreien, denn, so Meissner, Abbruch von Bindung und Beziehung schade auch.

Wer sensibilisiert ist, ist nicht automatisch handlungsbereit

Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, hielt nichts von Beschwichtigungen. "Politik und Behörden sind mit dem Kinderschutz zunehmend überfordert", polterte er. Dabei sei kein Aufatmen in Sicht, denn die Zahl der Erziehungsüberforderten und – unwilligen nehme zu. Arbeitsentlastung gebe es zwar von freien Trägern, die Jugendämter vertrauen deren Berichten, doch, so Buschkowsky, "das halte ich für problematisch". Denn so würde aus sozialer Arbeit eine wirtschaftliche Tätigkeit und man frage sich zu Recht, wollen die helfen oder Geld verdienen. Deshalb müsse das Jugendamt sein staatliches Wächteramt wieder selbst wahrnehmen. Falls das aus finanziellen Gründen nicht machbar sei, hielt Peter Hahne, Moderator und evangelischer Theologe, eine Idee parat. Man könne etwa an den Ordnungshütern sparen, die Café-Stühle und -Tische abmessen, damit die nicht zu weit in den Gehsteig ragen. Wenn man für "diesen Blödsinn" Geld habe, dann sei es doch besser in Jugendämter investiert.

Am Ende der Sendung meinte Jauch, vielleicht habe die Diskussion der vergangenen 60 Minuten dazu beigetragen, dass die Sensibilität bei Jugendämtern, Nachbarn und Gerichten ein Stück größer geworden ist. Das bleibt nur zu hoffen. Vage ist es trotzdem. Denn wer sensibilisiert ist, ist nicht automatisch handlungsbereit. Dabei braucht es mehr denn je konkrete Lösungen, politische, gesellschaftliche, die zur besten Sendezeit ihre Aufmerksamkeit hätten bekommen können, aber so gut wie gar nicht zur Sprache kamen. Hilfreich wäre unter anderem gewesen, den Menschen vor den Bildschirmen Mut zu machen, genau hinzugucken. Man hätte detaillierter abhandeln können, wie die Gesellschaft Missbrauch erkennt und was sie dagegen tun kann. Denn jenseits offensichtlicher Strukturprobleme, die sich beispielsweise an überlasteten Jugendämtern zeigen, geht es, und das war auch das engagierte Plädoyer von Talkgast Katia Saalfrank, um die Verantwortung jedes Einzelnen. Zwar ist die Pädagogin wegen der Zurschaustellung von Familien in Krisensituationen in ihrer Ex-Sendung "Super Nanny" selbst umstritten, doch finden sich, wenn auch nicht im Jauch-Talk, so doch auf ihrer Homepage wenigstens ein paar Hinweise, wie Missbrauch bei Kindern zu erkennen sei.

Saalfrank war es auch, die eine notwendige Balance schaffte, denn zu stark konzentrierte sich Jauch darauf, Eltern aus dem bildungsfernen Milieu Kindeswohlgefährdung anzulasten. Es gäbe wesentlich mehr Gewalt an Kindern als hoch komme, so Saalfrank, und die sei nicht unbedingt offensichtlich, also nicht automatisch da zu finden, wo Familien in vermüllten Wohnungen hausen, sondern sehr oft auch versteckt, und durchaus auch im bürgerlichen, im gehobenen Milieu. Wen Saalfrank damit wirklich überrascht, der dürfte allerdings an Weltfremdheit leiden. Denn immer schon gab es Menschen, die sich nicht scheuten, die Misshandlung von Kindern zu thematisieren, wie beispielsweise die verstorbene Therapeutin Alice Miller - ihre Bücher werden noch lange aktuell bleiben. Und anders als bei Jauch: hier erfährt das Thema seine dringend notwendige Ernsthaftigkeit. Ohne verzichtbaren U-Faktor.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(
  • Sylvie-Sophie Schindler