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TV-Kritik "Let's Dance" Vom Takt verweht


Kinoabend bei "Let's Dance": Die Promis tanzen zu Filmmusik, doch das ist mehr Hängepartie als Hollywood. Der Höhepunkt: eine mit verstörender Inbrunst vorgetragene Szene aus "Harry und Sally".
Von Sophie Lübbert

Manuela Wisbeck ist Schauspielerin, aber hat noch keinen Oscar gewonnen. Mindestens der zweite Teil wird wohl auch so bleiben – zumindest, wenn man nach ihrem Talent geht, einen Orgasmus nachzuspielen. "Aaaah", ruft sie und klingt dabei wie ein durchgedrehter Feuermelder. "Aaaah", ruft sie nochmal, nur für den Fall, dass es beim ersten Mal noch nicht schlimm genug war. Oder dass ein Zuschauer gerade zufällig nicht mitbekommen hat, was sie da tut: die berühmteste Szene aus dem Hollywood-Film "Harry und Sally" nachspielen - leider eher schlecht als recht. Macht aber nichts. Schließlich ist Frau Wisbeck bei "Let's Dance". Da ist sie mit ihrer Darbietung in bester Gesellschaft. Denn dort gilt an diesem Abend: viel gewollt, wenig gekonnt.

Es ist "Movie Night" bei der RTL-Tanzshow. Das heisst, die verbliebenen fünf Semi-Promi-Kandidaten sollen je zwei Tänze zu großen Filmmusik-Hits aufs Parkett legen. Und das könnte wirklich nett werden. Wird es aber nicht. Die ersten Zweifel kommen ja schon vor der Titelmelodie, als Manuela "Sally" Wisbeck im sehr langen Einspieler mit ihrem Orgasmus-Kampfgeschrei aufs Publikum losgelassen wird. Und so geht's dann leider auch nahtlos weiter: mit viel Elan, aber wenig Erfolg.

Schlechter Tag oder schlechter Texter?

Zuerst wäre da das Moderatoren-Duo. Daniel Hartwich und Sylvie van der Vaart haben ganz offensichtlich beide einen sehr schlechten Tag erwischt – oder einen sehr schlechten Texter. Daniel Hartwich veranstaltet einen Wettbewerb mit sich selbst: wie viele Filme und Filmzitate kann ich in drei Stunden Show unterbringen? Er faselt etwas von "Sie sollen nicht wie E.T. nach Hause telefonieren, sondern bei uns anrufen", dann kichert er hysterisch.

Zum Glück hat er Co-Moderatorin Sylvie van der Vaart an seiner Seite: Neben einer steifen, uncharmanten Person wie ihr sieht jeder gut aus. Van der Vaart darf ja generell nur im Hintergrund stehen und die Kandidaten nach dem Auftritt belästigen. Im besten Fall fällt das nicht auf. Im schlechtesten läuft es so wie an diesem Abend. Denn Sylvie variiert zwar fleissig zwischen ihren Standardsätzen ("Wie fühlst Du Dich?", "Das war toll!", "Woooow!"). Aber dazwischen haut sie noch unfassbare Peinlichkeiten raus – besonders schlimm ihr Interview mit Kandidat Paul Janke, nachdem er erst zu Musik aus "James Bond" und dann "Batman Forever" getanzt hat:

SVDV:Von Bond zu Batman, bleibt da noch Zeit für Zärtlichkeiten?

PJ (Pause, zögernd): Denke schon.

SVDV: Alle mögen Dich.

PJ (weise): Es gibt Menschen, die einen sympathisch finden und es gibt Menschen, die einen nicht sympathisch finden.

Zugegeben: Das ist so grausam, dass es fast schon wieder lustig ist. Aber eben auch nur fast.

Walzerspaß und Dauergrinsen

Und dann wären da ja auch noch die Kandidaten. Die tanzen alle ganz nett, keine Frage. Besonders Sila Sahin und Manuel Cortez sind fantastisch auf dem Parkett und haben offensichtlich richtig Freude an Walzer und Co. gefunden. Paul Janke ist ebenfalls gut, besonders, weil er endlich sein Dauergrinsen eingestellt hat (und obwohl er in einem peinlichen Batman-Kostüm tanzen muss, dessen Umhang verdächtige Ähnlichkeit mit einer schwarzen Auto-Abdeckplane hat).

Leider sind da aber auch noch Manuela Wisbeck und Simone Ballack. Frau Wisbeck tanzt einigermaßen, aber nicht besonders gut. Weil sie dick ist, kriegt sie dennoch viel Applaus (aber muss am Ende trotzdem gehen). Und Simone Ballack – kann es leider nicht. Überhaupt nicht. Auf der Tanzfläche sieht sie jedes Mal aus, als müsse sie Schwerstarbeit leisten und sie ist dabei ungefähr so elegant wie ein Kühlschrank.

Leider steht oder besser: tanzt Ballack damit eigentlich stellvertretend für die ganze TV-Show an diesem Abend. Sie versucht es ja, wirklich. Aber es reicht eben nicht. Und in der Show versuchen sie es ja auch alle: ganz viel Spaß zu haben, lustig zu sein und dabei auch noch irgendwie intellektuell. Aber es klappt eben nicht. Und der Versuch wirkt dann nur umso deprimierender.


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