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TV-Kritik "Schlag den Star": Das Kampfschwein will raus

"Schlag den Star" bleibt trotz Neuerungen mau. Der Wendler lässt sich ohne große Gegenwehr von Axel Stein abledern. Raab stichelt und stichelt, aber das reicht nicht.

Von Simone Deckner

Der Wendler und der Axel Stein haben die Sache unter sich ausgemacht

Der Wendler und der Axel Stein haben die Sache unter sich ausgemacht

"Alles neu und anders" verspricht ProSieben für die neue Staffel von "Schlag den Star". Will sagen: Die Promis machen die Sache nun unter sich aus im TV-Duell - es gibt keine "normalen" Kandidaten mehr. Stefan Raab ist nicht mehr Joker sondern moderiert. Frank Buschmann heißt Ron Ringguth. Michael Wendler heißt auch hier nur der Wendler. Sein Gegner heißt Axel Stein. Die Höhepunkte eines an Höhepunkten armen TV-Abends:

Wer hat die Sympathien des Publikums?

Okay, rhetorische Frage. Schon Stunden vor der Sendung häufen sich gehässige Tweets, die dem Wendler Sachen wünschen, die an dieser Stelle nicht breit getreten werden sollen. Nur so viel: Auf einen positiven Wendler-Tweet kommen 99 böse. Daran wird sich auch im Lauf der Sendung nichts ändern. Es trifft ja auch keinen Unschuldigen, Stichwort: "Dschungelcamp". Stichwort: Wendler-Parfum. Stichwort: "Sie liebt den DJ".

Das Publikum schmäht den Wendler offensiv: Es buht. "Seid doch mal gerecht, ey!" entfährt es ihm, als er beim ersten Spiel - Tischtennis - gewinnt. Es wird sein einziger Triumph an diesem Abend bleiben. Kontrahent Axel Stein ("Hausmeister Krause") hat es leichter. Im Einspieler wird noch einmal lobend hervorgehoben, das er 35 Kilo abgenommen hat. Und dass er ehrgeizig ist, fast wie Raab. Der Wendler hat nur ein enges Glitzer-T-Shirt mit russischen Schriftzeichen an. Und sein Riesen-Ego.

Wie macht sich Raab als Moderator?

Raab moderiert frei Schnauze, wie man ihn kennt. Und absolut parteiisch. Äußerlich als Gentleman mit schwarzem Anzug und Krawatte getarnt, drischt Raab verbal ungeniert auf den Wendler ein, wo er kann. Man bekommt fast Mitleid. Fast.

-"Das Spiel heißt Buchstabensalat, das kennt der Wendler von seinen Texten." - "Ich bin spitz, pass auf! Das könnte doch ein Titel von dir sein!" - "Kommen wir jetzt zur Beantwortung der Frage: Ist der Wendler wirklich so schlau wie alle sagen?" - "Der Wendler hat das Thema Wissenschaft voll im Griff."

Nur moderieren lastet den Raabinator augenscheinlich nicht aus - das Kampfschwein in ihm will raus. Zumal Wendler und Stein nicht ansatzweise so nervig sind wie Raab sonst immer: Sie quengeln nicht, beschweren sich nicht, sind fair. Der Fernseh-Fuchs Raab aber weiß: Zu viel Nettigkeit killt die Quote.

Ist der Wendler denn wirklich so?

Der ehemalige Speditionskaufmann aus Dinslaken hat es mit seinen Schlagern zu sieben Mal Gold und ein Mal Platin gebracht. Viele meinen, das sei ihm ein wenig in den gegelten Kopf gestiegen. Auf die Frage, wie er sich auf den TV-Kampf vorbereitet hat, antwortet er: "Wer übt, der kann nichts". Als er beim Kartfahren in die Bande kracht, kommentiert er das, als sei er gerade noch dem sicheren Tod von der Schippe gesprungen: "Das war ein Horror, boah ey!"

Er bezeichnet sich ohne Ironie als "König des Popschlagers". Beim Quiz ruft man daheim verzweifelt: Ein Königreich für ein paar Bücher! Der Wendler offenbart eklatante Wissenslücken in der Rubrik Allgemeinbildung. Liechtenstein verpflanzt er an die Grenze zu Belgien und Frankreich. Helmut Schmidt ist für ihn der direkte Nachfolger von Konrad Adenauer. Von Tolkien hat er ebenso wenig gehört wie von Immanuel Kant oder Andrew Lloyd Webber. Zugegeben: Auch Axel Stein bleibt viel zu oft stumm. Den Vogel aber schießt der Wendler mit seiner Antwort auf diese Frage ab: "Welches Tier steht an der Börse?" Raab kommt nicht mehr weiter, da ruft der Wendler schon aufgeregt: "Dachs!"

Das spannendste Spiel?

Okay, wieder rhetorische Frage. Spannung kommt in den zweieinhalb Stunden nicht auf. Zu klar dominiert Axel Stein. Zu wenig Spaß macht es, einem Raab zuzuhören, der auf den Unterlegenen genüsslich eindrischt. Zu nervig ist es, dem Kommentator Ron Ringguth zuzuhören. Als sei er ein südamerikanischer Fußballkommentator kommt er aus dem aufgeregten Rufen und Quasseln gar nicht mehr raus. Bei einem Spiel, in dem Papier-Schmetterlinge mit einem Kescher gefangen werden sollen, sagt er: "Das sind natürlich keine lebenden Schmetterlinge." Wäre man nicht drauf gekommen.

Ansonsten gibt es bloß Altbewährtes wie "Spitz, pass auf!" Ja, genau. Dieses Spiel, das uns schon als Siebenjährige vor Erregung hat beben lassen. Oder Kartfahren. Das lief bei Raab schon gefühlte 37 Mal in den vergangenen fünf Jahren. Aber selbst wenn die Spiele spannender gewesen wären. Der Unterhaltungswert steht und fällt mit Raab. So lange der siegeshungrige Ehrgeizling nicht im Spiel ist, bleibt es eine ziemlich maue Veranstaltung. Doch es besteht Hoffnung: Bei der nächsten Folge am 2. August tritt die total unberechenbare und tendenziell wahnsinnige Larissa Marolt an.

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