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"Die Bachelorette" Schmieriger Sex-Talk und Küsse bei den Homedates

Die Reihen um Bachelorette Nadine lichten sich weiter: Chris geht freiwillig. Maxim redet sich um Kopf und Kragen. Geküsst wird auch bei den Homedates – sogar im Kinderzimmer.
Von Simone Deckner

Die Bachelorette steuert aufs Finale zu. Aussieben ist angesagt. Was wäre da passender, als die sechs verbliebenen Flitzpiepen auf einem Katamaran zu parken und ihnen dumme Fragen zu stellen?

Zur Einstimmung auf das, was da kommt (die Aldi-Version eines J.Lo-Videoclips von circa 2002) filmen die Kameras Nadine, die gedankenversunken einen Steg abschreitet. In Zeitlupe. Nebeneffekt: Das gezeigte Bild entspricht einmal annähernd dem Ton. Die 32-Jährige kann ja beeindruckend langsam sprechen. Als Zuschauer weiß man manchmal zwar nicht, ob sie noch nachdenkt oder schon eingenickt ist, aber hey: This Girl Is On Sparflamme, um die Titelmelodie umzuinterpretieren.

Ein weiß-blauer Katamaran also. Wogende Wellen. Sechs Typen, von denen fünf den gleichen Friseur besuchen. Darauf ein paar Flaschen Champagner! Trotzdem schleppt sich die Konversation so dahin. "Ich lege Wert auf easy Gesprächspartner", holzt Nadine in die Stille. "Ich bin voll easy. Ich sehe das alles voll positiv", versucht sich der hoffnungslos verschossene Brian selbst zu überzeugen.

Bachelorette
Maxim, Brian, "Bachelorette" Nadine und Daniel (vl.n.r.) im Gespräch
© MG RTL D

Brians Bedürftigkeit macht Nadine nicht an

Kurze Zeit später wird er daran scheitern, ein Zelt aufzubauen. Noch etwas später wird Nadine ihm, der die Rose so sehr will, wie niemand je eine Rose gewollt hat, eben diese Rose verweigern. "Das ist bei ihm schon zum jetzigen Zeitpunkt alles sehr intensiv", wird sie sagen. Brian, nach eigenen Angaben vor der Entscheidung einem "Herzinfarkt" nah, wird sein Schicksal daraufhin in die Hände einer höheren Macht legen: "Nur Gott weiß jetzt noch, was mit mir passiert." Immer gut, wenn Männer in schwierigen Situationen nicht die Nerven verlieren.

Die Reste des zähen Korfu-Trips im Schnelldurchlauf: Die Boys nun auf einer einsamen Insel. Nadine will mal checken, wie gut es in Sachen archaische Fähigkeiten läuft. Also Feuer machen und High-Tech-Zelte aufbauen. Während Alex erfolgreich den Grizzly Adams gibt, scheitern Filip (versteht die Bedienungsanleitung bis heute nicht), Brian ("Der Boden ist zu hart!") und Chris aufs Feinste. Chris steht gefühlt Stunden verloren in der Botanik herum, später kriegt er es immerhin gut hin, der Bachelorette vorzuflunkern, dass er es "wirklich ernst" meint mit ihr.

Chris überlegt es sich plötzlich anders

"Ist zwar cool alles, gleicher Humor, gleiche Interessen, aber einfach kein Gefühl da", wird er direkt am nächsten Morgen verkünden. Er sehe Nadine eher als "Freund". Das sei ihm nachts, als er nicht schlafen konnte, eingefallen. Chris reiht sich damit ein in eine nie dagewesene Zahl freiwillig geganger Kandidaten. Nadine trägt es mit Fassung, denn – Trommelwirbel! Konfettiparade! Goldregen! – die Homedates mit den verbliebenen vier Kandidaten stehen an.

Ah, die Homedates! Schon immer das Beste an dem Format. Herrlich, wenn ein komplettes Kamerateam die trauten Heime der Kandidaten heimsucht. Immer wieder großartig, wenn das zuvor sorgsam zurecht gebastelte Checker-Image vor einer Schrankwand aus Eichenfurnier auf dem Terrakottafliesenboden krachend in sich zusammen fällt. Schön auch, wenn Mutter/Oma/Schwester des Schwiegersohns in spe gnadenlos all seine Schwächen heraus posaunen.

Homedates: Himmel und Hölle vor der Schrankwand

Los geht es bei Babyface Daniel. Der empfängt im prächtigen Kiefernholz-Ensemble mit garantiert glutenhaltigem Erdbeerkuchen und Kaffee-Pads-Maschinen-Kaffee. Wobei, Mutter D. scheint noch nicht ganz überzeugt: "Was hat dich denn an meinem Sohnemann so fasziniert?", setzt sie der Bachelorette die Pistole auf die Brust. Umso lässiger die kleine Schwester, die ihren Bruder im Nebensatz elegant als Discotussen-Abschlepper disst ("Das ist ja dieses Mal was anderes.")

Daniel lotst Nadine vorsichtshalber ins Grüne. "Dieser Spot ist einer meiner Lieblingsplätze in meiner Heimat", redet er daher. Nadine findet den Spot irgendwie nicht so hot und lässt Daniels Kussversuch ins Leere beziehungsweise auf ihre Wange laufen. Der Sohnemann ist not amused. "Ach, so Eine bist Du", outet er sich als ganz schlechter Partner auf Augenhöhe. "Wie meinst du das?", fragt Nadine irritiert, lässt sich dann aber zu einem Mitleidsknutscher hinreißen, vermutlich um das angeschlagene Ego ihres Gegenübers ("Das war eine Frechheit!") wieder aufzubauen. So nice sind Frauen. Obwohl: Nicht ihr bester move. (Wir hören jetzt auf mit dem doofen Denglisch)

Maxim macht auf Sex-Maniac

Maxim will mit niedlichen Nichten punkten. Check. Sein Bruder und dessen Frau begrüßen die Bachelorette unter einem riesiges Foto, dass sie selbst zeigt. "Das ist ja schon so die Bilderbuchfamilie", sagt Nadine. "Familie ist ja immer der Endgegner", wird sie später sagen und man rätselt kurz, wer heute wohl leider kein Foto bekommt.

Maxim hat jedenfalls seit sechs Jahren kein "Mädchen" mehr mit nach Hause gebracht. Wie er denn aus der Reserve zu locken sei, will Nadine später unter vier Augen wissen. Er, Maxim, wirke ja immer "sehr kontrolliert". Nun, er sei eben "ein Gentleman", erwidert das Model, und dann sag er noch "aber Gentleman bin ich nur außerhalb vom Schafzimmer."

Er gehe, so Maxim, mit seinen "Emotionen nicht inflationär" um, aber wenn sie, Nadine sich nackt vor ihn hinstellen würde, dann könnte er ihr "seine Leidenschaft schon zeigen." Klar, welche Frau würde sich beim schmierigen Sex-Talk eines Kontrollfreaks nicht direkt die Klamotten vom Leib reißen?

Nadine macht den gleichen Fehler wie bei Daniel und bringt Maxim mit einem Kuss dazu, die Klappe zu halten. Wobei: Das hohe Gericht würde wohl auf Notwehr entscheiden. 

Wurstplatte bei Filip

Sehr viel lockerer geht es im Haus von Filips Eltern zu. Ein kleiner Hund namens Jackie ("Pupsi") wartet schon, ebenso reichhaltige Fleisch- und Wurstplatten aus kroatischer Herstellung. Dazu Hochprozentiges und ein Papa im St. Pauli-Shirt auf dem Sofa. Könnte schlimmer kommen. Wäre da nicht Filips Schwester, die den Besuch der Bachelorette augenscheinlich mit dem Gang aufs Schafott verwechselt: "Wie alt bist Du? Du weißt schon, wie alt Filip ist? Willst du Kinder? Kannst du mal mitkommen in die Küche, helfen?" sind noch die harmlosen von gefühlt hundert inquisitorischen Fragen. 

Völlig erschöpft wehrt sich Nadine im Kinderzimmer unter Postern von weißen Tigern und Audrey Hepburn sowie einem Regal voll Proteinpulver-Packungen dann auch nicht mehr, als Filip sie heranzieht und küsst. "Darauf warte ich seit Tag 1" sagt er übermütig und macht im nächsten Satz Besitzansprüche klar: "Diese Frau willst du dann ja auch für dich behalten."

Zwischen Alex und "Bachelorette" Nadine hat es gefunkt

Es wird nur alles nichts nutzen, denn Nadine hat sich längst für Alex entschieden. Falls es noch einen Beweis für das Offensichtliche brauchte, er war in jeder Sekunde des Homedates in Hamburg (wieso eigentlich nicht in Gammelby?) zu sehen: "Das ist ein wunderhübsches Mädchen, ich würde mich sehr freuen, wenn es mit ihnen weiter geht", sagte die angetane Mama. "Zwischen ihnen gibt es eine gute Chemie" erkennt die Schwester, ohne auch nur eine Frage zu stellen. "Ja, es hat gefunkt zwischen uns", sagt dann irgendwann auch die Nadine. 

Dass bei der Nacht der Rosen Alex weiterkommt ist da nur noch Formsache. Verwirrend bloß, dass Alex dabei plötzlich auf dem Kopf aussieht, als hätte ein Emojünger aus den 90er-Jahren sein Toupet liegen lassen. Auch Filip und Daniel kommen weiter. Dass Maxim gehen muss, ja nun! Das saublöde "Ich bin voll der knallharte Kerl im Bett"-Bekenntnis zum unpassenden Zeitpunkt wird es wohl gerichtet haben. Immerhin: Er verpasst die Dreamdates: die sollen in Holland stattfinden.


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