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TV-Tipp 17.8.: "My Blueberry Nights": Ein Kuss, der alle Küsse vergessen lässt

Vergesst den Kopfüberkuss in "Spiderman". Den schönsten Kuss der Filmgeschichte hat Wong Kar-wai inszeniert. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie heute Abend "My Blueberry Nights"!

Auch ein schöner Kuss: Jude Law und Norah Jones, die in "Blueberry Nights" in ihrer ersten Kinorolle zu sehen ist, wagen die zweite Runde

Auch ein schöner Kuss: Jude Law und Norah Jones, die in "Blueberry Nights" in ihrer ersten Kinorolle zu sehen ist, wagen die zweite Runde

"My Blueberry Nights"
0.05 Uhr, ARD
LIEBESFILM Ich mag Wong Kar-Wai. Ja, auch wegen seiner emotionalen Bildsprache und der inszenatorischen Kraft, die seinen Filmen innewohnt. Aber vor allem mag ich, dass Wong Kar-Wai so herrlich perfektionistisch ist. Er findet kein Ende, feilt wirklich so lange an seinen Filmen, bis es wirklich nicht mehr geht. Gerüchteweise musste die Pressevorführung von "2046" in Cannes abgesagt werden, weil die Untertitelung noch nicht fertig war. Bei "The Grandmaster" werkelte Wong noch drei Tage vor der Veröffentlichung an seinem Film herum. Die Produzenten müssen Blut und Wasser geschwitzt haben.

Ich weiß nicht, wie lange er an diesem Kuss gefeilt hat. Aber - wow! Jude Law und Norah Jones. Sie eingeschlafen auf dem Tresen seines Cafés, noch einige Krümel Blaubeerkuchen auf den Lippen. Er, wie er sie nachdenklich anschaut, lange überlegt, seinen Kopf dann zu ihr auf den Tresen legt und langsam seine Lippen auf ihre drückt. Selten einen so knisternden Moment erlebt.

Aber ganz ehrlich. Im Vergleich zu Wong Kar-Wais früheren Meisterwerken war ich ein klitzekleines bisschen enttäuscht von "My Blueberry Nights", dem ersten Film des Hongkonger Bildpoeten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. "Die süchtig machende Magie seiner besten Filme kann Wong in seinem ersten amerikanischen Film nur teilweise dem Betrachter vermitteln", schrieb meine Kollegin zur Premiere 2008. Dem kann ich mich nur anschließen. Aber dieser Kuss macht einfach alles wieder wett.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"United"
20.15 Uhr, Tele5


SPORTDRAMA über die Fußballmannschaft von Manchester United, die 1958 mit dem Flugzeug verunglückte. Die legendären blutjungen "Busby Babes" gewinnen in den 50ern zweimal hintereinander die Meisterschaft. Sensationell schlägt sich die Elf auch im Europa-Pokal. Auf dem Rückflug von Belgrad am 6. Februar 1958 landet die Maschine zum Tanken in München. Beim Start im winterlichen Wetter kommt es zur Katastrophe... Basierend auf Interviews mit Überlebenden und mit viel Lokalkolorit setzt die BBC-Produktion die tragische Teamgeschichte ergreifend in Szene. "Doctor Who"-Star David Tennant glänzt als Trainer Jimmy Murphy, Paul Weller lieferte den Titelsong. (bis 22.15)

"Stephen Hawking"
22.55 Uhr, Servus TV


BIOGRAFIEDRAMA Im Jahr 1963 erfährt der 21-jährige Physikstudent Hawking (Benedict Cumberbatch), dass er unheilbar an der Muskelkrankheit ALS erkrankt ist. Wie viel Zeit bleibt ihm für seine Doktorarbeit über den Anfang der Zeit? - Bewegendes Portät eines Genies. (bis 0.50)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo