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TV-Tipp 25.9.: "Leonard Cohen: Bird on a Wire": Ganz nah dran am großen Melancholiker

Bei Leonard Cohens Europa-Tour 1972 durfte Tony Palmer Mäuschen spielen. Doch dann wurde sein intimes Musikerporträt völlig umgeschnitten, entstellt. Hier ist die Fassung, wie sie sein sollte.

Der Liedermacher Leonard Cohen absolvierte 1972/1973 eine Konzerttournee durch Europa und spielte auch in Israel. Begleitet wurde er von Filmemacher Tony Palmer.

Der Liedermacher Leonard Cohen absolvierte 1972/1973 eine Konzerttournee durch Europa und spielte auch in Israel. Begleitet wurde er von Filmemacher Tony Palmer.

"Oh, like a bird on the wire. Like a drunk in a midnight choir. Have tried in my way to be free."

"Leonard Cohen: Bird on a Wire"
23.05 Uhr, MDR

MUSIKDOKU Normalerweise sind Musikdokus, gerade wenn sie sich um die Tournee eines Weltstars drehen, reine PR-Veranstaltungen. Man hangelt sich von einem Song zum nächsten, zwischendurch erklären Weggefährten, wie "toll" und "auf dem Boden geblieben" die Stars doch geblieben sind, echte Probleme kommen nicht vor. Als höchstes aller Gefühle werden ein paar Frotzeleien aus dem Backstagebereich gezeigt.

"Leonard Cohen - Bird on a Wire" ist eine Ausnahme. Was auch daran liegt, das Tony Palmer, der Mann hinter dem Film, nicht irgendein Dokumentarfilmer war. Er kannte das Business, hatte bereits mit den Beatles, Zappa und Hendrix gedreht, und konnte Forderungen stellen. Die wichtigste: Palmer verlangte Zugang zu Cohen ohne Wenn und Aber. Auf der Bühne, backstage, im Tourbus. Er bekam sie - und filmte alles: explodierende Lautsprecher, Groupies und die Launen eines nicht immer leicht zu ertragenden Künstlers.

Das Ergebnis war so nah dran am Menschen Cohen, dass es dem Musikpoeten aus Kanada zuviel wurde. Verschreckt von dieser Selbstspiegelung ließ Cohen (bzw. sein Management) die Dokumentation komplett umschneiden, die Ursprungsfassung galt lange als verschollen. Erst 2009 fand Palmer das Rohmaterial von damals wieder - und setzte es neu zusammen zu jenem Film, den er schon 1972 hatte produzieren wollen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"My Week with Marilyn"
20.15 Uhr, Vox


ROMANZE Im Sommer 1956 ergattert Berufsanfänger Colin (Eddie Redmayne) eine Assistenzstelle am Filmset von "Der Prinz und die Tänzerin". Während der Regisseur und Shakespeare-Mime Sir Laurence Olivier (Kenneth Branagh) hofft, sich an der Seite von Marilyn Monroe (Michelle Williams) zu verjüngen, gefährdet der allürenhafte Star aus den USA die Dreharbeiten. Einzig der naive Colin kann die Diva bei Laune halten... TV-Regisseur und Produzent Simon Curtis gelingt in seinem Kinodebüt die perfekte Balance zwischen leichter britischer Komödie und anrührendem Drama. Michelle Williams verschmilzt geradezu mit dem Mythos, der Legende und der Ikone Monroe. (bis 22.10)

"Polt."
21.45 Uhr, Arte


KRIMI Zehn Jahre nach dem letzten Fall verfilmte Julian Pölsler wieder einen von Alfred Komareks Romanen aus dem niederösterreichischen Weinviertel: ruhig, aber nie träge, mit Gespür für die Landschaft, aber kitschfrei. Erwin Steinhauer, Fritz Karl und Simon Schwarz stolpern über a' Leich. (bis 21.45)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo