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TV-Tipp 28.6.: "Pina" Mehr Tanz-Liebe geht nicht


So sexy wie in "Pina" sah Wuppertal nie wieder aus: Wim Wenders filmte eine Liebeserklärung an die weltberühmte Choreographin Pina Bausch. Unser TV-Tipp des Tages.

"Pina"
21.45 Uhr, 3Sat
TANZFILM Bei mir ist es so: Ich kann schon bei "Dirty Dancing" die Füße nicht still halten, muss bei "Got to Dance" in den Werbepausen die Choreo nachhüpfen und würde sofort einen RTL-Knebelvertrag für "Let's Dance" unterschreiben. Tanzen macht Spaß, Tanzen macht glücklich. Aber dass Tanz auch alles andere kann, zeigt Wim Wenders Film "Pina".

Hier wird gekämpft, geweint, geliebt - man muss kein Ballett- oder Theaterkenner sein, um sich von den Choreographien der 2009 verstorbenen Pina Bausch mitreißen zu lassen. "Tanzt, tanzt - sonst sind wir verloren" lautet der Untertitel des Films, der aus einer Rede der Titelheldin stammt und kein bisschen übertrieben wirkt, wenn man die wunderschönen Bilder sieht. Mehr Tanz-Liebe als hier geht gar nicht.

Die Hommage an die weltberühmte deutsche Choreographin sollte eigentlich ein gemeinsamer Film mit ihr werden, doch kurz vor Beginn der Dreharbeiten starb sie unerwartet im Alter von 68 Jahren. Wenders schafft es trotzdem, Pina Bausch im Film präsent wirken zu lassen - und das ohne viel Archivmaterial. Stattdessen schneidet er immer wieder kurze Statements von den langjährigen Mitgliedern ihres Tanztheater-Ensembles zwischen und lässt den Zuschauer ansonsten in Bauschs Werke eintauchen.

"Es geht nicht um Kunst, auch nicht um bloßes Können. Es geht um das Leben, und darum, für das Leben eine Sprache zu finden", hat diese einmal gesagt. Das allerbeste sind deshalb für mich die Aufnahmen, die Wim Wenders draußen - eben mitten im Leben - gedreht hat: Ein Paar, das auf einer Straßenkreuzung tanzt, im Hintergrund die berühmte Schwebebahn von Wuppertal - und plötzlich wirkt die NRW-Stadt fast so cool wie New York. Die Tänzer wirbeln an alten Zechen, am See, im Park und transportieren ihre Energie und Atmosphäre raus in Bauschs Wahlheimat.

Einziger Wermutstropfen: Wenders hat mit "Pina" auch einen tollen 3D-Film abgeliefert, was am Fernseher daheim nicht wirken kann.

Ein TV-Tipp von Sarah Stendel, Kulturredakteurin


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Kontakthof"
23.25 Uhr, 3Sat

MUSIKTHEATER Nach Wim Wenders Hommage an die im Sommer 2009 verstorbene Pina Bausch zeigt 3sat die komplette Choreografie dieses Stücks aus dem Jahr 1978. Manchmal ist ein einzelnes Paar auf der Tanzfläche, manchmal die gesamte Besetzung von 30 Tänzern. (bis 1.50)

"Whisky mit Wodka"
22.20 Uhr, Bayern


TRAGIKOMÖDIE In seinem Fach ist Schauspieler Otto Kulberg (Henry Hübchen) ein ganz Großer. Leider hat er auch ein großes Alkoholproblem. Aus Angst vor einem finanziellen Desaster engagiert Regisseur Telleck (Sylvester Groth) für Ottos neuen Kostümfilm eine Zweitbesetzung. Der junge Arno (Markus Hering) soll Otto doubeln. Aber lässt sich ein alter Hase wie ein Arsch behandeln? Nee... Regisseur Andreas Dresen ("Halt auf freier Strecke") kann auch lustig. Drehbuchschreiber Wolfgang Kohlhaase orientierte sich an einem wahren Fall: DEFA-Regisseur Kurt Maetzig ließ 1957 den trinkenden Schauspieler Raimund Schelcher 23 Drehtage lang doubeln. (bis 23.55)


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