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TV-Tipps 12.5: "Das Todesduell der Tigerkralle": Ihre Herzen sind so kalt wie der Stahl ihrer Schwerter

Ihnen ist Bud Spencer zu roh, aber Matrix zu verkopft? Zum Karneval verkleiden Sie sich gerne als Samurai? Herzlich wilkommen bei "Das Todesduell der Tigerkralle" - unserem TV-Tipp des Tages.

Zieh, du Schurke! Wer eher auf Schwerter statt Pflugscharen steht ist bei "Das Todesduell der Tigerkralle" gut aufgehoben

Zieh, du Schurke! Wer eher auf Schwerter statt Pflugscharen steht ist bei "Das Todesduell der Tigerkralle" gut aufgehoben

"Das Todesduell der Tigerkralle"
2.20 Uhr, Tele 5
SCHWERTKAMPFDRAMA Neulich kam ein Kollege vorbei und wollte reden. Über meine TV-Tipps. Die seien immer so verkopft, beschwerte er sich. Warum ich denn nicht mal was Trashiges empfehlen würde, "Frauentausch", "Junge Mütter" oder so? Hatte er eigentlich recht. Denn so sehr ich auch auf Arthaus-Zeug und nischige Kurzfilme stehe, so sehr macht es mir manchmal Spaß, in den Hades der TV-Unterhaltung hinabzufahren. Am besten mit Freunden, Bestellpizza und ein paar Humpen Hopfenkaltschale dazu.

Anstelle von "Berlin Tag und Nacht" und diversen schlechten Ratgeber-Doku-Soaps glotze ich allerdings lieber mies synchronisierte Haudrauf-Filme aus den Sechziger oder Siebzigern - vornehmlich aus Asien. Da kann man sich herrlich über die misslungene, weil völlig überdrehte Synchro lustig machen - und gleichzeitig wirklich gut choreographierte Kampfszenen bestaunen.

Der Hongkong-Film "Das Todesduell der Tigerkralle" von 1977, den Tele 5 im Nachtprogramm versteckt hat, ist ein großartiges Beispiel dafür. Hier hat die Syncho besonders erbarmungslos zugeschlagen und einen Streifen, der im Original sicher ganz passabel war, völlig entstellt. Nicht nur, dass die Stimmen so gar nicht zu den Figuren passen wollen - die Synchronsprecher wechseln sogar mitten im Film ihre Rollen! So kommt es, dass nicht nur unwichtige Nebendarsteller, sondern die Hauptfigur selbst in manchen Szenen mit einer völlig fremden Stimme spricht. Verwirrung ist da vorprogrammiert. Und eine Menge Spaß beim Rudelgucken.

PS: Falls Sie sich jetzt noch unschlüssig sind, ob es sich lohnt, den Videorekorder zu programmieren, werfen Sie doch einen kurzen Blick auf den herrlich überdrehten deutschen Trailer zum Film, der wirklich alle Register der Dramatik zieht ("Grausame Tyrannen sorgen für Mord und Verwüstung! Ihre Herzen sind so kalt wie der Stahl ihrer Schwerter! Eine stählerne Faust gegen die satanische Schreckensherrschaft machthungriger Schwertkämpfer!").

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Holy Smoke!"
22.45 Uhr, Arte
DRAMA Im Indienurlaub verfällt Ruth einem Guru. Ihre Eltern engagieren einen Sektenexperten, der sie heilen soll. - Kate Winslet und Harvey Keitel in einem Psychobaukasten, der unter seinen Ambitionen zusammenbricht. Jane Campions schräge Sinnsuche kam bei uns nie ins Kino. (bis 0.45)

"Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada"
23.40 Uhr, MDR

NEOWESTERN Den Geist von John Ford atmend, beobachtet Tommy Lee Jones den Mord an einem Immigranten und zwingt dessen Mörder, die Leiche in Mexiko zu bestatten. - Hut ab! (bis 1.35)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo