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TV-Tipps des Tages für den 6.3.: Real existierende Pornografie

Offiziell waren Pornos in der DDR verboten. Doch selbst die Stasi hütete sich, entsprechende 'Vergehen' zu ahnden. Warum, zeigt die kleine, unterhaltsame Doku "Zwischen Blümchensex und Knetfiguren".

"Zwischen Blümchensex und Knetfiguren"
22.30 Uhr, SWR

DOKU Wenn Jan Böhmermann im Öffentlich-Rechtlichen "2 Girls 1 Cup" vor einem Seniorenpublikum zeigt, ahnen wir schon: Das mit der Hemmschwelle in Sachen Pornografie war einmal. Braune Papptüten trägt man heute nur noch aus dem Bio-Supermarkt und nicht mehr aus Videotheken. Doch während es in der Bundesrepublik zumeist eine Frage des Schams und der Beschaffung war, stand die Herstellung und Verbreitung von Pornografie in der DDR generell unter Strafe. Zwei Jahre Knast Maximum winkten denjenigen, die Sexfilmchen produzierten und vertrieben.

Zumindest theoretisch. Denn im Arbeiter- und Bauernstaat florierte ein kleiner, aber einträglicher Markt mit (aus heutiger Sicht doch sehr harmlosen) Sexfilmen, die unter höchsten Geheimhaltungsbedingungen von Amateurfilmern gedreht wurden. Und wie so oft: Der Kitzel des Verbotenen feuerte alle Beteiligten eher noch an. War es nicht wie bei James Bond, wenn man sich zum Drehen mit kodierten Nachrichten in Magazinen wie der "Wochenpost" verabreden musste?

Dabei drohte den Pornofreunden - zumindest von dieser Seite des Gesetzes - nur wenig Gefahr. Denn weil alle irgendwie mitmachten, schauten auch alle weg, wenn die ach-so-schmutzigen Streifen auf Super 8 in Hinterzimmern, auf Soldatenstuben oder der heimischen Couch vor Freunden gezeigt wurde: die Vopos, die Richter, die NVA-Kommandanten - selbst die Schlapphüte von der Staatssicherheit. Als die Stasi 1983 eher zufällig auf ein Netzwerk von Amateur-Pornoproduzenten stieß, ließ man die Ermittlungen schnell im Sande verlaufen - zu viele hohe Tiere standen auf der Verteilerliste.

Lutz Rentner und Frank Otto Sperlich lassen in ihrer Doku gleich mehrere ehemalige Kameramänner und Darsteller zu Wort kommen. Dabei entstand ein spannender, vor allem aber ein äußerst unterhaltsamer Blick auf ein Kapitel DDR-Geschichte, an das sich alle Beteiligten mit einem Schmunzeln auf den Lippen erinnern. Nur die Geschichte mit den Knetfiguren und dem errötenden Karl-Marx-Denkmal lässt mich etwas ratlos und verstört zurück. Aber urteilen Sie selbst.



Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de



Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:



"Meine Tante aus Fukushima"

23.15 Uhr, WDR

DOKUMENTATION Nach der Kernschmelze in Fukushima vor drei Jahren flohen die Bewohner von Namie vor der Strahlung. Filmautorin Kyoko Miyake erlebt, wie ihre Tante Kuniko, einst eine quirlige Geschäftsfrau, durch den GAU und die Folgen seelisch gebrochen wird. (bis 0.35)

"Die Zeit die bleibt"

22.25 Uhr, 3Sat

DRAMA Romain muss sterben. Hirntumor, Endstadium. Mit 30. Statt Trost sucht er Streit, bricht mit der Familie, verstößt seinen Geliebten. Nur Großmama (Jeanne Moreau) kennt die Wahrheit. François Ozon erzählt die Chronik eines angekündigten Todes. Provokativ, erotisch, bewegend. (bis 23.40)

"Der Mann, der Yngve liebte"

23.05 Uhr, Einsplus

DRAMA Norwegen, 1989: Beim 17-jährigen Jarle dreht sich alles um Rockmusik und Katrin. Bis ein Neuer in die Klasse kommt, der ganz andere Saiten in Jarle zum Schwingen bringt... Toll gespielt und authentisch: Dafür gab's viermal die "Amanda", Norwegens wichtigsten Filmpreis. (bis 0.35)

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