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TV-Tipps des Tages für den 9.4.: Wenn der Petzold dreimal klingelt

Kann eine Liebe zwischen zwei Menschen gelingen, wenn das Geld fehlt? In Christian Petzolds Drama "Jerichow" ist von blühenden Landschaften nichts zu spüren - unser TV-Tipp des Tages.

Gefangen im Abhängigkeitsverhältnis: Laura (Nina Hoss, l.) erzählt Thomas (Benno Fürmann, r.), dass sie von ihrem Mann Ali geschlagen wird, sitzt aber in der Schuldenfalle fest

Gefangen im Abhängigkeitsverhältnis: Laura (Nina Hoss, l.) erzählt Thomas (Benno Fürmann, r.), dass sie von ihrem Mann Ali geschlagen wird, sitzt aber in der Schuldenfalle fest

"Jerichow"
23.40 Uhr, Arte
DRAMA Manche Schauspieler sind in meinem Kopf untrennbar mit bestimmten Rollen verbunden. Im Fall von Benno Fürmann ist das (sorry!) Günni aus der RTL-Klaumaukserie "Und tschüss!", die den Erfolg von "Manta, Manta!" auf den kleinen Schirm herüberretten wollte. Hilmi Sözer bleibt für mich immer der Türke aus den Tom-Gerhardt-Komödien "Voll normaaal" und "Ballermann 6". Und noch heute denke ich an Rosemarie Nitribitt, wenn ich den Namen Nina Hoss höre. Das ist ein bisschen gemein, wenn man bedenkt, welche schauspielerischen Leistungen die drei seitdem vollbracht haben. Und trotzdem waren die alten Bilder wieder da, als ich zum ersten Mal die Besetzungsliste von Christian Petzolds "Jerichow" vor Augen hatte.

Fürmann spielt den abgebrannten, unehrenhaft entlassenen Afghanistan-Soldaten Thomas, der zufällig auf Ali trifft, einen türkischen Imbisskettenbesitzer. Als Ali wegen Trunkenheit seinen Führerschein verliert, engagiert er Thomas als Chauffeur. Zwischen beiden entsteht eine Art Freundschaft, die jedoch zerbricht, als sich Thomas und Alis hochverschuldete Frau Laura ineinander verlieben.

Anfang der 90er wäre aus dieser Zusammenstellung wohl eine mindergute, klamaukige Komödie geworden. Mit ach-so-flotten Sprüchen, viel PS und ordentlich Matte auf dem Kopf. "Jerichow" zeigt, wie sehr sich der deutsche Film seitdem verändert hat. Fürmann spielt den Soldaten zurückgenommen, als traumatisierten Mann, in Gedanken versunken. Eine seltsame Stille, eine Bedrücktheit legt sich über jede Szene dieses Dramas. Das kühle Minenspiel der Charaktere entwickelt eigene erzählerische Kraft, bedarf nicht vieler Worte. Kein einziger Gewaltausbruch von Ali wirkt überspitzt, selbst die plötzliche Anziehungskraft, die Thomas und Laura aneinander bindet, ist ohne große Worte und Vorgeschichte nachvollziehbar.

Um ein Gefühl für die Ästhetik der Filme von Christian Petzold zu bekommen, sollten Sie allerdings schon etwas früher einschalten. Denn "Jerichow" ist nur der krönenden Abschluss einer Themenreihe, die Arte heute Abend diesem Vertreter der Berliner Schule widmet. Los geht es bereits um 20.15 Uhr mit der TV-Premiere von "Barbara" (2012), in dem wiederum Nina Hoss die Titelrolle als DDR-Ärztin spielt, die nach einem gescheiterten Ausreiseantrag in die Provinz versetzt wird. Danach folgt "Die innere Sicherheit" (2000), ein Frühwerk des Regisseurs über eine an die RAF angelehnte Terroristenfamilie, die seit 15 Jahre im Untergrund lebt.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Sound City"
20.15 Uhr, Einsfestival
MUSIK Die analoge Aufnahmetechnik ist tot, aber: Rock ’n’ Roll will never die. Als das legendäre Tonstudio in L. A. dichtmachte, rettete Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl 2011 das ausgemusterte Neve-8028-Mischpult und sprach mit prominenten Kollegen über die Sessions in Sound City. (bis 22.05)

"Schwarzarbeit"
23.20 Uhr, Servus TV

DRAMA London, 1981: Vorarbeiter Nowak (Jeremy Irons) überwacht die Renovierung einer Bonzenwohnung. Vom Putsch in der Heimat erzählt er den polnischen Kollegen erst nach getaner Arbeit. -Typisch: Schon in einer seiner ersten Rollen gab Irons das kultivierte Schwein. (bis 1.10)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo