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USA Trevor Noah und James Corden machen Schluss – die ungewisse Zukunft der Late-Night-Shows

Trevor Noah steht hinter einem Rednerpult
Trevor Noah gehört zu den Größen der amerikanischen Late Night-Formate. Doch er wird aufhören. 
© BFA / Action Press
Late-Night-Shows sind in den USA eine Institution. Aber was jahrzehntelang ein Erfolgsrezept war, schmeckt inzwischen etwas versalzen. Mehrere Größen der Branche geben ihre Shows auf. Die Unterhaltungsindustrie ist im Umbruch. Das Format steht vor einer ungewissen Zukunft. 

In den USA waren Late-Night-Shows jahrzehntelang nicht von den Bildschirmen wegzudenken. Auch drüben, am anderen Ende des Atlantiks, haben sie schon etliche Zuschauer für Politik und die USA begeistert. Als Jon Stewart 2015 nach 16 Jahren die "Daily Show" verließ, fühlte sich das für viele an, als würden sie ein Familienmitglied verlieren, einen Onkel, der im Gegensatz zum gängigen Klischee des verbitterten, etwas anrüchigen Mannes, gute Stimmung und anregende Analysen lieferte. 

Mit Trevor Noah fand Comedy Central einen klugen, smarten und geschätzten Nachfolger. Doch auch seine Zeit endet. Im kommenden Jahr wird Trevor Noah die "Daily Show" verlassen. Und er ist nicht der einzige Late Night Host, der geht. Tausendsassa James Corden wird sein Promiblödel- und Wohlfühlformat "Late Late Show" im kommenden Jahr aufgeben. Wenn Corden geht, werde die Show keine Kopie der jetzigen sein, zitiert der "Guardian" Verantwortliche beim Sender CBS. 

James Corden steht vor einer Wand
James Corden ist nicht nur Host der "Late Late Show", sondern auch Schauspieler. Hier ist er bei der Premiere der Serie "Mammals" Anfang November zu sehen.  
© MediaPunch / Action Press

Andere Formate sind ganz verschwunden. TBS setzte "Full Frontal with Samantha Bee" diesen Sommer ab. Die ehemalige Korrespondentin der "Daily Show" war eine von wenigen Frauen in der Männerdomäne Late Night. Hier geht es nicht um Einzelfälle. Hier geht es um den Umbruch einer ganzen Branche. Und womöglich auch um das Ende einer Ära.

Das Erfolgsmodell Late-Night-Show bröckelt in den USA

Die wirtschaftliche Lage der Sender hat sich verschlechtert. Werbeeinnahmen gehen deutlich zurück. Streaming-Anbieter wie Netflix oder Amazon Prime sind eine große Konkurrenz für das lineare Fernsehen. Das jahrzehntelange Erfolgsmodell der Late-Night-Shows bröckelt – auch wenn die Produktionskosten vergleichsweise gering sind. 

Doch die Zuschauer vor dem Fernseher werden weniger. Eine Episode von "Full Frontal with Samantha Bee" sahen in den Jahren 2018 und 2019 vier Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. 2021 waren es noch 2,9 Millionen. Zu wenig für Sender TBS. Auch bei "Conan" mit Talk Show-Urgestein Conan O'Brien hatten die Zahlen zuletzt unter den Erwartungen gelegen. Die Show lief ein letztes Mal im Sommer 2021. 

Samantha Bee, die bis im Sommer eine eigene Late Night Talk Show hatte, steht vor einer Wand mit Blumen
Samantha Bee hat als Frau in der Männerdomäne Late Night Talk Show eine Karriere hingelegt. Ihre Show "Full Frontal with Samantha Bee" läuft seit dem Sommer 2022 allerdings nicht mehr. 
© Dominik Bindl / Getty Images

Wie die "New York Times" berichtet, erwägt NBC, am Sendetermin der ikonischen "Tonight Show", moderiert von Jimmy Fallon, zu rütteln. Es wäre das erste Mal in ihrer 70-jährigen Geschichte, dass die Show bereits um 22.30 Uhr beginnen würde. Traditionen geraten ins Wanken. Weil sich auch die Sehgewohnheiten verändert haben.

Manche Inhalte wirken heute aus der Zeit gefallen

Zuschauer sind es heute gewohnt, Inhalte in der Regel jederzeit verfügbar zu haben. Ein festes Fernsehprogramm hingegen gibt Zeiten vor. Andererseits zeigt etwa der Erfolg eines Live-Streaming-Portals wie Twitch, dass selbst bei den Jungen ein Bedürfnis nach gemeinsamem Sehen und Erleben da ist. 

Die Umwälzungen, in denen Late-Night-Shows stecken, haben aber nicht nur mit ihrem Format zu tun. Es liegt auch an ihrem Inhalt. In Zeiten, in denen jeder Prominente und auch Nicht-Prominente sein Innenleben, seine Auftritte und Neuerscheinungen auf Instagram und Tiktok teilt, wirken die perfekt inszenierten Gastauftritte in den Late-Night-Shows fast wie aus der Zeit gefallen. 

Das Erfrischende und Unterhaltende an Shows wie denen von Trevor Noah oder Stephen Colbert ist die Mischung aus Star-Aufgebot, Dialog und Monolog sowie politischer Comedy und Analyse. Was den politischen Teil angeht, dominierte über Jahre ein Thema: Trump. Der rüpelhafte Ex-Präsident und sein Team aus fragwürdigen Beratern und Verwandten lieferte derart viele Vorlagen für Witze und in einem solchen Tempo, dass sich verständlicherweise sämtliche politischen Show-Formate darauf einschossen. Mit der Gefahr repetitiv zu werden. Dann wurde Trump abgewählt und seine Politikdarsteller verschwanden vorerst von der Bühne. "Plötzlich ist da nicht mehr allzu viel", sagt Medienhistoriker Robert Thompson von der Syracuse University dem "Guardian". 

Schaut man sich die politische und gesellschaftliche Lage in den USA und weltweit an, scheint es jedoch ausreichend Stoff für politische Comedy zu geben. Nur werden die Entgleisungen und Fehltritte von Politikern geradezu in Echtzeit über Twitter und Co. verbreitet. "Die Idee eines Zeitfensters ist altmodisch geworden", sagt Thompson. Das habe dem Late-Night-TV und seiner unterhaltsamen Einordnung des Tagesgeschehens geschadet. Er meint im "Guardian" aber auch, wir sollten das nicht als ein Kartenhaus sehen, das zusammenfalle. 

Einige berühmte Hosts von Late-Night-Shows haben verlängert

Es gibt beispielsweise Ideen, Late-Night-Shows in Streaming-Formate zu übersetzen. Die "New York Times" schreibt, der Host hinter dem Schreibtisch werde nicht sofort verschwinden und listet prominente Vertreter auf, die ihren Vertrag verlängert haben: Jimmy Kimmel bis 2026. Jimmy Fallon bis in die späten 2020er hinein. Und Stephen Colbert, der erfolgreichste von allen mit Blick auf die Zuschauerzahlen, bis im nächsten Jahr. Late-Night-Shows bleiben, aber sie dürften vor der ein oder anderen Neuausrichtung stehen. 

Quellen: The New York Times, The Guardian, YahooSpiegel

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