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"Raus aus den Schulden": Warum die Faszination für Peter Zwegat nicht versiegt

Seit 2007 schleppt Peter Zwegat seine Flipcharts durch Deutschland, rebelliert gegen die Schulden. Warum das Format immer noch Erfolg hat? Ein Zwischenruf.

Peter Zwegat, das finanzielle Gewissen: Seine Reality-Sendung "Raus aus den Schulden" läuft inzwischen in der 12. Staffel.

Peter Zwegat, das finanzielle Gewissen: Seine Reality-Sendung "Raus aus den Schulden" läuft inzwischen in der 12. Staffel.

Einer muss der ja der Spielverderber sein. Und dann soll er doch bitte auch so aussehen. Stramm gebundene Muster-Krawatte, die Brille ein Kassengestell, obwohl es doch Kassengestelle gar nicht mehr gibt. Als habe man eine Büroklammer auseinander gebogen und Gläser hineingeklebt. Peter Zwegat sieht einfach aus wie finanzielle Solidität mit aufrechtem Gang. Und so wundert es nicht, dass er in der inzwischen zwölften Runde Deutsche berät, die in die "Schuldenfalle" gekommen sind.
Auch ein Wort, das man eigentlich nicht mehr hören möchte. Obwohl es so herrlich nach Hinterhalt klingt, nach diesem amerikanischen Kreditkartentraum: Kauf dir, was du willst – und wenn das Limit erreicht ist, dann bestell dir einfach eine neue Plastikkarte. Die bezahlt für dich. Schuldenfalle, das klingt nach Bewusstseinserweiterung, Rausch durch Kauf. Die Einstiegsdroge: Nullprozentfinanzierung . Wenn das so ist, dann ist Peter Zwegat der kalte Entzug.

Bei "Raus aus den Schulden" heißt der Rausch: "sich was gönnen." Ein kleines Haus zum Beispiel, in der Kleinstadt, mit Kleinauto und ein paar Restaurantbesuchen. Sie ist 25, er 29. Kein Größenwahn, keine Schuldenfalle zu erkennen, wüsste man nicht, dass das besagte Auto bereits ihr zwanzigstes ist. Ihre Regalbretter im Kleiderschrank nur noch wie zwischen den Klamotten hervorlugen. Und dann auch noch neue Möbelhausmöbel, technischer Schnickschnack, Schwenk durch das Wohnzimmer.

60.000 Euro hat das junge Ehepaar ausgegeben, ohne das Geld zu besitzen. Jetzt überlegt sie, sich zu trennen, sagt, sie, schließlich habe sie kein Abitur gemacht, um seine Scheißschulden zu bezahlen. Was das Paar nicht erzählt, verrät der Off-Kommentator mit ruhiger Stimme, nie reißerisch, aber nuanciert genug, das Paar für einen Abend der Fernsehunterhaltung vorzuführen. Beine hoch, Bier aufhebeln und die eigenen Schuldenängste auf das TV-Erlebnis auslagern. Das ist "Raus aus den Schulden". Sozialpornografie mit Zahlen. Und gerade, wenn das "Mitten im Leben"-Gefühl Überhand zu nehmen scheint, schwenkt die Kamera auf Peter Zwegat, auf Kontoauszüge und sein Schulden-Flipchart. Das ist "Raus aus den Schulden" schließlich auch: ein Finanzeneinmaleins vor Schrankwandkulisse.

Seit dem Start der Sendung 2007 sind Schulden zum Stammtischthema geworden, generationsübergreifend, im Großen wie im Kleinen. Die Finanzkrise kam, die Finanzkrise ging, die Eurokrise kam. Schulden, Schulden, Schulden. Und dann gibt es auch noch Studien, die behaupten, die Deutschen leben immer häufiger auf Pump.

Peter Zwegat blieb. Er ist das Sparbewusstsein für das Abendprogramm, eine leise Konstante für den betongrauen Feierabend. Der binnen 60 Minuten beweist: Eigentlich ist doch alles gar nicht so schlimm.

Und so wird Zwegat womöglich auch noch da sein, wenn die große Krise Vergangenheit ist, oder zumindest pausiert. Um die kleinen Finanzkrisen zu hegen. Als ruhiger Mahner, als unser finanzielles Gewissen. Schulden kommen schließlich nie aus der Mode.

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