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TV-Kritik

"Raus aus den Schulden": Alkoholtest und demonstrative Kritik: Wie Naddel von Peter Zwegat vorgeführt wird

"Raus aus den Schulden" heißt die Sendung, in der Peter Zwegat Nadja Abd el Farrag unter die Arme greifen wollte. Dabei sind Schulden eigentlich nicht das Problem der 53-Jährigen.

Von Andrea Zschocher

"Raus aus den Schulden"-TV-Kritik: Wie Naddel von Peter Zwegat eigentlich nur vorgeführt wurde

Schuldnerberater Peter Zwegat trifft in "Raus aus den Schulden" (RTL) ein zweites Mal auf Nadja Abd el Farrag

2016 lernten der Schuldnerberater Peter Zwegat und die, sagen wir mal, Prominente Nadja Abd el Farrag sich kennen. "Raus aus den Schulden" hieß es damals, Naddel hatte knapp 13.000 Euro Schulden. Zwei Jahre später sind davon noch 7.600 Euro übrig, die die Sängerin in kleinen Raten bei ihrer Mutter abstottert. Eigentlich nun wahrlich kein Fall für eine zweistündige Schuldnerberatungssendung. Und eigentlich geht es auch nicht um das vielleicht fehlende Geld. 

Denn Naddel verdient Geld, 18.000 Euro im letzten Jahr. Und genauso viel gibt sie auch aus, für Kleidung, Dekoartikel, Geburtstage, für die Einlagerung ihrer Möbel, Zigaretten, ihre Hunde.

Zwegat führt Naddel in "Raus aus den Schulden" vor

Das hat Nadja Abd el Farrag alles im Kopf, dafür braucht sie laut eigener Aussage den Schuldnerberater nicht. Der will vor allem eins: ein letztes Mal am Ruhm alter Tage kratzen und stirnrunzelnd in die Kamera schauen. Er regt sich auf über die Ausgaben seiner Klientin, versucht ihr eine Wohnung zu besorgen, befragt eine Psychologin, um mehr über Naddels Krankheit ADHS zu erfahren. Eigentlich macht Peter Zwegat aber nur eins: Nadja Abd el Farrag vorführen. Da wird ein Atemalkoholtestgerät hervorgeholt (das 0,00 Promille anzeigt) oder nachgefragt, warum genau die Promifrau nun so "bescheuert" sei. Immer und immer wieder hätte sie Chancen angeboten bekommen und diese abgelehnt.

"Was immer Sie anfassen, läuft durch Ihr Zutun Gefahr, gegen die Wand zu gehen", wirft Zwegat ihr vor. Und hat damit ja gar nicht Unrecht. Es ist eine Qual dieser Frau beim Scheitern zuzuschauen. Und ja, ein bisschen mischt sich beim Zuschauen auch Wut darunter, dass Naddel es offensichtlich nicht gebacken bekommt die Chancen, die ihr auf dem Silbertablett serviert werden, zu nutzen.

Leicht verdientes Geld? Ach nein, danke!

35.000 Euro für eine Saison auf Mallorca, zwei Auftritte (mit je 3 Liedern) pro Woche, dazu noch kostenfreie Logis. Aber nein, im Sommer ist es heiß auf Malle, sie kenne da niemanden, alles Gründe für Naddel diesen Job in "Krümels Stadtl" abzusagen. Auftritte mit einem Magier, jeweils mit 1000 Euro dotiert, sagt sie ab. Denn dafür hätte sie auch mal zwei, drei Stunden proben müssen. Und sich zu einer festgeschriebenen Zeit vom Fahrer aus dem Hotel abholen lassen. Zuviel Stress für die Ü50-Frau.

Natürlich soll erwähnt werden, dass keiner ihrer Auftraggeber_innen aus Mitleid oder Nächstenliebe mit Nadja Abd el Farrag zusammenarbeitet. Die Marke "Naddel" hat nach wie vor Gewicht, ist ein Zugpferd. Die Leute kommen, um sie - vielleicht auch beim Scheitern - zu sehen. Und Naddel liefert. Win-win-Situation für beide Seiten, irgendwie. Denn es wirkt nicht, als würde die Sängerin wirklich unter ihren Fehlversuchen leiden.

Der "Chancentod" der Nadja Abd el Farrag

"Ich bin manchmal von mir selbst genervt", gibt Naddel zu. Aber an dem Punkt war sie vor zwei Jahren auch. Sie wollte aus ihrem 25-Quadratmeter-Zimmer ausziehen, dass sie kostenfrei in einem Hotel bewohnen darf. Wollte sich der Diagnose ADHS stellen, vielleicht sogar eine Therapie machen. Ihr Leben in den Griff bekommen. Stattdessen nutzt sie die Angebote, die unter anderem auch durch "Raus aus den Schulden" bei ihr eintrudeln und schmeißt hin, wenn es ihr nicht passt.

Peter Zwegat spricht wegen genau diesem Verhalten vom "Chancentod", wenn er über Abd el Farrag redet. Und doch verhilft er ihr zu Chancen, von einer neuen Wohnung über neue Jobs bis hin zu einer ADHS- Therapeutin. Diese kann oder will Naddel nicht aus eigener Tasche bezahlen, also springt eine Stiftung ein. Und ja, an der Stelle kann man dann schon mal wütend werden, dass eine Prominente diese Hilfe bekommt, während sie anderen verwehrt wird. Was allerdings auch der Promistatus nicht ändern kann: Auf einen Platz in der Psychotherapie muss auch Naddel jahrelang warten. Und ob sie diesen dann überhaupt annehmen würde, ist fraglich.

"Nadja scheitert an Nadja", das ist vielleicht das richtige Fazit aus dieser Sendung. Aber Nadja sollte vielleicht auch einfach nicht mehr dem Ruhm hinterherhecheln, sondern sich um sich selbst kümmern und für eine dritte Ausgabe von "Raus aus den Schulden – das Promispezial" nicht mehr zur Verfügung stehen.

Sehen Sie ein Porträt von Nadja Abd El Farrag im Video:

Nadja Abd El Farrag, genannt Naddel