HOME

Sendung "Live nach Neun": Linksradikales T-Shirt? WDR zensiert sich nach Protesten selbst und rudert dann zurück

Das T-Shirt eines Gastes hat beim WDR für Verwirrung gesorgt. Nach Zuschauerprotesten wurde ein Teil der Sendung "Live nach Neun" erst aus dem Internet genommen. Dann aber entschied sich der Sender wieder anders.

Carlo Graf Bülow in der ARD-Sendung "Live nach neun"

Das T-Shirt des Anstoßes: Barista Carl Graf Bülow wurde nach seinem Auftritt in der ARD-Show "Live nach Neun" zunächst aus der Sendung geschnitten

Normalerweise plätschert das deutsche Fernsehprogramm am Vormittag so vor sich hin – ein paar Wiederholungen, Nachrichten, nette Service-Themen. Am Montag aber sorgte die Show "Live nach Neun" für einige Verwirrung – so sehr, dass Teile der Sendung sogar vorübergehend aus der Mediathek entfernt wurden. Das berichtet das Medienportal "Übermedien". Schuld daran war das T-Shirt eines Gastes.

Die Sendung wird von Montag bis Freitag ab 9.05 Uhr in der ARD ausgestrahlt und versteht sich nach eigener Beschreibung als "neues Magazin für einen guten Start in den Tag". Am Montag sollten die Zuschauer unter anderem mit einem guten Kaffee in den Tag und in die Woche starten: Zu Gast war der Deutsche Meister im Kaffeeschaum-Machen, Carlo Graf Bülow. 

Proteste wegen angeblichen Antifa-Shirts

Der Barista aus Bonn, der im Februar bei den deutschen Kaffeemeisterschaften in Bremen in der Kategorie "Latte Art" triumphiert hatte, zeigte also seine Kunst in der Live-Sendung und plauderte mit den Moderatoren. Doch noch während die Kamera lief, regte sich Protest im Internet. Insbesondere auf rechtspopulistischen Facebook-Seiten, die der AfD nahestehen, empörten sich Nutzer über Gast und Sender. 

Ihr Ärger entzündete sich an einem kleinen Detail – dem T-Shirt, das Bülow unter seinem offenen Hemd trug. Darauf stand "Barista, Barista, Antifascista". Viele Internetnutzer, auch solche, die die Sendung gar nicht selbst gesehen hatten, witterten Werbung für die linksextreme Antifa und machten ihrem Ärger online Luft. Darauf reagierte der verantwortliche Sender WDR, indem er den Ausschnitt laut dem Bericht von "Übermedien" aus der Online-Mediathek nahm.

"Barista, Barista, Antifascista"

Carlo Graf Bülow kann die Aufregung um sein T-Shirt nicht nachvollziehen. Erstens habe er das gleiche Shirt bereits vor einigen Monaten in einer WDR-Sendung getragen, damals habe es keine Probleme gegeben, schreibt er in einer Stellungnahme auf seiner Facebook-Seite: "Wie kommt es, dass jetzt nach anderen Maßstäben entschieden wird, bloß weil einige Zuschauer über die sozialen Medien ihren Unmut äußern?"

Stellungnahme: Liebe ARD-/ WDR-Redaktion, ich war heute, am 13. August bei Ihnen in der Sendung „Live nach Neun“ zu...

Gepostet von Carlo Graf Bülow am Montag, 13. August 2018

Außerdem sei das T-Shirt nicht in erster Linie politisch, sondern eher humorvoll gemeint. Der Spruch bezieht sich auf die Aussage eines Polizisten im Prozess gegen den Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet, Jan Gorkow, der den antifaschistischen Schlachtruf "Alerta, Alerta Antifascista" irrtümlicherweise mit "Barista, Barisa, Antifascista" wiedergegeben hatte. "Mit diesem Hintergrundwissen ist das Shirt definitiv mit einem großen Augenzwinkern zu sehen und nicht als Statement einer radikalen politischen Haltung", meint Bülow. Er lehne politische Gewalt jedweder Art ab.

Davon ließ sich schließlich im vorerst letzten Akt dieser Posse auch der WDR überzeugen. Der Sender entschloss sich zur Rolle rückwärts und hob seine Selbstzensur wieder auf: Der Ausschnitt mit dem Auftritt des Baristas ist wieder in der Mediathek verfügbar. "Die Löschung war ein Fehler, den wir bedauern", schreibt die Redaktion auf Facebook.

Kaffee-Mythen: Entwässert Kaffee wirklich? 5 Fakten zum Lieblingsgetränk der Deutschen
Themen in diesem Artikel