Von den Opiumkriegen im 19. Jahrhundert bis heute: Der ARTE-Dreiteiler "Die Geschichte Chinas" (2023) bezieht sich zu weiten Teilen vor allem auf die wechselvolle Beziehung Chinas zu den Ländern der westlichen Welt. China war in den vergangenen Jahrhunderten in Technik und Wissenschaft dem Westen der sogenannten "Barbaren" weit voraus und sah sich moralisch überlegen. China hatte die Stahlgewinnung, die Papierherstellung, den Buchdruck, das Porzellan und das Schwarzpulver erfunden. Die Unkenntnisse beider Seiten voneinander weckten Neugierde und Interesse, Handelsbeziehungen lösten schließlich Kriege aus – und prägten Perioden des Friedens. Den ARTE-Folgen gelingt es, das immense Geschichtsmaterial kulturgeschichtlich wie politisch aktuell aufzufächern.
Als symptomatisch können die Opiumkriege von 1838 bis 1942 und später gelten. Als die Chinesen den für die Engländer wichtigen Teehandel sperrten, schleusten die Engländer große Mengen des bislang nur von Eliten genossenen Opium nach China ein. Den chinesischen Abwehrversuch beantworteten die Engländer mit ihrer Invasion. Demütigende Verträge und schließlich das Ende eines bislang streng abgeriegelten fünftausendjährigen Kaiserreiches folgten nach inneren Aufständen und Revolutionen.
Auch in Teil zwei und drei mit dem Kampf zwischen den kommunistischen Utopien Maos und dem Nationalismus des Diktators Chiang Kai-shek gelingt es der Regisseurin Ilana Navaro und ihrem Koautor Karim Miské, auf fesselnde Weise für hiesige Augen unbekanntes Neuland zu erschließen. Kompetente internationale Historiker helfen dabei. Dass die Fülle der Archivbilder, die Ausschnitte aus Dokumentar- und Spielfilmen bis hin zu Hollywood-Blockbustern nicht immer deckungsgleich mit dem Off-Kommentar zu sehen sind, nimmt man dabei gerne in Kauf.
Die Geschichte Chinas (1/3) – Di. 12.05. – ARTE: 21.10 Uhr