Die Schauspielerin Q'orianka Kilcher (36) hat Klage gegen Regisseur James Cameron (71), The Walt Disney Company und mehrere beteiligte Visual-Effects-Unternehmen eingereicht. Der Vorwurf: Cameron soll die Gesichtszüge der damals 14-jährigen Schauspielerin ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung als Designvorlage für die Figur Neytiri in seiner "Avatar"-Reihe genutzt haben. Das berichtet unter anderem "Variety".
Der Ausgangspunkt liegt Jahrzehnte zurück: Kilcher war als Teenager in der Rolle der Pocahontas in Terrence Malicks Historienfilm "The New World" (2005) zu sehen. Ein Foto der damals 14-Jährigen aus der "Los Angeles Times" soll Cameron als direkte Vorlage für eine frühe Zeichnung Neytiris gedient haben - jener indigenen Na'vi-Kriegerin vom Mond Pandora, die in allen drei "Avatar"-Filmen von Zoë Saldaña (47) verkörpert wird.
Laut Klageschrift wurden Kilchers Gesichtszüge anschließend in Produktionsskizzen übertragen, in dreidimensionale Modelle überführt, lasergescannt und schließlich als Grundlage weitergereicht. Was den Fall juristisch besonders pikant macht: Cameron hat die Verwendung von Kilchers Erscheinungsbild in einem Interview mit dem französischen Magazin "Konbini" aus dem Jahr 2024 selbst öffentlich eingeräumt.
Anlässlich einer Ausstellung seiner Werke in Paris zeigte er die Originalzeichnung und erklärte: "Es gibt eine junge Schauspielerin namens Q'orianka Kilcher, die in 'The New World' die Rolle der Pocahontas gespielt hat. Das hier ist tatsächlich ihr unterer Gesichtsbereich." Dieser Ausschnitt verbreitete sich 2025 viral - und erreichte so auch Kilcher selbst.
Kurze Zeit nach dem Kinostart des ersten "Avatar"-Films im Jahr 2009 hatten sich die beiden bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Hollywood zum ersten Mal getroffen. Cameron lud Kilcher dabei ein, ihn in seinem Büro zu besuchen. Als sie erschien, war der Regisseur nicht vor Ort; ein Mitarbeiter überreichte ihr jedoch einen gerahmten Druck der Neytiri-Zeichnung - versehen mit einer handschriftlichen Notiz Camerons: "Deine Schönheit war meine frühe Inspiration für Neytiri. Schade, dass du gerade einen anderen Film gedreht hast. Nächstes Mal."
Zwischen Schmeichelei und Schock
Kilcher selbst schildert in der Klageschrift, dass sie diese Geste seinerzeit als persönlichen Ausdruck der Wertschätzung verstanden habe. Dass ihr Gesicht tatsächlich systematisch in einen industriellen Produktionsprozess eingeflossen sein soll, sei ihr erst durch das viral gegangene Interview-Video bewusst geworden. "Es ist zutiefst beunruhigend zu erfahren, dass mein Gesicht als 14-jähriges Mädchen ohne mein Wissen oder meine Zustimmung verwendet wurde, um ein kommerzielles Produkt zu schaffen, das für Disney und Cameron einen enormen Wert generiert hat", sagte Kilcher laut "Variety".
Ihr Anwalt formuliert den Vorwurf noch deutlicher: "Was Cameron getan hat, war keine Inspiration, sondern Ausbeutung. Er hat die einzigartigen biometrischen Gesichtsmerkmale eines 14-jährigen indigenen Mädchens genommen, sie einem industriellen Produktionsprozess unterzogen und damit Milliarden von Dollar Gewinn erzielt, ohne sie auch nur ein einziges Mal um Erlaubnis zu bitten. Das ist kein Filmemachen. Das ist Diebstahl."
Zieht sogar ein Deepfake-Porno-Paragraf?
Die Klageschrift geht über klassische Persönlichkeitsrechtsverletzungen hinaus. Kilchers Anwälte berufen sich unter anderem auf einen neu eingeführten Paragrafen gegen Deepfake-Pornografie im kalifornischen Zivilrecht. Begründung: In "Avatar" gibt es eine Intimszene zwischen Neytiri und Jake Sully (Sam Worthington, 49), in der Kilchers Gesichtszüge erkennbar sein sollen.
Der erste "Avatar"-Film spielte knapp drei Milliarden US-Dollar ein und ist damit der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten. Die beiden Fortsetzungen "The Way of Water" und "Avatar: Fire and Ash" erweiterten das Franchise-Ergebnis um weitere Milliarden. Kilchers Klage zielt auf Schadenersatz, die Abschöpfung aller aus der Nutzung ihres Bildnisses erzielten Gewinne sowie auf Unterlassung ab. Darüber hinaus fordert sie eine korrigierende öffentliche Bekanntmachung. Cameron, Disney und die weiteren Beklagten haben sich bislang auf Anfragen mehrerer US-Medien nicht zu den Vorwürfen geäußert.