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Aussage im Mordprozess: Jennifer Hudsons schwerste Stunde

Unter Tränen sagte Jennifer Hudson in Chicago als Zeugin vor Gericht aus. Und schilderte, wie sie ihre Schwester schon früh vor dem mutmaßlichen Dreifachmörder William Balfour gewarnt hatte.

Von Frank Siering, Los Angeles

Mein Name ist Jennifer Kate Hudson. Ich bin Schauspielerin und Sängerin." – So stellte sich die 30-Jährige am Montag in Chicago dem Richter und den Geschworenen im Cook Country Criminal Courthouse vor. Diesmal war es keine Rolle, die der "Dreamgirls"-Star ausfüllen musste. Diesmal filmten keine Kameras. Es war der bitterernste Auftritt einer Zeugin im realen Mordprozess gegen ihren ehemaligen Schwager, William Balfour.

Der muss sich seit gestern wegen Mordes an der Mutter von Jennifer, ihrem Bruder und dem siebenjährigen Neffen vor dem Strafgericht verantworten.

Vor dreieinhalb Jahren soll Balfour in einem Anfall von Eifersucht und Wahn die halbe Familie Hudsons ausradiert haben. Die Tat soll durch die Vermutung Balfours ausgelöst worden sein, dass es einen anderen Mann im Leben von Jennifers Schwester Julia Hudson gegeben hat. Er sei deshalb "total ausgerastet".

Balfour plädiert auf "nicht schuldig"

Balfour selbst hat auf "nicht schuldig" plädiert. Balfours Anwältin Amy Thompson sagte während ihres Eröffnungsplädoyers, dass "Balfours DNA weder auf der Mordwaffe noch im Inneren des Wagens waren, in dem der tote Neffe gefunden wurde". Sie führte weiter aus, dass die Polizei in Chicago ob der Verbindung zu Jennifer Hudson "zu schnell zu Schlussfolgerungen gekommen und deshalb den falschen Mann festgenommen habe".

Sie deutete auch an, dass die kriminelle Vergangenheit von Jennifer Hudsons Bruder Jason möglicherweise etwas mit den Mordanschlägen zu tun gehabt haben könnte. Er war bei seinen Aktivitäten als Drogenhändler zuvor schon zweimal angeschossen worden.

Dem hielt Cook Country Staatsanwalt Veryl Gambino entgegen, Balfour habe nur einen Tag vor der brutalen Tat gedroht, die gesamte Familie umzubringen, sollte Julia Hudson ihre Ankündigung wahr machen und ihn tatsächlich verlassen. Wörtlich soll er gesagt haben: "Wenn du mich jemals verlässt, werde ich dich umbringen – aber erst bringe ich deine Familie um." Dies, so Gambino, seien "nicht nur leere Worthülsen, sondern ernstzunehmende Drohungen gewesen. Tödliche Drohungen", so Gambino.

Mit tränenerstickter Stimme erzählte Hudson vor Gericht, wie sie ihre Schwester vor Balfour gewarnt habe: "Keinem von uns, meiner Mutter, mir oder meinem Bruder gefiel, wie er sie behandelt hat", so die Oscar-Gewinnerin. Und nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: "Und auch wie er mit meinem Neffen umging, das war nicht in Ordnung." Immer wieder musste die 30-Jährige kurz innehalten, um sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen.

"Ich wusste, dass etwas nicht stimmt, als ich keine SMS von meiner Mutter auf meinem Telefon sah", so Hudson vor den zwölf Geschworenen über den Tag, an dem sie herausfand, dass ihre Mutter tot war.

Hudsons 57-jährige Mutter Darnell und ihr damals 29 Jahre alter Bruder Jason lagen zu diesem Zeitpunkt schon erschossen im Haus der Familie. Julian, ein Junge, den Jennifers Schwester aus einer anderen Beziehung mit in die Ehe gebracht hatte, war zunächst spurlos verschwunden. Seine Leiche wurde erst drei Tage später in einem verlassenen Auto gefunden. Der Siebenjährige war durch einen Kopfschuss getötet worden.

Ohne forensische Beweismittel keine Verurteilung

Balfour hörte sich die Ausführungen seiner berühmten Ex-Schwägerin mit einem stoischen Ausdruck im Gesicht an. Die Taktik der Verteidigung in diesem Mordprozess wurde schnell deutlich: Ohne forensische Beweismittel könne William Balfour nicht verurteilt werden, so die Verteidigung.

Doch die emotionale Aussage von Jennifer Hudson könnte die Geschworenen schon am ersten Verhandlungstag stark beeinflusst haben. "Ich habe mich immer von ihm ferngehalten", so Hudson. "Wenn er (Balfour) irgendwo auftauchte, versuchte ich, nicht dort zu sein", sagte sie weiter.

Mit im Gerichtssaal war David Otunga, der Verlobte von Jennifer Hudson. Der WWE-Wrestler, mit dem Hudson einen zweijährigen Sohn hat, kritzelte immer wieder Notizen in ein kleines, schwarzes Buch. Diverse andere Familienmitglieder waren ebenfalls nach Chicago gereist, um Jennifer und ihrer Schwester moralische Unterstützung zu leisten.

Jennifer Hudson, sie wuchs im Ghetto von Chicago auf, hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass ihr Verlobter ihr Schutzengel sei. "Er hat mir das Leben gerettet. Ich hätte zur Tatzeit auch bei meiner Mama sein können", so Hudson gegenüber dem Magazin "Ebony". Zur Mordzeit war Hudson mit Otunga in Florida.