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"Rent a Rock Star": Ständchen für 1,5 Millionen Dollar

Mick Jagger für ein Geburtstagsständchen. Christina Aguilera zum Betriebsfest. George Michael für eine Weihnachtsfeier. Privatleute können Superstars für ein paar schlappe Millionen Dollar mieten. "Rent a Rock Star" heißt der Spaß. Doch nicht jeder findet ihn lustig.

Von Frank Siering

Los Angeles. Mick Jagger und seine Rolling Stones füllen normalerweise riesige Fußballstadien. Christina Aguilera spielt nur noch in Konzerthallen auf, die mindestens 1000 Gästen Platz bieten. Und George Michael hat immerhin schon die Queen of England höchstpersönlich mit seinen Liedern beglückt. Jetzt aber gibt es den Jagger für ein gewöhnliches Geburtstagsständchen? Die Aguilera zum Betriebsfest? George Michael für eine Weihnachtsfeier in Russland? Genau so ist es. Prominente Barden lassen sich in diesen Tagen gerne mal für interne Events engagieren. Die Los Angeles Times nennt das "Rent a Rock Star" - leih dir einen Rockstar aus.

Megastar zum Geburtstagsständchen

Der Megastar zum Geburtstagsständchen hat allerdings seinen Preis. So kassierte Michael für ein Ständchen für den Minen-Magnaten Vladimir Potanin in einer Stunde satte drei Millionen Dollar. Eine Summe, die die verebbten Geldquellen von "WC-George", wie er in den USA ob seiner prominenten Bad-Begegnungen gerne gerufen wird, wieder sprudeln lässt. Christina Aquilera für eine Hochzeitszeremonie? Kein Problem, wenn das frisch vermählte Paar oder der Schwiegerpapa 1,5 Millionen Dollar für eine Stunde locker machen kann. Selbst Oscar-Gewinner Robin Williams lässt sich gerne für einen Privatauftritt - wie unlängst bei einer Geburtstagsfeier von Bauunternehmer Joe Hardy - engagieren. Der Lohn für 45 Minuten Komik: eine Million Dollar.

Attraktive Dollars

Robert Norman leitet die Corporate und Private-Event-Division bei der renommierten Talentagentur CAA (Creative Artists Agency). Er hat allein im vergangenen Jahr mehr als 500 Ereignisse betreut, bei denen Grammy-Gewinner und weitere Superstars von Privatleuten angeheuert wurden. "Von Seal über Hall & Oates bis hin zu Styx und den Go-Gos oder auch Rapper 50 Cent. Die Kunden geben für jede Musikrichtung viele Dollars aus", so Norman. Der Promi-Vermittler über seine Kunden: "Sie haben das Geld, und sie wollen sich einen Traum erfüllen. Oder einfach nur die Ehefrau glücklich machen, die sich gerne die Rolling Stones zum Ständchen wünscht. Heute ist fast alles machbar. Der Dollar hat eine unglaubliche Anziehungskraft."

Ausnahmen in der Minderheit

Es gibt allerdings Ausnahmen. U2 lässt sich auf Privataudienzen genauso wenig ein wie Bruce Springsteen. "Aber die Ausnahmen sind klar in der Minderheit", fügt Norman hinzu. Jim Guerinot ist der Manager von Gwen Stefani und den Nine Inch Nails. Seine Meinung zu diesem Thema: "Hey, es ist quick cash in the Täsch für die Künstler, warum also nicht?"

Zurückzuführen sind diese "Millionen-Villa-Konzerte", wie die "Los Angeles Times" die Veranstaltungen taufte, auf die Unternehmensstrategien der frühen 90er Jahre. Große Firmen wie Pepsi, Microsoft, Apple oder IBM sahen im Engagement von Rock-Bands einen neuen Ansatz, das Unternehmen "hipper" zu machen.

Grandioses Company-Picknick

Unter den Musikern selbst bleibt dieser "kapitalistische Ausverkauf" nicht unkommentiert. Als Sammy Hagar (Van Halen) davon erfuhr, dass ausgerechnet Alt-68er Bob Dylan für eine Silicon Valley-Firma vors Mikrofon trat, konnte er nicht länger an sich halten. "Wir haben uns alle immer lustig gemacht über Typen wie Huey Lewis, die sich für Betriebsfeiern hergaben, das gehört einfach nicht zum Image eines echten Rock'n'Rollers." Der Rocker for Rent ist ein weltweites Phänomen. Ob nun Joe Cocker einer Braut auf einer Bergspitze "You are so beautiful" zuflüstert, oder die Beach Boys in New York bei einer Pool-Party "California Girls" singen. Nichts scheint unmöglich. Größtes privates Rock-Picknick bisher? Im September vergangenen Jahres engagierte die Firma Genentech Bob Dylan, The Eagles, The Foo Fighters und die Black Eyed Peas, um die Angestellten beim 30-jährigen Betriebsjubiläum zu unterhalten. "Die Band mit den am meisten verkauften Platten in den USA, ein Sprecher einer ganzen Generation und zwei Platinum-Acts an einem Abend für ein Company-Picknick, das ist schon grandios", titelte selbst das Rolling Stone Magazine.