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"Surviving R. Kelly": Doku über R. Kelly schockt mit Details. Zurück bleibt Wut – und eine traurige Erkenntnis

Über diese Dokumentation wird gerade viel gesprochen, jetzt können Zuschauer "Surviving R. Kelly" auch in Deutschland sehen. Die erste Folge zeigt: Niemand hätte Opfer des Sängers werden müssen.

"Surviving R. Kelly": R. Kelly und sein Anwalt

R. Kelly und sein Anwalt Steve Greenberg

Picture Alliance

Die neue Dokumentation "Surviving R. Kelly" tut das, was sich viele Menschen seit vielen Jahren wünschen: Sie lässt die vermeintlichen Opfer des Musikers zu Wort kommen. Allesamt Frauen, die Kelly kennen lernten, als sie minderjährig waren. Zwölf, 14, 17 – kaum eine war über 18, als sie zum ersten Mal in Kontakt mit Kelly kam.

"Surviving R. Kelly": Erste Folge mit schockierenden Details über den Sänger

Über die schockierenden Details der Doku wird seit einigen Monaten in der öffentlichen Berichterstattung gesprochen. Die Vehemenz, mit der die Wahrheit nun endlich ans Licht gebracht werden soll, hat dazu geführt, dass Kelly zur Rechenschaft gebracht werden könnte. Am Freitag vergangener Woche wurde der Musiker wegen sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen über zwölf Jahre hinweg mit teils minderjährigen Opfern angeklagt. Er plädierte auf nicht schuldig. Am Montag kam Kelly gegen Kaution frei. Zwei Videos, die der Anwalt Michael Avenatti vorgelegt hatte, sollen zeigen, wie sich Kelly an einem 14-jährigen Mädchen vergeht. 

In der ersten Folge von "Surviving R. Kelly" gehen die Macher zurück in die 70er Jahre. Nach Chicago, dorthin, wo Kelly aufgewachsen ist. Sie zeigen Interviewausschnitte, in denen der erwachsene Kelly darüber spricht, als Kind sexuell missbraucht worden zu sein. Eine Psychologin ordnet anschließend ein, dass ein solches Ereignis häufig dazu führt, später selbst zum Täter zu werden. 

Jagdgebiet High School

Außerdem wird Kellys High-School-Zeit thematisiert. Schulisch eher unerfolgreich, war er im Chor eines der größten Talente. Seine ehemalige Chor-Lehrerin wird interviewt. Sie lehrte schon Größen wie Jennifer Hudson und Chaka Khan. Später, in den 90er Jahren, kehrte R. Kelly immer wieder an die High School zurück. "R. Kelly ist hier", wurde dann durch die Hallen geraunt. Und er, der aufstrebende R'n'B-Superstar, nahm in der Schule gezielt Kontakt zu kleinen Mädchen auf. Die Background-Sängerin Jovante Cunningham lernte Kelly kennen, als sie gerade mal 14 Jahre alt war. Sie war auch dabei, als die damals zwölfjährige Sängerin Aaliyah Kellys Protegée wurde.

"Surviving R. Kelly" Jovante Cunningham

Jovante Cunningham ist eine der Frauen, die in "Surviving R. Kelly" zu Wort kommen

Sein Protegée war sie aber nur in der Öffentlichkeit. Was hinter verschlossenen Türen passierte, bekamen nur wenige mit. Cunningham beschreibt in der Doku, wie sie Kelly und Aaliyah beim Sex erwischte. "Es sah aus wie etwas, das ein Erwachsener nicht mit einem Kind machen sollte", erinnert sie sich. Als Kelly 27 war, heiratete er schließlich die 15-Jährige, die Ehe wurde wenige Monate später annulliert. 

Endlich bekommen die Opfer Gehör

Dass R. Kelly sich an Minderjährigen vergehen solle, sie teilweise halten solle wie Sexsklavinnen und seine Macht missbrauche, steht seit mehreren Jahrzehnten im Raum. Die Hoffnung ist groß, dass er jetzt auch endlich dafür belangt wird. Und diejenigen, die all das mit ermöglicht haben, gleich dazu. Die traurige Erkenntnis der Dokumentation ist jedoch: All das hätte bereits Anfang der 90er Jahre verhindert werden können. 

Denn dass ein erwachsener Mann seine Freizeit in einer High School verbringt, hätte das erste Warnzeichen sein müssen. Dass er dort Mädchen anlockte, sich mit ihnen traf, ihnen Versprechungen machte, das zweite. Der Grund, warum es so lange gedauert hat, seinen vermeintlichen Opfern Gehör zu schenken, erklärt die Autorin Mikki Kendall in "Surviving R. Kelly": "Wir haben es alle gemerkt. Aber es war allen egal, weil wir schwarze Mädchen waren", sagt sie. 

Die sechsteilige Doku "Surviving R. Kelly" wird vom 18. bis 20. Mai 2019 auf dem Sender A&E gezeigt. Die erste Folge "Aufstieg" ist schon jetzt auf der Website des Senders zu sehen.

ls
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