50 Jahre Schlümpfe Feiern bis zum Blauwerden


Alt sind sie geworden, aber ihre blaue Farbe ist kein bisschen verblasst. Die Schlümpfe feiern in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Da ließ es sich selbst ihr ärgster Feind, der Zauberer Gargamel, nicht nehmen, alles Gute zu wünschen.
Von Stephanie Souron

Liebe Schlümpfe, Herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag - auch von mir. Wir haben uns in der Vergangenheit nicht sonderlich gut verstanden. Das mag daran liegen, dass die Lieblingsspeise meines Katers Azrael Schlumpf-Fleisch ist. Gerne hätte ich ihm diesen Leckerbissen zumindest ein Mal in den letzten 50 Jahren vorgesetzt. War aber nichts. Wie oft habt ihr schon in meinem Netz gezappelt oder zwischen meinen Fingern, doch immer wieder seid ihr mir entwischt. Unser belgischer Zeichner Peyo alias Pierre Culliford scheint euch mehr gemocht zu haben als mich, den Hexenmeister Gargamel.

Knallblau hat er euch angemalt, weil er euch den Menschen möglichst unähnlich zeichnen wollte. Zuerst hatte er an die Farbe grün gedacht, aber weil ihr euch anfangs immer in den Blättern der Bäume versteckt habt, "wären grüne Schlümpfe im Dekor verloren gegangen", sagte er. Fragt sich nur, warum ich dann in so einem jämmerlichen schwarzen Mantel durch die Comics rennen muss. Ihr seid so groß wie drei übereinander gestapelte Äpfel und jeder von euch ist genau 100 Jahre alt. Ihr altert nicht, obwohl ihr ständig wilde Partys feiert. Wahrscheinlich, weil es dort weder Alkohol noch Zigaretten gibt.

Ihr tragt weiße Hosen und weiße Mützen, die ihr weder beim Schwimmen ablegt noch beim Schlafen - was die Vermutung nahe legt, dass alle Schlümpfe glatzköpfig sind. Von euch gibt es genau 100 und ihr seht alle gleich aus. Nein halt: Papa Schlumpf, der Allmächtige, trägt eine rote Mütze und einen weißen Rauschebart und Schlumpfine, die einzige Frau unter Euch, langes blondes Haar.

Die Liebe zu Schlumpfine blieb stets platonisch

Das Mädel hab' ich euch übrigens auf den Hals gehetzt. Als böses Geschöpf habe ich sie damals erfunden und nach Schlumpfhausen eingeschleust, damit sie euch den Kopf verdreht - und ich euch endlich mit meinem Netz einfangen kann. Aber Papa Schlumpf, der immer für alles eine Lösung hat, verwandelte Schlumpfine in ein gutes Geschöpf. Nur wenn man sie beleidigt, rastet sie gerne aus. Im Grunde stet ihr alle auf sie, doch weil es in eurer Welt keinen Sex gibt, blieb die Liebe stets platonisch.

Auch Kriminalität und Drogen existieren in Schlumpfhausen nicht. Wenn man einmal von diesem Kraut namens Sarsaparilla absieht, von dem ihr nicht genug kriegen könnt. Es ist eure Leibspeise, und Papa Schlumpf mixt daraus Salben, Tränke und sogar Arznei. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb die Schlümpfe immer gut gelaunt sind. Oder es liegt daran, dass es in eurer Welt kein Geld gibt, um das man sich streiten könnte. Auch keine Zeitungen, die schlechte Nachrichten verbreiten, kein Fernsehen und keine Videospiele. Ein paar Mal hat Peyo versucht, die Laster der Menschen in eure Welt zu tragen. Da ging es in den Geschichten um Geld und um Spielsucht. Aber ihr habt dem widerstanden und stattdessen lieber gekocht, gebastelt und die nächste Party geplant. Im Grunde seid ihr seit 50 Jahren Spielkinder.

Auf schlumpfisch klingt alles viel netter

Ursprünglich hatte Peyo für euch nur eine Nebenrolle vorgesehen. Im neunten Band des belgischen Comics "Johan et Pirlouit", der im Mittelalter spielt, erhebt sich beim Umblättern einer Seite plötzlich eine leise Stimme. "Kannst Du nicht gucken, wo Du hinschlumpfst? Du hättest mich fast geschlumpft", beschwert sich einer von euch blauhäutigen Zwergen in "La flute à six schtroumpfs". Was für eine idiotische Sprache ist das überhaupt? Einfach Nomen und Verben durch "schlumpfen" zu ersetzen, das versteht ja kein Mensch. Man muss schon sehr genau auf euren Gesichtsausdruck achten, wenn man wissen möchte, was ihr mit diesen schlumpfigen Sätzen sagen wollt.

Im belgischen Original heißt ihr übrigens "Schtroumpfs". Ihr werdet nicht glauben, wie das entstanden ist: Peyo saß mit einem Kumpel in einem Bistro, wahrscheinlich hatten sie schon einige Flaschen Rotwein intus. Peyo wollte sein Essen nachwürzen und verlangte nach dem Salzstreuer. Aber der Name "Salzstreuer", der auf französisch "Salière" heißt, wollte ihm in diesem Moment partout nicht einfallen. Und da sagt er halt: "Gib mir mal bitte diesen Schtroumpf." Und sein Kumpel antwortete ohne lange nachzudenken. "Kein Problem, ich schtroumpf ihn Dir." Tja, da staunt ihr Schlümpfe, was? Ohne die paar Flaschen Rotwein wärt ihr womöglich stumm geblieben. Und wer weiß, ob ihr dann so einen großen Erfolg gehabt hättet.

In jenem ersten Comic, der 1969 unter dem Namen "Die Schlümpfe und die Zauberflöte" in Deutschland erschien, benötigt der Held Pirlouit, der in Deutschland Pfiffikus heißt, eure Hilfe. Er braucht unbedingt eine Zauberflöte für den König - und nur ihr habt die Gabe, eine solche herzustellen. Dass ihr noch zu ganz anderen Dingen fähig seid, hat damals niemand geahnt. Mal abgesehen von Papa Schlumpf, der neben Physik, Ökonomie und Alchemie so ziemlich alles kann, besitzt jeder von euch eine besondere Gabe. Der Musikschlumpf beherrscht nahezu jedes Instrument, der Handwerker-Schlumpf kann alles reparieren und der Tortenschlumpf backt die besten Kuchen. Und alle zusammen baut ihr ständig an diesem Damm herum, der den Wasserstand im Schlumpffluss kontrolliert. Nein, langweilig wird es euch wahrlich nie.

Die Schlümpfe laufen zur besten Sendezeit im Fernsehen

1975 haben unsere Bilder sogar laufen gelernt. "Die Schlümpfe und die Zauberflöte" hieß der erste abendfüllende Spielfilm. Später hat der amerikanische Sender NBC zusammen mit Peyo auch Zeichentrickserien mit euch produziert - und erreichte damit Einschaltquoten von bis zu 42 Prozent. Heute kennt euch fast jedes Kind auf der Welt. Egal ob ihr "Pitufos" heißt wie in Spanien oder "Strumparnir" wie in Island: Eure blaue Farbe und diese blöden Mützen machen euch unverwechselbar.

Drei Jahre nach dem Film allerdings kommt großes Unglück über euch: Der unsägliche Holländer Petrus Kartner, besser bekannt als Vader Abraham versucht seine Karriere mit absurden Schlumpfliedern wieder in Schwung zu bringen. Mit "Sagt mal wo kommt ihr denn her? Aus Schlumpfhausen, bitte sehr", singt er sich sogar in die Charts. Und 30 Jahre später tanzen dazu noch die Menschen in Diskotheken.

Ich muss gestehen, ich bin ein wenig neidisch auf euren Erfolg. Man nennt euch Smurf, Strunf, Puffo, Sumafu, Lan-Shing-Ling oder Torpikeks, es gibt Vergnügungsparks mit Schlümpfen und rund 3000 Merchandising-Produkte. Allein von diesen kleinen Plastikfiguren existieren rund 500 verschiedene, die weltweit 300 Millionen Mal verkauft wurden. Und ich, der böse Gargamel, spiele immer nur den fiesen Deppen. Sogar der Bonbonhersteller "Haribo" hat mich vergessen, als er euch in essbares Gummi verwandelte. Was für ein Coup! Bis heute seid ihr das einzige blau-gefärbte Geleebonbon des Gummibärchen-Herstellers. 6,5 Milliarden Haribo-Schlümpfe haben Kinder schon geschluckt. Und keinen einzigen Gargamel. 1992 ist unser Zeichner Peyo gestorben. Seither schreibt seine Witwe Nine und sein Sohn unsere Geschichte fort. Man kann sich sicher sein, dass zu den bisher weltweit verkauften 25 Millionen Alben noch einige hinzu kommen werden. Vielleicht kriege ich euch darin dann endlich mal zu fassen.

Herzlichst, Euer Gargamel


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