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Instagram-Posting "Weiße Frauen im Pop": Adele postet Bikini-Foto und erntet Shitstorm

Sehen Sie im Video: Nach Shitstorm gegen die Sängerin – Tom Hanks' Sohn wendet sich mit Video an Adele.
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Nun hat es auch Adele erwischt: Die Sängerin wollte mit einem Posting an den Notting Hill Carnival erinnern, sieht sich nun aber mit Vorwürfen der "cultural appropriation" konfrontiert. Worum geht es dabei?

Seit mehr als 60 Jahren feiern vorwiegend karibische und afrikanische Einwanderer am letzten Augustwochenende auf den Straßen Londons: Der Notting Hill Carnival musste in diesem Jahr coronabedingt online stattfinden. Die gebürtige Londonerin Adele wollte daran erinnern - und postete ein Foto auf Instagram. Damit löste sie jedoch einen Shitstorm aus.

Der Grund: Die 32-Jährige präsentierte sich in einem Bikini-Oberteil, das die Nationalflagge Jamaikas zeigt, sowie mit zu sogenannten Bantu Knots geknoteten Haaren. Viele User warfen ihr vor, sie betreibe "cultural appropriation", also die Aneignung anderer Kulturen. Nach ihrer Meinung dürfen nur Afrikaner diese Frisur tragen. Bantu ist der Überbegriff für mehr als 400 verschiedene Ethnien in Zentral-, Süd-, und Ostafrika, die alle Bantusprachen sprechen.

Entsprechend heftig fielen die Reaktionen auf das Foto aus. "Sie sollte dafür ohne Bewährung ins Gefängnis", schrieb eine Userin. Andere warfen ihr vor, "unsensibel" zu sein. "Als ob 2020 nicht schon verrückt genug wäre, gibt uns Adele Bantu Knots und kulturelle Aneignung, um die niemand gebeten hat", schrieb der Journalist Ernest Owens auf Twitter. Und versuchte, eine generelle Debatte aufzumachen: "Das markiert nun offiziell alle weißen Frauen im Pop als problematisch."

Adele bekommt auch Unterstützung

Andere Follower sprangen Adele bei: "Offenbar besitzen sie jetzt auch Frisuren", schrieb ein User mit Blick auf die Kritiker. Andere brachten die zuletzt viel zitierte "Cancel Culture" ins Spiel, mit der bestimmte Leute einfach mundtot gemacht werden sollen.

Dem Konzept der "cultural appropriation" zufolge sind kulturelle Praktiken und Güter mit bestimmen Identitäten verknüpft und dürfen deswegen nicht von Mitgliedern anderer Kulturen übernommen werden. In dem konkreten Fall dürften demnach Bantu Knots ausschließlich von Afrikanern oder ihren Nachkommen getragen werden.

Eine hochumstrittene Denkweise, der Kritiker entgegenhalten, das Wesen von Kultur sei gerade, dass sie grenzenlos sei und überall Inspiration suchen - frei von Rassen-, Klassen- oder Staatengrenzen. Shakespeare und Goethe, die Beatles und die Rolling Stones, auch die gesamten Rap-Kultur wäre ohne "cultural appropriation" nicht möglich. Sie alle haben sich von anderen Kulturen beeinflussen lassen und sich fremder Techniken bedient.

Der Streit um Adeles Frisur wird so schnell nicht beigelegt werden. Doch viele User wiesen auf einen ganz anderen Aspekt hin, der bei der ganzen Aufregung etwas unter den Tisch fiel: Die Sängerin hat nach ihrer radikalen Gewichtsabnahme erstmals ein Bikini-Foto gepostet. Vielleicht habe sie mit dem Jamaika-Bikini einfach nur darauf hinweisen wollen. 

che

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