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Rapper: Kollegah erntet heftige Kritik für Palästina-Doku

Mit einer Doku über seine Reise in die palästinensischen Autonomiegebiete sorgt Rapper Kollegah für viel Aufmerksamkeit. Doch nicht jeder findet den Film gut. Rap-Pate Marcus Staiger nimmt das Werk gründlich auseinander.

Rapper Kollegah in Palästina

Rapper Kollegah in Palästina

"Nutte, du sprichst mit dem King / Der die Scheines stapelt / Rapper zerf*** und dann ihre Weiber nagelt / Den in Sachen Punchlines keiner schlägt, als sei er Abel": Normalerweise sorgt Rapper Kollegah mit deftig-expliziten Lyrics wie diesen für Aufmerksamkeit. Doch der gebürtige Hesse ist nun anders in Erscheinung getreten: Der 32-Jährige hat am Dienstag auf Youtube eine Doku mit dem Titel "Kollegah in Palästina" veröffentlicht, die von seiner Reise in die palästinensischen Autonomiegebiete berichtet. Innerhalb von drei Tagen sahen den 77-minütigen Film mehr als 850.000 Menschen - eine mehr als beachtliche Zahl. Das Feedback war fast einhellig positiv. Selbst sein Intimfeind Fler zollte ihm auf Facebook Respekt und postete dort das Video.

In dem Film macht sich der Musiker, der mit bürgerlichem Namen Felix Blume heißt, ein Bild über die Lage der Palästinenser. Er reist entlang der Mauer, die Israel von Palästina trennt, besucht Ramallah. Dort interessiert er sich besonders für die Lebenssituation der Menschen im Flüchtlingslager Al-Amari und unterstützt eine Schule.

Kritik an Kollegah

Eigentlich eine tolle Sache, gegen die man erst einmal nichts sagen kann. Dennoch gibt es heftige Schelte für den Film. Sie kommt von Marcus Staiger, der mit seinem Label Royal Bunker wichtigster Wegbereiter des Berliner Gangsta-Rap ist. Staigers Kritik ist fundamental und vielschichtig. In einem Artikel für das Online-Magazin "Noisey" spricht er von einer "sogenannten Dokumentation", die in Wahrheit ein Porträt sei über den Anpacker: "Da, wo andere labern, packt der Boss einfach mal an und zieht durch." Zudem unsterstellt Staiger dem Rapper, er habe kein wirkliches Interesse, keine Empathie mit den Palästinensern: "Kolle kommt, weiß Bescheid und macht die Sachen klar".

Der Journalist und frühere Labelbetreiber stößt sich vor allem an der Art, wie Kollegah seine Hilfe inszeniert und nennt das "Flüchtlingshilfe 1950": "Der weiße Mann packt an und die lila Scheine aus, fährt los und regelt das."

Zwar kommt auch Staiger nicht umhin, grundsätzlich die konkret geleistete Hilfe zu würdigen, so stößt er sich - nicht ganz zu Unrecht - an der Selbstinszenierung der Rappers.

Sehnsucht nach einem starken Mann

Allerdings übertreibt er seine Abrechnung am Schluss des Textes. Nachdem er Kollegahs neues Video "Hardcore" gesehen hat, schlussfolgert er, der Rapper entspreche "der Wunschvorstellung jener Enttäuschten Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die sich weltweit derzeit mal wieder nach einem starken Mann sehnen."

Damit schießt Staiger jedoch deutlich übers Ziel hinaus. Ob sich die Deutschen wirklich nach einem Führer sehnen, der wie Kollegah zum Islam konvertiert ist?