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Todesfall am Filmset Staatsanwältin schließt Strafverfahren gegen Alec Baldwin nicht aus

Todesfall am Filmset: Staatsanwältin schließt Strafverfahren gegen Alec Baldwin nicht aus
Sehen Sie im Video: Tödliche Schüsse an Filmset – Waffe von Alec Baldwin nicht ordnungsgemäß überprüft.




Die Waffe, die der US-Schauspieler Alec Baldwin vergangene Woche an einem Filmset in New Mexico abfeuerte, dabei die Kamerafrau Halyna Hutchins tötete und den Regisseur Joel Souza verletzte, ist nach Angaben der Behörden und laut einer neuen Akte des Gerichts nicht ordnungsgemäß überprüft worden. Der Sheriff des Santa Fe Countys Adan Mendoza sagte am Mittwoch, Baldwin habe eine Colt-Pistole des Kalibers 45 abgefeuert, die mit einem scharfen Bleigeschoss geladen war, und fügte hinzu, dass die Filmemacher im Hinblick auf die Sicherheit am Set nachlässig gewesen seien. "Das Bleigeschoss, das abgefeuert wurde, wurde aus der Schulter von Herrn Souza entfernt. Wir gehen davon aus, dass diese Kugel aus der Waffe stammt, die Herr Baldwin abgefeuert hat." Souza wurde bei dem Vorfall verletzt. Hutchins erlag den Schussverletzungen. Mendoza und Bezirksstaatsanwältin Mary Carmack-Altwies sagten, dass bisher niemand angeklagt worden sei, aber alle Optionen auf dem Tisch lägen und niemand bei den Untersuchungen ausgeschlossen werde. Hannah Gutierrez, das für die Schusswaffen zuständige Crewmitglied, sagte den Gerichtsakten zufolge, dass die Waffe vor der Übung überprüft worden sei und keine scharfen Patronen enthalten habe. Regieassistent Dave Halls gab laut dem Protokoll hingegen gegenüber der Polizei an, er habe nicht alle Kugeln in der Trommel des Revolvers kontrolliert. Bei der Durchsuchung wurden Hunderte Beweisstücke gefunden. "Drei Feuerwaffen, ungefähr 500 Schuss Munition und mehrere Kleidungsstücke und Accessoires." Baldwin, der sich bei den Ermittlungen kooperativ zeigte, hatte das Ziehen der Waffe geübt und sie dann auf eine Kamera gerichtet. Dass er dabei scharfe Munition abfeuerte, war ihm vermutlich nicht bewusst.
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Knapp eine Woche nach dem tödlichen Schuss am Filmset von US-Star Alec Baldwin stellt die Polizei klar: Die Waffe enthielt scharfe Munition. Die Staatsanwaltschaft schließt eine spätere Anklage nicht aus.

Nach dem tödlichen Schuss auf die Kamerafrau Halyna Hutchins hat die zuständige Staatsanwältin ein Strafverfahren gegen US-Schauspieler Alec Baldwin nicht ausgeschlossen. "Alle Optionen liegen derzeit auf dem Tisch", sagte Mary Carmack-Altwies am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Santa Fe im Bundesstaat New Mexico. Eine Entscheidung über eine mögliche Anklageerhebung werde aber erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Dies betreffe nicht nur Baldwin: "Zum jetzigen Zeitpunkt schließen wir niemanden aus", betonte die Staatsanwältin.

Alec Baldwin am Filmset von "Rust", bei dem die Kamerafrau Halyna Hutchins versehentlich erschossen wurde
Alec Baldwin am Filmset von "Rust", bei dem die Kamerafrau Halyna Hutchins versehentlich erschossen wurde
© Capital Pictures / Picture Alliance

Sheriff äußert sich zu Projektil

Hollywoodstar Baldwin hatte vergangene Woche während der Dreharbeiten zu dem Western "Rust" offenbar versehentlich die Kamerafrau Hutchins erschossen, als er bei einer Probe eine Requisitenwaffe abfeuerte. Die 42-Jährige starb kurz nach dem Vorfall im Krankenhaus. Regisseur Joel Souza wurde an der Schulter getroffen und verletzt. Der zuständige Sheriff Adan Mendoza sagte am Mittwoch, in dem Revolver vom Kaliber 45 habe sich offenbar eine echte Kugel befunden. Demnach wurde in Souzas Schulter ein Bleiprojektil gefunden – mutmaßlich das selbe Projektil, das Hutchins tötete.

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"Cold Gun" an Alec Baldwin übergeben 

Unklar ist, wie scharfe Munition in den Colt gelangen konnte. Am Filmset hat die Polizei 500 Kugeln sichergestellt, eine "Mischung" aus Platzpatronen, Patronenattrappen und vermutlich auch echten Kugeln, wie Sheriff Mendoza sagte. "Wir werden feststellen, wie sie (die echten Kugeln) dort hingekommen sind, warum sie da waren, denn sie hätten nicht dort sein sollen." Offenbar habe es am Filmset eine gewisse "Nachlässigkeit" gegeben. Im Fokus der Ermittlungen stehen die 24-jährige Waffenmeisterin des Films, Hannah Gutierrez-Reed, und der Regieassistent Dave Halls. Dieser hatte Baldwin die geladene Waffe mit dem Hinweis gegeben, es handle sich um eine "cold gun" (kalte Waffe) – also eine Schusswaffe, in der sich keine scharfe Munition befindet und die deswegen sicher ist.

Waffen lagerten im Safe

Gutierrez-Reed sagte den Ermittlern, sie habe die Waffen am Set während der Mittagspause vor dem Unfall in einem Safe gelagert, nicht aber die Munition, wie aus einem Vernehmungsprotokoll hervorgeht. Die 24-Jährige gab demnach auch an, dass am Filmset "nie" echte Kugeln aufbewahrt würden. Die Branchen-Website "The Wrap" hatte zuletzt berichtet, Mitglieder der Filmcrew hätten nur Stunden vor dem tödlichen Vorfall mit Requisitenwaffen und scharfer Munition Schießübungen auf Dosen gemacht. Halls sagte der Polizei, Gutierrez-Reed habe ihm vor der Fortsetzung der Probe die Waffe gezeigt. "Er konnte sich nur daran erinnern, drei Kugeln gesehen zu haben", schreibt der Ermittler in dem bei Gericht vorgelegten Vernehmungsprotokoll. "Er sagte, dass er sie alle hätte überprüfen müssen, es aber nicht tat, und konnte sich nicht daran erinnern, ob sie (Gutierrez-Reed) die Trommel drehte."

Früherer Schusswaffen-Unfall wird bekannt

Zuletzt wurde bekannt, dass Halls wegen eines Schusswaffen-Unfalls bereits vor zwei Jahren bei einer anderen Produktion gefeuert worden war. Halls sei 2019 bei den Dreharbeiten zu dem Film "Freedom's Path" entlassen worden, "nachdem ein Crewmitglied eine leichte und vorübergehende Verletzung durch eine unerwartet losgegangene Schusswaffe erlitten hatte", sagte ein Produzent des Streifens der Nachrichtenagentur AFP.

mth AFP

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