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TV-Moderatorin: Was macht eigentlich ... Arabella Kiesbauer?

Von 1994 bis 2004 moderierte die Österreicherin ihre tägliche Nachmittags-Talkshow "Arabella" bei Pro 7.

Arabella Kiesbauer: Was macht die Österreicherin heute?

Arabella Kiesbauer, 48, an einem See in Österreich. Sie lebt mit Mann und Kindern in Wien

Frau Kiesbauer, vermissen Sie das deutsche Fernsehen?

Ich denke mit einem Lächeln an meine Zeit in Deutschland zurück. Aber ich lebe im Hier und Jetzt in Wien und bin sehr happy.

Sie waren zehn Jahre die Talk-Queen am Nachmittag. Welcher Gast und welche Geschichte kommen Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie daran zurückdenken?

Ich erinnere mich gut an ein achtjähriges Mädchen, das an Progeria erkrankt war. Dadurch alterte sie zehnmal schneller und wird heute wohl nicht mehr leben. Wir haben aber auch die Tattoo- und Piercing-Welle angeschoben. Heute lassen sich Menschen ihre Tattoos wieder entfernen. Damals haben wir sie im Studio live gestochen, vor der Kamera ist das Blut geflossen.

Fremdgehen, fummeln, Frauenhelden: War das Fernsehen damals mutiger darin, Tabus zu brechen?

Mit solchen Themen konnten wir Tabus brechen, ja. Das Privatfernsehen war in der Pionierzeit. Wir durften ausprobieren, wie weit wir gehen konnten. Fast jedes Thema war ein Skandal und eine Gratwanderung. Das fand ich sehr spannend.

Warum funktionierten die Nachmittag-Talkshows später nicht mehr?

Durch den Erfolg gab es eine Fülle an Talkshows, die sich gegenseitig kannibalisierten. Die Macher versuchten, Höhepunkte dramaturgisch aufzubessern. Irgendwann kannst du bei Geschichten, die tatsächlich passiert sind, nicht mehr nachjustieren. Deshalb kam der Sprung zur Scripted Reality mit erfundenen Lebensgeschichten.

Wieso sehen wir Sie hier nicht mehr: Hat man Sie in Deutschland als Talkshow-Quasselstrippe abgestempelt?

Mein Image in Deutschland ist durch den Talk geprägt. Daran zu schrauben und davon wegzukommen ist sehr schwierig.

In Österreich moderieren Sie seit Jahren die große Abendsendung "Bauer sucht Frau". Ging damit ein Traum in Erfüllung?

In meinem Alter ziehe ich mein Glück aus anderen Dingen als nur aus einer Fernsehshow. Aber mir ist wichtig, dass ich eine Sendung moderiere, bei der mir mein Herz aufgeht. Außerdem möchte ich mehr Zeit für meine Interessen abseits der TV-Welt haben. Als Daily-Talk-Moderatorin fühlte ich mich wie ein Hamster im Laufrad.

Gegen Sie wurde 1995 ein Briefbombenanschlag mit rassistischem Hintergrund verübt. Sie sind heute Integrationsbeauftragte im Team des Außenministers, engagieren sich gegen Rassismus. Wie sehen Sie die politische Situation derzeit?

Ich kann die Ängste und Unzufriedenheit nachvollziehen, versuche aber dagegen anzugehen und Menschen zusammenführen. Ich spreche in Schulen mit Jugendlichen über Diskriminierung, Vorurteile und Ausgrenzung. So möchte ich die Gesellschaft mitprägen.

Sie haben eine neunjährige Tochter und einen sechsjährigen Sohn. Geht das gut: Job und Familie?

Meine Familie hat absolute Priorität. Der Drehplan muss sich nach mir und meinen Kindern richten. Ich habe in meinem Leben schon genug gearbeitet.

Was würden Sie sagen, wenn Ihnen ein deutscher Sender eine Show anböte?

Deutsche Sender bieten mir immer wieder Formate an. Ich höre aber auf mein Bauchgefühl und nehme nicht jedes Angebot an, nur um wieder im deutschen Fernsehen zu moderieren.

Welches haben Sie ausgeschlagen?

Ich habe mich gegen eine Kochshow entschieden. Ich bin keine begnadete Köchin und hätte mich in der Sendung wie ein Lehrling gefühlt.

Interview: Tobias Ott
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