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Bangkok: Carradine starb offenbar bei Sexspielen

Langsam klärt sich der mysteriöse Tod des Schauspielers David Carradine: Laut Ermittlungen der Polizei starb er offenbar "nach einem selbstverschuldeten Unfall beim Liebesspiel". Wie aus Polizeikreisen durchsickerte, war Carradines Leiche mit einem Strick um Hals und Genitalien aufgefunden worden.

Der am Donnerstag in seinem Hotelzimmer in Bangkok tot aufgefundene Hollywood-Star David Carradine ist möglicherweise durch Sexspiele ums Leben gekommen. Sein Tod scheine nach einem "selbstverschuldeten Unfall beim Liebesspiel" eingetreten zu sein, sagte Gerichtsmedizinerin Porntip Rojanasunan am Freitag. Auch Polizeichef Worapong Siewpreecha äußerte vor der Presse die Vermutung, der 72-Jährige sei "beim Masturbieren" gestorben.

"Es war weder Selbstmord noch Mord, er starb, nachdem er sich selbst befriedigt hatte", sagte Porntip, die für das Justizministerium arbeitet. Laut einem ersten Autopsie-Befund starb Carradine an plötzlichem Sauerstoffmangel. Seine Leiche habe keinerlei Verletzungen aufgewiesen, die auf fremde Gewalt schließen ließen, sagte ein Krankenhausmitarbeiter, der den Bericht gelesen hatte. Das offizielle Ergebnis der Autopsie wird für Samstag erwartet.

Ermittler hatten Carradines Leiche am Donnerstag an einem Strick hängend im Kleiderschrank seines Hotelzimmers aufgefunden. Es gab keine Spuren, die auf einen Kampf hinwiesen, das Zimmer war von innen verschlossen. Laut Polizeichef Worapong war der Strick um Carradines Hals mit einem weiteren Strick um seine Genitalien verknüpft gewesen. Ein DNA-Abgleich soll nun zeigen, ob er die Stricke selbst angelegt hatte.

Nach Angaben der französischen Filmproduktionsfirma MK2 starb Carradine drei Tage vor Ende der Dreharbeiten zum Film "Stretch" des Franzosen Charles de Meaux. Ein Sprecher der Firma sprach von einem "möglichen Unfall" als Todesursache. Carradines Agentin wollte sich nicht äußern. Die Familie des Schauspielers sei "am Boden zerstört", sie werde zu den Spekulationen keinen Kommentar abgeben.

Ermittler Pirom Janthapirom berichtete unter Hinweis auf die Überwachungskameras, dass Carradine am Todestag keinen Besucher hatte. MK2-Mitarbeiter sagten der Polizei, Carradine habe am Vortag "von morgens bis abends Bier getrunken". Kurz bevor er ins Zimmer ging, habe er noch einen "doppelten Brandy" zu sich genommen, berichtete ein Mitarbeiter des Hotel-Restaurants. Er beschrieb Carradine als stets gutgelaunt. An drei Nächten habe er in der Lobby Klavier gespielt. "Er wirkte ausgelassen, lachte viel und machte mit dem Personal Witze."

Carradine stammt aus einer Schauspielfamilie. In den 70er Jahren wurde er berühmt durch die Fernsehserie Kung Fu. Später war er als Woody Guthrie in "Dieses Land ist mein Land" zu sehen und wirkte in Ingmar Bergmans "Schlangenei" mit.

Drogen- und Alkoholprobleme machten ihm jedoch zunehmend zu schaffen, zwei Jahrzehnte lang spielte er vor allem in B-Produktionen mit, die nicht in die Filmgeschichte eingehen werden. Ein großes Comeback feierte er mit der Titelrolle in Quentin Tarantinos Kino-Zweiteiler "Kill Bill". Carradine war fünf Mal verheiratet und hinterlässt zwei Töchter.

AFP / AFP