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Bastian Schweinsteiger Wilde Poolpartys, der Chelsea-Elfmeter und das Geheimnis der Liebe

Wenn er könnte, würde Bastian Schweinsteiger den Elfmeter gegen Chelsea nochmal schießen.
Wenn er könnte, würde Bastian Schweinsteiger den Elfmeter gegen Chelsea nochmal schießen.
© Gero Breloer
Bastian Schweinsteiger durfte ihn acht Jahre nach der Weltmeisterschaft erneut in den Arm nehmen: den Weltmeisterpokal. Die Trophäe weckte alte Emotionen in der Fußball-Legende und auch Erinnerungen an wilde Partys.

Den Pokal, den nur Weltmeister, Staatsoberhäupter und wenige FIFA-Mitarbeiter anfassen dürfen, hatte Coca Cola für die "Trophy Tour" in Berlin im Gepäck. Natürlich brauchte man vor Ort jemanden, der ihn berühren darf, so erschien auch der ehemalige Weltmeister Bastian Schweinsteiger und stand nach seiner emotionalen Begegnung mit der goldenen Trophäe dem stern Rede und Antwort.

Herr Schweinsteiger, wie fühlt es sich für Sie an, den WM-Pokal wieder in der Hand zu halten?
Das ist für mich wirklich sehr emotional. Ich verbinde sehr viel mit dem Pokal, aber es ist tatsächlich auch noch mal ein anderes Gefühl den Pokal hier in Berlin wiederzusehen nach so vielen Jahren, als damals, als ich ihn in die Luft gestreckt habe nach der gewonnenen Weltmeisterschaft.

Waren Sie nervös oder aufgeregt, haben Sie eine tiefe Verbundenheit empfunden?
Na klar, ich habe erstmal gesagt: "Schön, dass wir uns wiedersehen." Nein, ich muss echt sagen, ich hatte vergessen wie schwer dieser Pokal ist. Ich habe viele tolle Momente in meiner Fußballkarriere erleben dürfen, eine WM im eigenen Land spielen zu können und schlussendlich auch Jahre später die WM gewinnen zu dürfen, ist schon etwas ganz Besonderes. Der Pokal holt viele Erinnerungen und Emotionen in mir hervor.

Gibt es eine Situation auf dem Rasen innerhalb Ihrer Karriere, die Sie bis heute ärgert?
Beim WM-Finale bekam ich damals einen Ellenbogen ins Auge, mich hat es sehr geärgert, dass der Gegenspieler nicht mal eine gelbe Karte dafür sehen musste. Eigentlich wäre es gelb-rot gewesen. Wobei, wer weiß, wofür es gut war, dann hätte der Spieler vom Platz gemusst und wer weiß, ob das Spiel dann anders ausgegangen wäre. Vielleicht war es also das Beste so.

Bastian Schweinsteiger vermisst den Fußball nicht

Vermissen Sie den Fußball?
Nein, überhaupt nicht. Wobei mir manchmal das Kollegiale in der Kabine fehlt. Dieser einzigartige Zusammenhalt innerhalb einer Mannschaft, man geht zusammen durch Höhen und Tiefen.

Jahrelang mit vielen Männern in der Kabine: Hand aufs Herz, was war der mit Abstand bescheuertste und lustigste Moment über all die Jahre und was ist genau passiert?
Kabinengeschichten gibt es natürlich viele, spontan fallen mir zwei ein. Ein neuer Spieler kam mal mit ganz neuen, schwarz-weißen Fußballschuhen zum Training, ich habe dann heimlich meine Unterschrift daraufgesetzt. Allerdings waren das Schuhe, auf denen schon vorgefertigte Unterschriften schwarz auf weiß waren, er hat es nie bemerkt, dass nun auch meine Unterschrift dazwischen war, bis ich es ihm zeigte, aber er fand es dann ganz witzig.

Und die zweite Geschichte?
Da fällt mir vor allem Berlin ein, als wir hier Pokalsieger geworden sind, denn in Berlin gibt es einen Whirlpool-Bereich im Stadion. Damals sind alle aus der Mannschaft, auch die Physiotherapeuten und einfach alle in den Whirlpool gesprungen. Der Pokal natürlich mittendrin.

Sie hatten viele unterschiedliche Frisuren in Ihrer Karriere, gibt es eine, die Sie bereuen?
Eine? Mehrere! Da gab es schon ein paar Aussetzer. Einmal habe ich versucht, mir die Haare selbst zu färben. Ich wollte mir die Haare blondieren, herauskam aber mehr Orange statt Blond und an den Seiten war es viel dunkler. Das war ein ganz großer Fehler, das hat mir dann auch Uli Hoeneß deutlich zu verstehen gegeben. Man lernt auf jeden Fall daraus.

Was würden Sie aus heutiger Sicht Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg geben?
Also wenn ich jetzt nochmal die Chance hätte 18 oder 19 Jahre alt zu sein, würde ich meinem jüngeren Ich sagen, dass das Wichtigste im Leben ist, dass man Spaß hat und zugleich immer versucht das Maximum herauszuholen. Vielleicht hätte man das ein oder andere nicht gemacht oder noch ein wenig mehr trainiert  – wobei, den Elfmeter gegen Chelsea, den würde ich auf die andere Seite schießen.

"In einer Beziehung muss man auch mal über seinen Schatten springen"

Sie haben Ihre große Liebe in Ana gefunden, gibt es ein Geheimnis für eine gute Ehe?
Es ist wichtig, Dinge mit Ruhe und Gelassenheit anzugehen. Für mich ist es unabdingbar, dass man mit einem Lächeln ins Bett geht und mit einem Lächeln auch wieder aufwacht. Ehrlichkeit zu sich selbst und seinem Partner ist notwendig und dass man mit sich selbst im Reinen ist. Man darf keine Angst davor haben, auch mal über seinen Schatten zu springen. Für mich war es als Mensch eine Herausforderung, mit meiner Familie auch mal im Ausland zu leben und nicht nur in München, so konnte ich neue Erfahrungen sammeln, es hat mich weltoffener gemacht. Aus seiner eigenen Comfortzone auch mal rauszukommen, das erweitert den Horizont.

Was sind Ihre nächsten Lebensziele und Wünsche?
Ich bin kein Mensch, der so weit in die Zukunft plant. Ich lasse Dinge gerne auf mich zukommen. Hauptsache der Familie geht es gut, dass man Spaß im Leben hat und dass man sich selbst treu bleibt.

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