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BBC-Doku über die Queen: "Bloß nicht den Kopf beugen, sonst bricht man sich das Genick!"

22 Jahre hat BBC-Journalist Alistair Bruce gebraucht, bis die Queen ihre Zusage zu einer Dokumentation über ihre Krönungsfeier gegeben hat. In dem Film kommentiert die 91-Jährige die Ereignisse mit erstaunlich viel Humor und berichtet von den Tücken des Kronetragens.

Queen Elizabeth II.

Queen Elizabeth II. trägt die Imperial State Crown zur Parlamentseröffnung

Picture Alliance

"Tipps und Tricks zum erfolgreichen Tragen einer Krone": Dieser Ratgeber müsste noch geschrieben werden, und wer könnte das besser als die Queen? Das bestätigte sich auf unterhaltsame Weise im britischen Fernsehen in einer Dokumentation, in der die Königin erstmals vor laufender Kamera mit einem Fernsehjournalisten über ihre Krönung im Juni 1953 sprach.

Es hat BBC-Journalist Alistair Bruce stolze 22 Jahre des immer wieder Anfragens und Vorbereitens gekostet, bis der Buckingham Palast den Dreharbeiten zugestimmt hat. Und es war laut Vereinbarung kein Interview, sondern ein Gespräch mit der 91-jährigen Monarchin.

Bruce, Historiker und Spezialist für monarchische Traditionen - und im Privatleben Patenonkel eines der königlichen Enkelkinder -, durfte mit der Queen Filmausschnitte der Krönungszeremonie ansehen. Damals übrigens die erste Eurovisionssendung überhaupt, die Millionen Menschen sahen. Nur die Hauptperson hatte sie bis zu den Dreharbeiten nicht gesehen!

Außerdem wurden ein paar private Filmschnipsel der Royals vom Tag der Krönung gezeigt sowie ein Teil der echten Thronjuwelen präsentiert. Die beiden wichtigsten Kronen waren für die Dokumentation extra aus dem Tower geholt worden. Fragen stellen war nicht erlaubt, sondern nur Beobachtungen äußern, zu denen Elisabeth II. erstaunlich entspannt und mit trockenem Humor Kommentare abgab und Erinnerungen aufleben ließ.

So hebt sie im Film die "nur" 1,5 Kilo schwere Imperial State Crown, die sie meist zur Parlamentseröffnungszeremonie trägt, in die Höhe, dreht sie ein wenig hin und her und bemerkt spontan: "Sie war in der Mitte mal höher, als mein Vater sie getragen hat. Sie wurde etwas angepasst. Aber nicht im Umfang, zum Glück haben er und ich eine ähnliche Kopfform."

Die Queen trug die Krone probehalber, als sie ihre Kinder zu Bett brachte

Legendär ist in dem Zusammenhang auch eine Kindheitserinnerung von Prinz Charles, der anlässlich des Diamantenen Thronjubiläums seiner Mutter 2012 davon erzählte, wie sie am Vorabend der Krönung 1953 ihn und seine Schwester Anne ins Bett brachte – und dabei zu Twinset und Faltenrock die Krone trug, zu Übungszwecken, um sich an das Gewicht zu gewöhnen.

Die Queen und Prinz Philip

Die Queen und Prinz Philip am Tag ihrer Krönung im Jahr 1953

Sehr berührt hat die Königin offensichtlich das Wiedersehen mit der massivgoldenen St. Edward's Crown, mit der sie einst vor 65 Jahren gekrönt wurde und die sie seitdem nicht mehr getragen hat, da sie ausschließlich zur Krönung der britischen Monarchen verwendet wird. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie mit 2,23 Kilo noch schwerer auf den königlichen Kopf drückt. Für Elisabeth II. ist diese Krone nicht nur ein prächtiges Schmuckstück, sondern ein Symbol ihrer Königswürde und der lebenslangen Verantwortung, die sie im Moment der Krönung damals in der Westminster Abbey übernommen hat. Der Akt der Salbung zur Königin bedeutete für sie eine Art Wiedergeburt, aus Elisabeth Windsor wurde Elisabeth Regina (das lateinische Wort für Königin). Daher unterschreibt die Queen immer mit "ER" und ihr Monogramm besteht aus einem großen "E", der lateinischen Ziffer "II" und einem großen "R".

Aber auch die "Light-Variante", die Imperial State Crown, ist mit Vorsicht zu nutzen: "Wenn man sie trägt, darf man den Kopf nicht beugen, um die Kronrede im Parlament vorzulesen, sonst bricht man sich das Genick!" scherzte die geübte Trägerin in der Doku.

2868 Diamanten, 17 Saphire, 11 Smaragde, 269 Perlen und 4 Rubine

Die zeremonielle Kopfbedeckung schmücken immerhin 2868 Diamanten, 17 Saphire, 11 Smaragde, 269 Perlen und vier Rubine. Der sogenannte "Rubin des Schwarzen Prinzen", benannt nach einem ihrer Vorfahren aus dem 14. Jahrhundert, ist nach Aussage der Queen ihr Lieblings-Edelstein in der Krone. Die tropfenförmigen Perlen, die mal der auf dem Schafott gestorbene Königin der Schotten gehört haben und dann als Ohrringe für Elisabeth I. umgearbeitet wurden, gefallen ihr hingegen nicht so sehr: "Die sehen irgendwie traurig aus."

Überhaupt scheint sie eine recht persönliche Beziehung zu ihrem Kronschmuck zu haben. Manchmal, so weiß man aus ihrem Umfeld, tauscht sie persönlich, nur so zur Entspannung, an dem einen oder anderen ihrer Diademe die auswechselbaren Diamantornamente gegen Perlen oder Smaragdanhänger aus.

Besonders erstaunlich ist neben der offenen Art, in der Königin und Journalist in dieser Sendung miteinander plaudern, dass es Dinge gibt, die nicht einmal einmal die Eigentümerin über ihre Kronjuwelen wusste.

So fand Alistair Bruce während der Recherchen für die Dokumentation heraus, dass es während des 2. Weltkrieges, als der Thronschatz aus Angst vor einer Invasion der gegnerischen Deutschen aus dem Londoner Tower geholt und nach Windsor Castle ausgelagert wurde, noch eine weitere Vorsichtsmaßnahme gab. Sir Owen Morshead, der damalige Leiter der königlichen Archive, hatte vorsichtshalber zusätzlich die wertvollsten Edelsteine aus der Imperial State Crown herausgelöst und in eine Keksdose gepackt, um diese dann in einem extra ausgehobenen unterirdischen Tunnel unter dem Schloss zu verstecken. Der königliche Kommentar dazu: "Meine Güte, wenn ihm nun während des Krieges etwas passiert wäre. Wusste noch irgendjemand davon?" Wie sich herausstellte, war aber der damalige König Georg VI., der Vater der Queen, eingeweiht.

Bei der Krönung ihres Vaters war die Queen elf Jahre alt

Der für den Zuschauer berührendste Teil der Dokumentation ist dann auch der, in dem es nicht um die Krönung der Queen sondern um die ihres Vaters im Jahr 1937 geht, die sie als kleines Mädchen von elf Jahren erlebte. In einem Schulheft sollte sie damals ihre Eindrücke der Zeremonie für ihre Eltern beschreiben und tat dies in typisch ungelenker Schulmädchenschrift, in etwas altklugen, schwärmerischen Formulierungen.

Wer je das Glück hat, Einlass in die Royal Library in Windsor Castle zu erhalten, kann das Dokument dort hinter Glas liegen sehen. Die Erkenntnis, dass das Mädchen von damals heute noch da ist und seit Jahrzehnten die Fahne hochhält für die britische Monarchie, ein integrer und verlässlicher Fels in der Brandung der modernen, globalisierten Welt, lässt wohl kaum einen Zuschauer kalt - und sei er Hardcore-Republikaner.

Der Film ist nicht nur auf unterhaltsame Art lehrreich, man lernt die Queen auch etwas mehr von ihrer privaten Seite kennen und erhält nebenbei das Gefühl, dass die Monarchie in Großbritannien etwa ist, das immer da sein wird (was wohl der Hintergedanke des Palastes dabei war, den Dreharbeiten zuzustimmen).

An der BBC können sich ARD und ZDF in Sachen tolle Dokumentationen ein weiteres Mal ein Beispiel nehmen – hoffentlich zeigen sie diesen Film bald im deutschen TV, sonst gibt es ihn sicher demnächst auf Netflix als Ergänzung zur furiosen Serie "The Crown".

Queen Elizabeth II steht im himmelblauen Kostüm und oassendem Strohhut mit einer durchsichtigen Schutzbrille in einem Labor