Beyoncé Knowles Eine Künstlerin als Unternehmerin


Sängerin Beyoncé Knowles singt und tanzt nun für Armani. Im stern.de-Interview redet sie über ihr Leben als Unternehmerin, Schmuck, Freundschaft, ihr erstes Parfüm - und ihren Vater als liebsten Manager.

Frau Knowles, es riecht in Ihrer Hotelsuite sehr intensiv - obwohl die Balkontür geöffnet ist.

Kein Wunder. Die Damen von der Presseabteilung müssen ständig unser neues Parfüm ausprobieren und vorführen. Mögen Sie den Geruch etwa nicht?

Doch, doch. Wie würden Sie den Duft beschreiben?

Der Rosenanteil ist sehr hoch, und mir gefällt, dass der Duft irgendwie erwachsen riecht. Nach Frau, nicht nach Mädchen.

"Emporio Armani Diamonds" - stammt das Konzept von Ihnen?

Als mich die Leute von Armani fragten, ob ich da mitmachen will, stand schon fest, wie das Parfüm riechen und welchen Namen es tragen wird. Ich habe allerdings ein bisschen beim Flakon mitgeholfen ...

... der aussieht wie ein etwas nachlässig geschliffener riesiger Strassstein.

Da sind Sie aber streng mit uns. Die Idee ist natürlich: Diamant.

Bei wem rufen die Armani-Leute an, um zu fragen, ob Sie ein Parfüm bewerben wollen?

Bei meinem Vater Mathew. Er ist mein Manager, er bekommt die Anrufe.

Und der spricht Ihnen dann auf die Mailbox: "Beyoncé, Schatz, heute Morgen kam ein Angebot von Armani rein. Gibt ein paar Millionen zu verdienen für eine halbe Woche Arbeit. Lass mich wissen, ob du Lust hast."

Das ist mit einer halben Woche Arbeit nicht getan. Wir haben Fotoshootings, Drehtage für die Werbespots, Pressekonferenzen, Präsentationen.

Alles in allem zehn Tage?

Deutlich mehr.

Wie viele Millionen?

Sag ich nicht.

Sehen Sie sich eigentlich in erster Linie als Sängerin, als Schauspielerin oder als Geschäftsfrau?

Ich bin zur Geschäftsfrau geworden, weil mein Erfolg in den beiden anderen Berufen mir fast unendliche Möglichkeiten eröffnet hat.

Welche Strategie verfolgen Sie als Geschäftsfrau?

Ganz einfach: Ich sage nur bei Projekten zu, die mir Spaß bringen. Wenn ich Werbung produziere, müssen mich das Produkt und die Leute dahinter interessieren.

Was hat Sie außer der Persönlichkeit von Giorgio Armani bei diesem Projekt davon abgehalten, sich zu langweilen?

Wir haben das Thema "Diamonds are a girl’s best friend" genommen und für unsere Zeit modernisiert. Als Marilyn Monroe den Song sang, waren Diamanten ausschließlich ein Geschenk von Männern an ihre Ehefrauen. Wir wollten dieses konservative Klischee auflösen, denn heute tragen selbstbewusste Frauen Diamanten, die sie selbst bezahlen.

Im Werbespot, der in diesem Herbst weltweit im Fernsehen läuft, singen Sie das Lied und schmeißen mit Edelstein um sich. Befürchten Sie nicht, dass Sie bei Ihren Anhängern an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn Ihre Person nur noch mit Produkten identifiziert wird?

Nein. In diesem Jahr läuft ja außer Armani nicht viel.

Wal-Mart, Pepsi, Ford, L’Oréal, McDonald‘s, Walt Disney - das sind nur einige der Firmen, für die Sie in Ihrer Karriere geworben haben.

Und?

Gibt es eine Grenze, wo eine Künstlerin auch mal sagen muss: Stopp, ich kann nicht dauernd für Konzerne meine Hüften schwingen, weil sonst mein Ruf Schaden nimmt.

Wir wählen unsere Partner sorgfältig aus. Sie sehen ja: Mein letztes Album "B’ Day" lief sehr gut, die Tour war ausverkauft.

Die Werbespots ähneln ästhetisch Ihren Musikvideos - auch der Film für das neue Parfüm könnte ein Clip für einen Ihrer Songs sein.

Das ist die Idee. Deswegen zahlen mir die Firmen viel Geld.

Also ist Geld doch ein wichtiges Argument für Sie?

Sehen Sie es doch auch mal so: Es ist großartig, dass eine Afroamerikanerin wie ich von einigen der größten Konzerne der Welt als Botschafterin angeheuert wird. Das ist keine Selbstverständlichkeit! Und ich hoffe, dass bald mehr schwarze Frauen für Autos Werbung machen - und nicht nur für Kosmetik.

Wie viele Manager und Berater kümmern sich um Ihre Geschäfte?

Mein Vater und ich klären die meisten Dinge unter uns. Ich will mein eigener Chef bleiben. Es wäre schlimm, wenn ich verantwortlich wäre für eine Firma, einen Mitarbeiterstab. Meine Parole: Ich muss immer so unabhängig sein, dass ich mich morgen für ein Jahr in den Urlaub verabschieden könnte.

Sie haben keine Angestellten?

Ich beschäftige Finanzberater, PR-Berater, Stylisten, Bodyguards, Fitnesstrainer - ganz normal für jemanden in meiner Situation. Aber ich bin nicht "Beyoncé Inc." mit einem Wolkenkratzer voller Mitarbeiter.

Indirekt sind Sie verantwortlich für ein paar hundert Arbeitsplätze. Wenn Sie plötzlikch verkündeten, nie wieder öffentlich aufzutreten, müssten Plattenlabels, Konzert- und PR-Agenturen viele Leute entlassen.

So kann ich nicht denken. Diese Menschen arbeiten nicht für mich persönlich und deswegen trage ich keine Verantwortung für ihr Schicksal.

Sind Diamanten wirklich Ihr bester Freund?

Nein, ich habe viel bessere Freunde als meine Diamanten.

Interview: Lars Jensen

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