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Eheaus von Brangelina So tickt Brad Pitt wirklich

Brad Pitt
Über ein Treffen mit Brad Pitt.
© Stephane Reix/EPA/DPA
Viel wird derzeit über Brad Pitt und seine Ehe mit Angelina Jolie geschrieben. Doch wie tickt der Mann wirklich? Jochen Siemens traf den Schauspieler vor ein paar Jahren und konnte hinter die Fassade des Familienmenschen blicken.
Von Jochen Siemens

Wir saßen uns mal gegenüber. Brad Pitt, ein stern-Kollege und ich. In einem Zimmer in Berlin, irgendwie mittags und für ihn an diesem Tag eine beschissene Uhrzeit, denn er war eine Stunde vorher gelandet. Also Jetlag, den halben Schlaf noch in den Knochen und eigentlich überhaupt keine Lust zu reden. Oder zu sitzen. Brad Pitt gähnte, streckte sich, legte sich irgendwie schief in den Sessel und blickte mit milder Verachtung auf einen kalten Cappuccino, der vor ihm stand. Sein Blick: Gibt es hier auch ein Bier oder sowas? Nicht, dass er jetzt Bier trinken wollte, es war nur der Blick, den Männer manchmal haben.

Wenn man sich mit einem wie Brad Pitt trifft, bereitet man sich natürlich vor. Lange Liste mit Fragen, alle Zahlen im Kopf, Zeit ist knapp, keine Fehler machen. Konnten wir alles vergessen. Er saß, lag, gähnte da und murmelte, was ihm so einfiel. Wenn wir jetzt auch noch geraucht hätten, wäre es so gewesen, wie Männer manchmal nach einer langen Partynacht im Morgenlicht mit noch halbvollen Gläsern in der Hand zusammensitzen. Und sich mit knappen Sätzen große Wahrheiten erzählen.

Kein Lametta, nur Fakten

Denn in Pitts Gemurmel und dann wieder wenigen hellwachen Sätzen mit seiner tiefen, etwas kauenden Stimme, sprach er nur vom Wesentlichen. Kein Lametta über "a great movie", in dem er mitspielte; keine anheuernden Scherze, um lustig zu sein, überhaupt nichts Überflüssiges. Stattdessen Karges und Wahres. Über die Häuser, die er im überfluteten New Orleans damals bauen ließ, über die gute Seite der amerikanischen Seele, "wenn's beim Nachbarn brennt, kommen alle und helfen". Er sprach auch noch über Architektur und zitierte nebenbei Churchill mit dem Satz: "Wir formen unsere Häuser und unsere Häuser formen uns."

Aber das Männlichste an Pitt war, dass er mit keiner Silbe seine Frau oder seine Kinder erwähnte. Er zuckte zwar nicht zurück, wenn das Thema in Sicht kam, aber, hey folks, es gibt doch wohl Wichtigeres als die Frage, ob ich Gute-Nacht-Geschichten vorlese, oder? Das sagte er nicht, aber Brad Pitt ist die Sorte Mann, die auch etwas sagt, wenn sie schweigt. So wie einst Marlon Brando oder heute Daniel Craig, Robert Downey jr. oder Johnny Depp. Wunderbar wortkarg und trotzdem alles sagend.

Es sind Männer wie Brad Pitt, die sich durch Taten mitteilen und weniger mit Worten. Brad Pitt dreht Filme und bis heute keinen wirklich schlechten. Pitt engagiert sich, baut Häuser, fuhr nach Darfur und: machte. So wie der andere, auch so maulfaule Sean Penn. Erdbeben Haiti, Flugzeug chartern, Ärzte reinladen und hin. Helfen. Pitt sammelte damals Spenden für die Häuser in New Orleans und sagte: Für jeden gespendeten Dollar lege ich selbst einen dazu. Und machte es. Punkt. "Make it right" nannte er seine Initiative, "mach es richtig." Ganz altmodisch nannte man solche früher mal "Männer mit Prinzipien", und wer solche noch kennt, weiß, wie einfach es ist, mit ihnen zu leben. Und wie schwer.

Brad Pitt war strenger als Jolie

Denn wer seine ganze Lebensauffassung auf fünf, sieben oder vielleicht zehn Regeln, Prinzipien eben, aufgebaut hat, hadert mit der Moderne, die 150 und mehr Regeln hat und diese auch immer wieder umschreibt, anpasst oder verwirft. Aus den wirklich dünnen und sehr fernen Gerüchten über Brad Pitts und Angelina Jolies Eheaus, ist, wenn es denn stimmt, zu entnehmen, dass Pitt mit den Kindern strenger umgegangen sei als Mutter Angelina, deren Regelwerk vermutlich genauso hippiehaft unverbindlich war, wie sie selbst. Des Weiteren ist herauszuhören - es sei dahingestellt, von welcher Seite und mit welcher Absicht solche Brangelina-Leaks kommen -, Pitt sei zeitweise sehr entschieden, wütend oder jähzornig geworden und habe, neuestes Gerücht, seine Kinder misshandelt. Große Vorsicht, "misshandelt" kann nach amerikanischer Formulierung auch nur an den Ohren ziehen bedeuten. Wenn es denn überhaupt stimmt. Und außerdem, so die Gerüchte, habe er getrunken und Haschisch geraucht.

Mein Gott. Abgesehen davon, dass ein großer Teil der westlichen Welt aus Männern (und auch Frauen) besteht, die schon mal getrunken und einen Joint geraucht haben, lässt einen bisher auch der unterstellte Jähzorn nicht aufglühen. Es ist nichts von blauen Flecken, humpelnden Kindern oder therapeutischen Nothilfen bekannt. Es ist noch nicht einmal ein irgendwann irgendwie handgreiflicher Brad Pitt bekannt. Dass Männer wie er irgendwann mal auf den Tisch hauen, Türen knallen oder "fuck you" statt "sorry baby" sagen und drei Biere trinken statt veganen Gemüsesaft, ist kein "problem with anger", wie es jetzt die Jolie-Seite angeblich beklagt, sondern einfach nur: Mann.

George Clooney und Matt Damon waren unerwünscht 

Und, drehen wir das ganze doch einmal um: In was hat die ich-kann-alles-Jolie ihren Mann alles hineingezogen? In einen entsetzlich langweiligen unter ihrer Regie gemachten Beziehungsfilm "By the sea", zu dem das Paar dann auch in Zeitschriften halbwegs gut gespielte Liebesgespräche führen musste, zum Beispiel. Oder in eine Hochzeit, zu der Pitt seine Freunde George Clooney und Matt Damon nicht einladen durfte. Den in Berlin gähnenden, aber wesentlichen Pitt in Erinnerung, kam er einem auf all den Hochzeits- und Powerpaar-Fotos immer fremd vor.

Männer erkennen sowas sofort. Der Blick ist gebremst, das Lächeln hört oberhalb der Lippen abrupt auf, das "Hochzeitsgesicht" sagen Männer. 2005, als die Liebe der beiden noch halbwegs geheim war, fotografierte der Fotograf Steven Klein das Paar in einem Hotelzimmer. Die Motive waren Brad Pitts Idee. Auf einem der Bilder liegen beide auf einem Bett, sie schaut und er zielt mit einer Pistole auf sich. Männer ahnen immer, was kommt.


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