VG-Wort Pixel

Rassismus-Debatte Bravo, Boris Becker – mit seiner klaren Haltung gegen Rassisten ist er endlich wieder ein Vorbild

Boris Becker im vergangenen Februar in London
Boris Becker im vergangenen Februar in London
© Sven Hoppe / DPA
Pleite, Scheidung, Steuerhinterziehung: Die letzten positiven Schlagzeilen über Boris Becker sind lange her. Doch in der Rassismus-Debatte ist der ehemalige Wimledon-Sieger ein Vorbild. Bum-Bum-Boris ist zurück.

"Kriech unter den Stein zurück, unter dem du hervorgekommen bist." Beleidigungen wie diese gehören zu den harmloseren Kommentaren, die Boris Becker derzeit zu lesen bekommt. Der dreifache Wimbledonsieger wird vehement angefeindet. Nicht für irgendwelche Sperenzchen. Der 52-Jährige wird für seine Haltung in der Rassismus-Debatte beschimpft. Doch statt klein beizugeben, legt Becker nach. Er provoziert seine Landsleute und fordert sie heraus. Und ist damit der beste Becker seit dem Ende seiner Tenniskarriere.

"Da habe ich wohl einen wunden Punkt getroffen gestern Abend mit meinem Tweet über meine Familiengeschichte", sagte Becker in einem am Montagnachmittag veröffentlichten Video im Kurznachrichtendienst Twitter. Überall werde demonstriert, das Thema Rassismus und Polizeigewalt sei überall auf der Welt Thema Nummer eins. Nur in Deutschland werde das "ein bisschen unter den Teppich gekehrt", lautet Beckers Einschätzung der Lage. Angesicht zahlreicher Anti-Rassismus-Demonstrationen in München, Berlin oder Hamburg und vielen Schlagzeilen in deutschen Medien eine gewagte These. Doch Becker provoziert mit Absicht.

Die Becker-Faust, sie ist wieder da. Dieses Mal erhebt sie sich gegen Rassisten, Internet-Trolle und Mitläufer. Die Kritik an seiner Teilnahme an einer Anti-Rassismus-Demonstration am vergangenen Samstag in London schockierte Becker. Und sie fordert ihn heraus. Wie in seinen Matches früher, stellt er sich seinen Gegnern. "Sind wir ein Land von Rassisten geworden ...?“, fragt Becker und weiß, dass er seine Hasser damit weiter reizt.

Boris Becker in den Negativschlagzeilen

Ausgerechnet Becker. Viele hatten ihn längst vom Sockel gehoben. Der ehemalige Tennisheld, der sich aus Deutschland erst ins Steuerparadies Monaco und inzwischen nach London verdrückt hat. Seit Jahren macht er eher mit seinen gescheiterten Beziehungen und seiner Privatinsolvenz Schlagzeilen. Trauriger Höhepunkt der Becker-Posse: Seine Teilnahme an einer RTL-Show, bei der er sich Fliegenklatschen und ein Handtuch um den Kopf hängte - des Geldes wegen. Er nun will den Deutschen Rassismus-Nachhilfe geben.

In seinen Kommentarspalten vereinen sich Becker-Hasser mit Alt- und Neonazis. Eine widerliche Melange. Warum sie sich an ihm abarbeiten? Die Antwort ist: Becker hat verstanden. Der alte weiße Mann aus Leimen weiß mehr über Diversität und Rassismus, als die meisten Deutschen über Tennis. Seine persönlichen Erfahrungen, seine Beziehungen mit Barbara und Lilly Becker und seine vier Kinder: Sie alle haben ihn viel über Rassismus gelehrt.

Becker ist mit seiner klaren Haltung gegen Rassisten endlich wieder ein Vorbild. Und ein Aushängeschild für Deutschland. Wir dürfen stolz auf ihn sein und sollten seine Anregung wahrnehmen: "Wir sollten deutlich mehr darüber sprechen. Wir sind alle eine Familie." Bravo, Boris Becker.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker