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IHED: "Salafistisches Milieu": Bushido ruft zu Spenden für dubiose Organisation auf

Das Leid der Menschen in Syrien bewegt viele Menschen. Auch Rapper Bushido ruft zu Spenden für die Menschen in dem kriegszerstörten Land auf - empfiehlt aber eine dubiose Organisation.

Bushido

Rapper Bushido unterstützt den Islamischen Humanitären Entwicklungsdienst (IHED).

Während der Weihnachtszeit ist die Spendenbereitschaft der Deutschen in der Regel besonders groß. Vor allem das Leid der Menschen in Syrien bewegt viele Menschen. Auch Promis engagieren sich für das vom Krieg zerrüttete Land und rufen zu Spenden auf. Auf seiner Facebook- und Instagram-Seite postete Rapper Bushido einen Spendenaufruf zugunsten von Syrien. "Auch wenn wir diesen Winter wieder in einem warmen Haus verbringen werden, gibt es zu viele Menschen, denen es vergönnt bleibt. Krieg und Hunger haben Syrien fest im Griff. Helft, wenn ihr euer Glück mit Menschen teilen wollt", schrieb er am Dienstag auf Facebook. Die Spenden sollten der Organisation IHED zugute kommen - dem Islamischen Humanitären Entwicklungsdienst. Am Mittwoch teilte er die Aufforderung, für 35 Euro einen Pullover zu kaufen. "Der Gewinn geht an Aleppo!" Wie hoch der Gewinnanteil ist, verrät der Aufruf nicht. Wie die angegebene Mailadresse jedoch verrät, geht das Geld auch hier an den  IHED.

Was ist das für eine Organisation? Wer wissen will, ob seine Spenden in in guten Händen sind und wirklich bei den Bedürftigen ankommen, kann sich nach Spendensiegeln erkundigen. In dieser Frage hilft zum Beispiel das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das prüft und ein Spendensiegel vergibt. Etwas 230 Organisationen tragen dieses Siegel und verpflichten sich, die vom DZI geforderten Kriterien einzuhalten. Dazu zählen Transparenz, Sparsamkeit und wirksame Kontrollstrukturen.

Bushido und der IHED

Was hält man dort vom IHED? Das DZI-Spenden-Siegel trägt der Verein nicht. "Auch der sehr niedrigschwelligen Transparenzinitiative ITZ (Initiative Transparente Zivilgesellschaft) unter Federführung von Transparency International Deutschland ist der IHED nicht beigetreten", sagt DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke auf stern-Anfrage. Auch sonst sieht man den Verein beim DZI kritisch: "Der IHED nimmt auf seiner Website für sich die Bereitschaft zur Transparenz in Anspruch und verweist in diesem Zusammenhang auf einen angeblich verfügbaren Jahresbericht; auf der Website selbst konnte ich einen solchen Jahresbericht oder einen Finanzbericht allerdings nicht finden", sagt Wilke.

Bushidos Spendenaufruf

Bushido hat auf Facebook zu Spenden aufgerufen für den Islamischen Humanitären Entwicklungsdienst (IHED).

 Bushido ist mit seinem Engagement nicht alleine. Auch der bekannte Salafist Pierre Vogel hat sich bereits für IHED eingesetzt: "Unterstützt eure Geschwister auf der ganzen Welt, unterstützt die Seite von IHED", fordert er in einem  2015 auf Youtube veröffentlichten Video. "Diese Organisation hat viele Projekte in der ganzen Welt. Beispielsweise in Afrika, wo christliche Missionare Millionen ausgeben, um Muslime von der Religion abzubringen."

Wegen dieser Unterstützung warnen auch die baden-württembergischen Behörden vor diesem Verein. "Der IHED weist Bezüge ins salafistische Milieu auf", heißt es in einer Antwort des Innenministeriums vom 19. Oktober dieses Jahres auf eine Kleine Anfrage im Landtag.

Auch dem Bayerischen Innenministerium ist der IHED ein Begriff. In einem im Juni 2016 veröffentlichten "Verzeichnis extremistischer oder extremistisch beeinflusster Organisationen" taucht der Verein in der Rubrik "Islamistische/islamistisch-terroristische/ausländerextremistische Bestrebungen" auf.

Wem der ideologische Hintergrund einer Hilfsorganisation nicht egal ist, der sollte es sich gut überlegen, ob er den Menschen in Syrien via IHED hilft. Bei einer Organisation wie Unicef kann man sicher sein, dass das Geld auch bei den Bedürftigen ankommt.