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Carla Bruni: Sie ist ja nicht einmal Französin

Die neue Premiere Madame Frankreichs hat einmal über die oft schlecht gelaunten Franzosen gemeckert. Nun bekommt Carla Bruni die Eigenart zu spüren: Kaum mit Präsident Nicolas Sarkozy verheiratet, kommen Zweifel darüber auf, ob sie überhaupt als erste Frau im Staat geeignet sei.

Von Astrid Mayer

Frankreich hat eine neue Premiere Madame - und seit der Hochzeit mit Nicolas Sarkozy werden neue Seiten aus Carla Brunis Vergangenheit hervorgezogen. Nacktfotos und die Liste der Affären sind in den Hintergrund geraten, jetzt geht es um ihre politischen Einstellungen: Sie hat schließlich öffentlich zu Protokoll gegeben, dass sie bei der Präsidentschaftswahl Ségoléne Royale gewählt hätte. Wenn sie denn gekonnt hätte. Aber die neue erste Frau hat nicht einmal einen französischen Pass.

Bei den olympischen Winterspielen 2006 trug sie die italienische Fahne. Wie soll man da Patriotismus für Frankreich erwarten? Sie hat in der Vergangenheit keinen Hehl aus ihren Problemen mit der französischen Mentalität gemacht. Und gelegentlich auch politische Äußerungen gemacht, die zu den Einstellungen ihres jetzigen Ehemannes überhaupt nicht passen. Wie dieses Präsidentenpaar funktionieren soll, ist den Franzosen bisher ein Rätsel.

Nimmt sie ihre Pflichten als Hausherrin im Elysée wahr?

Auch dass Carla Bruni ihre Pflichten als Hausherrin des Elysée-Palastes mit seinem ausufernd zahlreichen Personal wahrnimmt, ist mehr als unwahrscheinlich: Sie beginnt im Februar, ihr neues Album aufzunehmen. Mit einem Song, in dem sie ihren Geliebten mit Haschisch vergleicht und als ihre Droge bezeichnet. Da steht das nächste Image-Problem für den Präsidenten ins Haus. Und dann kommt eine Tournee, zunächst durch Frankreich: Der Alptraum schlechthin für die Security der First Lady.

Mit dem Sicherheitspersonal des Elysée ist sie ohnehin schon aneinander geraten - man hat versucht ihr klarzumachen, dass Einladungen in den Präsidentenpalast nur mit Gästeliste und Gästen funktioniert, die sich ausweisen können. Und dass spontane Zusatzgäste nicht gern gesehen sind. Aber es gab auch schon Anfeindungen betrunkener Gäste bei Sarkozys Freund, dem Sängerkollegen Johnny Halliday. Von den hämischen und gehässigen Kommentaren zur Hochzeit in den Blogs ganz zu schweigen.

Symptomatisch für die Stimmung bei einem Teil der Franzosen: Das Magazin "Nouvel Observateur" hat ein altes Interview mit Carla Bruni ausgegraben, in dem sie sich über Paris und über die Franzosen nicht gerade positiv auslässt. Sie seien zu oft schlecht gelaunt und negativ im Denken; Paris sei manchmal wegen der schlechten Luft schier unerträglich. Besonders auf diesen Artikel hin häufen sich die Kommentare, Bruni sei eine Schande für Frankreich.

Von der Frechheit, ein weißes Kleid zu tragen, über die Prominenz der Trauzeugen Sarkozys, die beide in der Luxus-Industrie arbeiten, bis zum Verdacht, der Steuerzahler müsse die Party am Hochzeitsabend in Versailles finanzieren - die Aufhänger für moralische Entrüstung sind zahlreich. Sie werden gelegentlich von Spekulationen über den Orangensaft am Ende der Trauung beiseite geschoben. Eine französische Hochzeit ohne Champagner? Nun, Sarkozy trinkt nie Alkohol.

Die erstaunlichste Reaktion kam von der Ex-First-Lady. Nein, nicht Cécilia, sondern Bernadette Chirac: Sie ließ den Jungvermählten ihre herzlichen Glückwünsche zukommen und bekundete ihre Freude über die Hochzeit. Ganz Aristokratin. Und womöglich in leiser Wehmut ob der Tage, in denen Nicolas Sarkozy als Freund ihrer Tochter im Elysée ein und aus ging und (schwieger-)mütterliche Gefühle in ihr weckte.

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