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Daniel Day-Lewis: Goldfinger

Wenn sich das englische Schauspiel-Ereignis Daniel Day-Lewis für eine Rolle entscheidet, ist der Preissegen nicht weit. Ein Gespräch über Ehrgeiz, Tagträumerei und den eigenen Bohrturm.

Glückwunsch zum Oscar, Ihrem zweiten nach "Mein linker Fuß".

Daniel Day-Lewis: Ich bin außer mir vor Freude. Und ich kann es immer noch nicht fassen.

Haben Sie Ihre Hände nach den Dreharbeiten von "There Will Be Blood" jemals wieder sauber bekommen?

Für Gesicht und Kleidung haben wir uns tatsächlich mit richtigem Öl eingeschmiert, sonst aber auch andere Flüssigkeiten verwendet, nicht ganz so zähflüssig. Ich wollte aber Sachen benutzen, die nicht so leicht abgehen, die in die Haut einziehen.

Ihre Figur, der rücksichtslose Ölbaron Daniel Plainview, ist sehr ehrgeizig. Sie auch?

Hoffentlich nicht. Als junger Athlet war ich sehr versessen auf Wettbewerb. Ich habe geboxt, gefochten, Fußball gespielt und bin Mittelstrecken gelaufen. Das hat schon lange nachgelassen. Jetzt besteht mein Ehrgeiz nur noch darin, gute Arbeit abzuliefern.

Hat das Altern Sie sanfter gestimmt oder Ihre Familie?

Ich bin sicher nicht mehr so wild wie früher, da war ich schon sehr unberechenbar. Ich würde nicht wollen, dass mich meine Kinder so erleben. Eigentlich bin ich immer recht entspannt, mehr ein Tagträumer. Außer wenn ich arbeite, dann gibt es diese Rauschmomente.

Schotten Sie sich immer noch komplett ab, wenn Sie eine Rolle vorbereiten?

Vollständige Isolation gibt es nicht. Zum Mittagessen mit den Kindern tauche ich dann schon auf. Aber diese Zeit der Vorbereitung ist etwas so unglaublich Intimes und Privates, dass ich mich möglichst weit zurückziehe. Ich würde nie jemanden um Rat fragen, wenn ich mit der Rolle feststecke. Nicht mal den Regisseur. Meiner Frau Rebecca zeige ich ein Drehbuch erst, wenn ich bereits zugesagt habe.

Sie haben diesmal aber keine Auszeit genommen und als Schuster in Florenz gearbeitet?

Darüber habe ich noch nie gesprochen. Ich sage nicht, dass das nicht stimmt. Aber es sind so viele bizarre Geschichten über mich im Umlauf, dass ich mich dazu nicht mehr äußere. In der englischen Zeitung "Guardian" hieß es, ich hätte auf dem Feld hinter meinem Haus einen eigenen Bohrturm gebaut. Jesus! Ich habe nach dem Artikel eine Weile ernsthaft darüber nachgedacht.

Könnten Sie denn einen Bohrturm errichten?

Na klar. Nicht alleine, aber als Teil einer Mannschaft. Ansonsten musste ich für "There Will Be Blood" nicht viel üben. Eine Spitzhacke schwingen kann jeder. Aber ein guter Ölbohrer muss lernen, die Landschaft zu lesen. Eine Instinktsache.

Bedauert Ihr Instinkt, dass Sie in den letzten 20 Jahren nicht mehr Filme gedreht haben?

Vielleicht komme ich irgendwann am Ende meiner Tage zu der Erkenntnis, dass ich die Hälfte meines Lebens verschwendet habe. Aber ich habe immer nur die Filme ausgewählt, bei denen ich einen unwiderstehlichen Drang verspürt habe. Die Zeit, die ich fern von Filmen verbringe, erlaubt es mir, danach wieder Filme zu machen. Das ist mein eigener Rhythmus.

Interview: Matthias Schmidt

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