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Das Phänomen Justin Bieber: Der Unausweichliche

Justin Bieber ist erfolgreicher als jeder andere Teeniestar und im Internet eine Macht. Bei der "Golden Globe"-Verleihung durfte er eine der begehrten Trophäen überreichen.

Von Jens Maier

Eines Tages musste es ja so weit kommen. "Justin Bieber for President", forderte Kolumnist Charles M. Blow unlängst in der renommierten US-Zeitung "New York Times". Bieber sei ein Publikumsmagnet, der alle in Verzückung versetze, um dann die Herzen zu brechen, untermauerte Blow seinen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag. Während hierzulande noch immer einige Erwachsene "Justin wer?" fragen, ist der Kanadier in ganz Amerika ein Star. Und sogar mehr als das. Justin Bieber ist ein Phänomen.

Sein Kerngeschäft ist die Musik. Mit seinem zweiten Album "My World 2" belegt Bieber seit Wochen Platz eins der amerikanischen Album-Charts. Er arbeitet mit den größten Stars der Branche - Usher und Ludacris - zusammen. Bei den American Music Awards hat Bieber gerade alles abgesahnt, was an Preisen zu holen war. Doch der gerade mal 16-Jährige ist nicht nur musikalisch erfolgreich, sondern Stil prägend für eine ganze Generation.

Seine Frisur, den sogenannte Bieber-Bob, ahmen Kids weltweit nach. Er hat sein eigenes Parfüm und seinen eigenen Nagellack und unlängst seine Memoiren veröffentlicht. Die höchste Weihe erfuhr er gerade vom US-Magazin "Vanity Fair", das ihn mit der Frage "Ist er das anbetungswürdige und unausweichliche Gesicht 2011?", auf die Titelseite der Februarausgabe erhob.

Der mächtigste Mann im Internet nach Mark Zuckerberg

Seine Anhänger haben diese Frage längst beantwortet. 100 Millionen Dollar hat Bieber allein im vergangenen Jahr verdient. Mit über 18 Millionen Fans bei Facebook und über 6,5 Millionen Followern (Stand Januar 2011) bei Twitter hat er in den sozialen Netzwerken sogar US-Präsident Barack Obama überholt. Auf dem Videoportal Youtube ist sein Musikvideo das meistgesehene und erfolgreichste aller Zeiten. Das alles macht Justin Bieber nach Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zum mächtigsten Mann im Internet.

Dort hat auch alles angefangen. Der in der kanadischen Kleinstadt Statford geborene Sohn einer alleinerziehenden Mutter brachte sich selbst Gitarre, Klavier, Schlagzeug und Trompete bei und stellte mit zwölf Jahren ein paar Videos von sich auf YouTube ein. Dann nahm das Märchen vom Nobody, der ein Weltstar wurde, seinen rasanten Lauf. Von seinem späteren Manager Scooter Braun wurde der brave Bengel entdeckt, bekam schon kurze Zeit später einen Plattenvertrag und durfte sich anschließend aussuchen, mit wem er lieber zusammen arbeiten wolle: Justin Timberlake oder Usher.

Bieber entschied sich für R&B-Sänger Usher. Offenbar die richtige Wahl, wie seine Plattenerfolge beweisen. Mit schmachtend schönen Herzschmerz-R&B-Songs wie "Somebody To Love" oder "Baby" singt er sich seitdem in die Kinderzimmer. Doch warum ist gerade er so erfolgreich? Was unterscheidet Bieber von anderen Teenieidolen?

Nicht nur zum Knuddeln: Bieber polarisiert

Für das Phänomen Bieber macht der Chefredakteur der Jugendzeitschrift "Bravo", Philipp Jessen, drei Faktoren aus: "Erstens, der kann was", sagt Jessen. "Er kann singen, er kann tanzen und bringt ein gewisses Grundtalent mit auf die Bühne, das die Voraussetzung für seinen Erfolg ist." Zweitens habe Bieber die perfekte Staroptik. "Er jagt mit seinem Aussehen niemandem Angst ein und seine Frisur - seit den Beatles ein nicht zu unterschätzender Faktor bei Popstars - hat einen hohen Wiedererkennungswert", erklärt Jessen. Und drittens habe Bieber um sich und seine Fans eine eigene, abgeschlossene Welt geschaffen. "Ein Jugendstar zeichnet sich immer dadurch aus, dass die Eltern den Rummel um ihn nicht nachvollziehen können", sagt Jessen. "Würde die Mutter ins Zimmer kommen und statt mit dem Kopf zu schütteln sagen 'toll, den höre ich auch gerne', wäre es wahrscheinlich schnell mit der Begeisterung vorbei."

Denn trotz seiner süßen Frisur und den unschuldigen, braunen Rehaugen löst Bieber nicht bei jedem den Knuddel-Effekt aus. Im Gegenteil: Bieber polarisiert. Ganze 1,8 Millionen Nutzer unterstützen die Facebook-Seite "I hate Justin Bieber". Viele Radiosender, vor allem in Deutschland, weigern sich, die ihrer Meinung nach weichgespülten Popsongs zu spielen. "Bieber ist kein Konsenstyp", bestätigt Jessen. "Meine Arbeit wäre um Vieles einfacher, wenn das so wäre." Mit Bieber auf dem Cover der "Bravo" würden vor allem Jungs, aber auch ältere Mädchen, abgeschreckt werden, erklärt er. "Bieber ist leider kein Garant für Auflage."

Trotzdem glauben viele daran, dass Bieber das Zeug dazu hat, der weiße Michael Jackson zu werden. "Er hat das richtige Team um sich herum und macht extrem viel richtig", attestiert Jessen. "Und wenn er nicht abdreht, werden wir noch viel von ihm hören."