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Eine lebende Legende Johannes Heesters feiert seinen 108. Geburtstag


100 Jahre alt wollte Johannes Heesters auf alle Fälle werden, 108 werden es am 5. Dezember. Die Geburtstagsgala mit einem Konzert musste aber erst einmal verschoben werden, ein Schwächeanfall kam dazwischen. Heesters blickt auf eine sagenhafte Karriere zurück.

Bei seiner letzten Geburtstagsgala rief Johannes Heesters als dienstältester aktiver Schauspieler der Welt: "Ich werde auch 108, das könnt Ihr mir glauben!" Nach einem Schwächeanfall Ende November musste die öffentliche Geburtstagsfeier für "Jopie" im südbadischen Breisach aber erst einmal verschoben werden. Ärzte kümmerten sich im Krankenhaus um den Künstler, der am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort geboren wurde. Am Sonntag konnte er nach einer Woche wieder aus der Klinik entlassen werden. "Herr Heesters kann seinen 108. Geburtstag an diesem Montag im Kreis seiner Familie feiern", sagte sein langjähriger Berliner Agent Jürgen Ross am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Heesters lebt mit seiner über 45 Jahre jüngeren Frau, der Schauspielerin und Buchautorin Simone Rethel-Heesters, am Starnberger See. Auf Geburtstagsfeiern der vergangenen Jahre schmetterte der Charmeur und Grandseigneur der Operette mit noch erstaunlich kräftiger Stimme seine Lieder wie "Ich knüpfte manche zarte Bande" oder "Man müsste Klavier spielen können". Aber er ließ es bis ins hohe Alter nicht nur beim Feiern. Gerade ist ein neuer Kurzfilm mit ihm in der Rolle des "Petrus" herausgekommen und das neueste Filmprojekt war bisher die Verfilmung einer Geschichte von Anton Tschechow ("Wankas heiliger Abend") mit geplanten Dreharbeiten in Magdeburg, im Harz und in Berlin.

Jede Woche an den Fitnessgeräten

"Jopie" blickte immer nach vorn. Der einstige Ufa-Filmstar ("Hallo, Janine") wollte immer spielen bis zum Ende, soweit es die Gesundheit zulässt. "Soll ich zu Hause sitzen und warten, bis man mich holt?" hatte die lebende Operettenlegende schon früher mal gesagt und damals bescheiden hinzugefügt: "Ich möchte 100 Jahre alt werden, das wäre was, dann gibt es das größte Fest auf Erden! Wenn es die Leute auch wundert, dass ich so närrisch noch bin, aber da möchte ich wirklich noch hin."

Das ist längst geschafft. Und heute? "Natürlich habe ich auch Angst, dass es mal aufhört", sagte der inzwischen erblindete Heesters der dpa anlässlich seines 108. Geburtstages. "Ich möchte schon, dass es noch ein bisschen länger dauern darf, das wäre natürlich sehr schön." Dafür trainierte "Graf Danilo" bisher sogar noch jede Woche regelmäßig mit Fitnessgeräten. Ein kleiner Genever-Schnaps darf auch mal sein, früher gab es auch ein Zigarettchen, damit ist aber schon länger Schluss, "meiner Frau zuliebe", "Popje", wie er sie liebevoll nennt.

Und es gab auch in den vergangenen Jahren schon gesundheitliche Rückschläge zu verkraften, wie der Sturz in seinem Tiroler Feriendomizil am Neujahrstag 2008, als er mit Rippenbrüchen in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Aber "Heesters singt schon wieder", hieß es schon Tage später.

Sagenhafte Karriere mit Höhen und Tiefen

"Er ist noch immer voller Lebensfreude, obwohl er nichts mehr sieht, aber singen kann er immer noch", ergänzt Simone Rethel-Heesters. Zum Beispiel seine Evergreens, die den "Dandy des Jahrhunderts" mit Frack, Zylinder und dem weißen Seidenschal unsterblich gemacht haben, wie "Heut geh ich ins Maxim". Die Rolle seines Lebens war der leichtlebige Graf Danilo aus der Operette "Die lustige Witwe". Über 1600 Mal hat Heesters ihn verkörpert.

"Im Herzen blieb ich jung", meint Heesters in einem seiner jüngsten Lieder. Vor allem auch durch Arbeit, bis ins hohe Alter hinein. So stand Heesters noch im Sommer 2010 im Berliner Ensemble mit 106 Jahren in einer kleinen Rolle auf der Bühne, als greiser König in einem Stück von Rolf Hochhuth. 2011 gab es neue Filmarbeiten. Und noch vor wenigen Wochen gab er eine Gesangseinlage und trank das eine oder andere Gläschen bei der Gala zum 50. Jubiläum der Kleinen Komödie in München.

Heesters, der eigentlich Priester und dann Bankkaufmann werden wollte, blickt auf eine sagenhafte Karriere mit Höhen und Tiefen, mit viel Licht, aber auch Schatten zurück. In Berlin hatte sie 1935 auf den großen Bühnen der Metropole begonnen, dann auch in Wien, was ihn schnell zum Leinwandstar machte mit Filmen wie "Gasparone", "Hallo Janine" und nach dem Krieg "Hochzeitsnacht im Paradies", "Im weißen Rössl" oder "Bühne frei für Marika" mit Marika Rökk.

Späte Versöhnung in Amersfoort

Johan Marius Nicolaas Heesters, den schon bald alle nur "Jopie" nannten, wurde mit seinem Charme und dem "gewissen Etwas" in der Stimme und in den Augen zum umschwärmten Publikumsliebling. Später war er auch im Fernsehen viel zu sehen. Aber die Bühne ließ ihn nicht los. Als greiser Casanova in Karl Gassauers "Casanova auf Schloss Dux" ging Heesters ab 1986 erfolgreich auf Tournee. Ab 1996 stand er erstmals mit seiner Frau Simone Rethel auf der Bühne am Berliner Kurfürstendamm in dem eigens für ihn geschriebenen Stück "Ein gesegnetes Alter" von Curth Flatow.

Sein kometenhafter Aufstieg im Nazi-Deutschland wirft bis heute auch einen Schatten auf sein Leben, vor allem in seiner holländischen Heimat, wo ihm lange verübelt wurde, Hitlers "Lieblings-Danilo" gewesen zu sein, obwohl Heesters ein eher distanziertes Verhältnis zum Nationalsozialismus nachgesagt wurde. In der NS-Zeit gab es auch den umstrittenen, nach seinen Erinnerungen befohlenen Besuch im KZ Dachau.

Erst 2008 war ihm eine Art späte Versöhnung gegönnt mit einem Auftritt in seiner niederländischen Vaterstadt Amersfoort. Aber der Auftritt wurde getrübt von einem verunglückten Interview mit einem holländischen TV-Sender, in dem sich Heesters missverständlich über Hitler äußerte. Und einen Rückschlag gab es für Heesters im Frühjahr 2011, als er von einem geplanten Staatsempfang bei "seiner" Königin Beatrix der Niederlande im Berliner Schloss Bellevue "aus Platzgründen" wieder ausgeladen wurde. Dabei hatte doch ein Lebenswunsch von ihm in Erfüllung gehen sollen.

"Ich hab' mein Leben gelebt und hab' mich stets bemüht, den Weg gerade zu gehn, auch durch den Sturm der Zeit", sang Heesters in einem seiner späten Lieder, oder, wie er im "Jedermann" als Gott der Herr sagte: "So viel ich vermocht, hab ich vollbracht."

Wilfried Mommert, DPA DPA

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