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Erinnerung an Mick Werup: Mit Chris Drombusch in der Küche

Etwas verstrahlt wirkte er damals schon: Mick Werup, der sich am vergangenen Freitag erhängte, war einst Überraschungsgast auf der Geburtstagsparty von stern-Redakteur und "Drombuschs"-Fan Wigbert Löer. Wie es mit "Chris" in der Küche war.

Er kam um Elf, blieb bis halb Zwei, trank drei Orangensaft. Dann bedankte er sich, ging die Treppen runter, auf die Straße, in die warme Augustnacht. Kalt hätte ihm eh nicht werden können - Mick Werup trug ein gehäkeltes Mützchen, ganz in Weiß.

Seit eineinhalb Stunden war ich 32 Jahre alt, meine Freundin hatte eine Überraschungsparty organisiert, ein Wahnsinn, schon das. Wir kamen von der Ostsee, abends stand plötzlich mein Freund Gianni aus Florenz in der Tür, mein kleiner Bruder aus Hannover und viele Freunde aus Hamburg. Ich hatte mit gar nichts gerechnet, 32 Jahre, muss man ja nicht feiern. Und dann die ganze Wohnung voll.

Da stand Mick Werup nun - als Überraschungsgast

Meine beiden damaligen Kolleginnen Kerstin und Pauli hatten Mick Werup an diesem Samstagmorgen im Jahr 2005 auf einem Flohmarkt im Hamburger Karo-Viertel aufgespürt. Weil ich den Tag in der Redaktion gern mal mit der Titelmelodie von "Diese Drombuschs" begonnen hatte, wussten sie von meiner Vorliebe. Fanden sie schräg, okay, aber für die Geburtstagsparty hatten sie mir die DVDs gekauft. Die waren gerade raus gekommen, eine Hommage an die öffentlich-rechtlichen Achtziger Jahre, an Ludwisch und den Totschläscha, an Frau Wärbelhoff und Doktor Wollinksi. Und an Chris Drombusch, den kleinen ehrlichen Streifenpolizisten, der offenbar einen schwierigen Job, der dafür aber auch mit der jungen Marion Kracht eine phantastische Freundin hatte.

Und da stand er nun, Chris Drombusch, der Polizist, in der Serie vom Darmstadt 98-Hooligan Garlheinz getötet, in Wirklichkeit nun die perfekte Ergänzung eines ohnehin schon guten Geschenks. Kerstin fragte Mick, ob er nicht kommen wolle am Abend. Mick kam.

Statt in Indien, war er wieder unter uns

Kahlgeschoren, ein wenig verstrahlt und nicht mehr komplett anwesend - das war er damals schon. Er erzählte den Drombusch-Fans, von denen sich auf der Feier natürlich einige fanden, von seinem Projekt, das mit Nichtrauchen zu tun habe, und von seiner Oma. Die habe ihn enterbt, "ganz fiese Geschichte", meinte Mick, "Blankeneser Treppenadel", wir wüssten schon.

Wir wussten gar nichts, denn eigentlich, laut dem letzten auffindbaren Bericht über ihn, war er in Indien verschollen. Nun aber hatten wir einen Wissensvorsprung: Mick war wieder unter uns.

Ich traf mich später noch einmal mit ihm, um ihn für ein Kurzinterview auf der letzten Seite des stern zu gewinnen - "Was macht eigentlich...?" Er erzählte viel, wirrer noch als beim letzten Mal. Können wir machen, sagte er, aber konkreter wollte er nicht werden.

Immer trug er seine weiße Mütze

Immer mal wieder konnte man ihn rund um das Hamburger Schanzenviertel sehen, als einer der ersten fuhr er eines dieser flachen Fahrräder mit breitem Lenker. Und immer trug er seine weiße Mütze.

Mick Werup: Hauptdarsteller in Softpornos wie "Drei Schwedinnen auf der Reeperbahn" und als Chris Drombusch der softeste Polizist Deutschlands. Ein Überraschungsgast auf einer Überraschungsparty. Im Leben gestrandet, aber offenbar nicht verbittert. "Ich erwarte Euch in einem anderen Leben", soll er in einem Abschiedsbrief an die Nachbarn geschrieben haben. Das würde wohl zu ihm passen. Wir sind inzwischen umgezogen, aber in unserer Küche hängt ein Gruppenfoto von meiner Überraschungsparty. Mick steht mittendrin.

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