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Ex-Pornostar und Schauspielerin: Was macht eigentlich ... Traci Lords?

Mit Pornofilmen wurde die Amerikanerin in den 80er Jahren bekannt. Darin wirkte Traci Lords als Darstellerin mit – obwohl sie noch minderjährig war.

Ex-Pornostar und Schauspielerin: Was macht eigentlich ... Traci Lords?

Traci Lords, 49, heute. Mit Mann und Sohn lebt sie in South Bay bei Los Angeles. Das Pornobusiness hat sie längst hinter sich gelassen

Vor zwei Jahren sah man Sie in der Fernsehserie "Celebrity Wife Swap" als perfekte Hausfrau. Sind Sie das?

Ich bin eine gute Köchin, ich stehe oft in aller Herrgottsfrühe mit meinem Mann auf, koche ihm Kaffee und bereite Frühstück für meinen Sohn. Meine Familie ist mir wichtiger als alles andere, und ich versuche, mindestens drei Abende in der Woche zu Hause zu sein. Aber ich habe eine Menge mehr auf dem Zettel.

Was denn so?

Dreharbeiten, geschäftliche Termine, Galaveranstaltungen. Gerade läuft die dritte Staffel der Serie "EastSiders", darin spiele ich die wohlhabende Mutter eines schwulen Sohns. Dann beginnt die zweite Staffel von "Swedish Dicks", einer Serie mit Keanu Reeves, in der ich die toughe Inhaberin einer Detektei darstelle. Und wenn alles klappt, führe ich demnächst Regie bei zwei Filmen. Die Storys dazu habe ich selbst geschrieben.

Ein volles Programm!

Ich bin kreative Künstlerin und Multitaskerin. Ich musiziere, male, habe meine eigene Modelinie, und im Sommer stand ich als Model für die neue Modekampagne von Helmut Lang vor der Kamera. Man muss sich ständig weiterentwickeln, um relevant zu bleiben.

Bekannt wurden Sie einst als Pornostar. Spricht Sie heute noch jemand darauf an?

Nicht wirklich. Das ist jetzt über 30 Jahre her, und ich habe alles, was es zu dem Thema zu sagen gab, in meiner Autobiografie "Underneath It All" beschrieben. Ich war damals noch so jung. Deshalb ist der Begriff Pornostar auch komplett daneben. Ausgebeutetes Kind wäre passender. Ich war umgeben von älteren Typen, die mich ausgenutzt haben, und ich habe in der Branche niemanden getroffen, der unbeschadet blieb. Aber die Ausbeutung geht weiter, in allen Bereichen, schauen Sie sich nur die #MeToo-Bewegung an.

Hat Sie das Ausmaß des Weinstein-Skandals überrascht?

Nein. Hollywood war schon immer eine Jauchegrube. Jetzt, wo wir einen Präsidenten haben, der darüber redet, Frauen an die Pussy zu grapschen, reicht es aber offensichtlich einer Menge Frauen. Die sagen: Nein, das ist nicht in Ordnung! Die haben einfach genug. Hoffentlich bewirkt die Bewegung eine wirkliche Veränderung, aber das bleibt abzuwarten.

Ihre Autobiografie erschien vor 15 Jahren. Was hat sich seither in Ihrem Leben getan?

Zu viel, als dass ich alles in einem Interview erzählen könnte. Deshalb schreibe ich an einer Fortsetzung. Es gab einige positive Entwicklungen: Meine Mutter, zu der ich früher ein kompliziertes Verhältnis hatte, wohnt nun nicht weit von uns und ist eine sehr gute Großmutter. Und selbst mit meinem Vater, mit dem ich nie wieder reden wollte, habe ich wieder Kontakt. Er schickt uns ab und zu Pflanzensamen aus West Virginia. Er will ein guter Opa sein, und das ist in Ordnung.

Sie hören sich zufrieden an. Gibt es etwas, was Sie noch erreichen wollen?

Ich möchte Filme produzieren, die Menschen zum Besseren bekehren. Es gibt so viele Vorurteile und Hass auf der Welt, da möchte ich gegenhalten. Und im nächsten Jahr würde ich gern "Camp John Waters" besuchen, eine abgefahrene Veranstaltung von meinem alten Freund und Regisseur John Waters.

Hat der Sie nicht sogar getauft?

Ja. Aber ich habe mich noch mal taufen lassen. Doppelt hält besser, bei meinem sündigen Vorleben!

Interview: Severin Mevissen
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